ESMT baut digitale Lernplattform mit globaler Allianz

Von am 1. November 2018
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Die ESMT Berlin hat sich mit fünf führenden globalen Business Schools zusammengeschlossen, um mit einer neuen digitalen Lernplattform MBA-Programme und Managementkurse anzubieten.

Die Nachfrage nach Online-MBAs nimmt zu. Doch dazu bedarf es einer digitalen Lernplattform, die vielfältige Interaktionen erlaubt. Man habe den Markt intensiv analysiert und sei dabei zu dem Schluss gekommen, dass es kein optimales Angebot gibt, erklärt Nick Barniville, Associate Dean of Degree Programs, ESMT Berlin.

Plattformen wie Moodle, Canvas oder Blackboard seien eher auf die Begleitung des Präsenzunterrichts ausgerichtet und schlecht, was die Interaktionsmöglichkeiten und User Experience angeht. Plattformen wie 2U oder Getsmarter schafften zwar eine gute Lernerfahrung, das Problem sei jedoch, dass die Technologieanbieter mehr als die Hälfte der Kurseinnahmen selbst kassieren. Dann sei man auf die Imperial College Business School gestoßen, die eine eigene Plattform mit vielfältigen Interaktionsmöglichkeiten entwickelt hat und diese bereits für ihren Global Online MBA nutzt.

Entscheidend sei das aktive Engagement der Teilnehmer, sagt Paolo Taticchi, Programmdirektor des Global Online MBA. Das können Live-Diskussionen über Fallstudien sein oder die Teilnehmer müssen zum Beispiel ein fünfminütiges Video zum Thema nachhaltiger Entwicklung in ihrem Land anfertigen, hochladen und sich dann gegenseitig bewerten. Zudem nutzt die Schule Learning Analytics: Algorithmen analysieren die Verhaltensmuster des Lernenden, um ihm die passende Unterstützung anzubieten. Auch ein Tutor, der mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz rund um die Uhr Fragen der Studenten beantwortet, wird gerade getestet.

„Wir sind an Imperial herangetreten und haben ihnen eine Kooperation angeboten“, erzählt Barniville. Imperial habe die Idee gut gefunden und das Technologieunternehmen Insendi gegründet. Die ESMT ist dort Shareholder.

Die gemeinsame Plattform bildet das Herzstück der Future of Management Alliance (FOME), der ersten Zusammenarbeit dieser Art im Bereich Management-Weiterbildung. Mit dabei sind – neben der ESMT und dem Imperial College – die BI Norwegian Business School, die französische EDHEC Business School, die kanadische Ivey Business School und die Lee Kong Chian School of Business an der Singapore Management University.

„Diese neue Allianz erlaubt es uns, uneingeschränkt Kontrolle über unser geistiges Eigentum zu behalten“, so Barniville. Gleichzeitig schaffe die gemeinsame digitale Plattform ein langfristig nachhaltiges Unternehmensmodell. So könne man vermeiden, die gesamte digitale Durchführung der Kurse an externe Anbieter auszulagern.

Video über digitales Lernen an der ESMT Berlin

Die Plattform lässt sich an die Bedürfnisse der einzelnen Hochschulen anpassen und ermöglicht es ihnen, ihr Programmportfolio neu zu definieren, maßzuschneidern und zu digitalisieren. Dies gilt für MBA-Kurse ebenso wie für kürzere Kurse für die Weiterbildung von Führungskräften und Massive Open Online Courses (MOOCs). Jede Schule ist im Entwicklungsteam vertreten. „So können wir auch Anforderungen unserer Firmenkunden schnell realisieren“, so Barniville

Die Lernplattform bietet 40 verschiedene Möglichkeiten der Interaktion. Beispiel Geolocation: Die Teilnehmer sehen die Antworten der anderen Kursteilnehmer geclustert nach Regionen und erkennen so, dass eine Frage in Asien völlig anders beantwortet wird als in den USA. Beim Video Voting stellt man ein Video ein, in dem man seine Meinung begründet.

Lernplattform

Digitale Lernplattform

Online-MBA geplant

„Wir planen auch einen MBA“, so ESMT-Manager Barniville. So sei man bereits mit einem deutschen Unternehmen in Gesprächen über einen firmeninterne MBA im Blended Learning Format mit 20 Prozent Präsenzunterricht. Er soll im April starten.

Auch über einen offenen Online-MBA denke man nach, eruiere derzeit aber noch, mit welchem Preis man auf den Markt gehen will. Er werde nicht im Billigsegment liegen – schon allein aufgrund der enormen Investitionen in die Technologie. Zudem habe man ein eigenes Studio zur Aufnahme der Kurse eingerichtet und ein vierköpfiges Edtech-Team aufgebaut.

Eine Herausforderung dabei sei es sicher, den Unterschied zu den deutschen Fernhochschulen zu kommunizieren. Die stellen zwar häufig inzwischen auch ihre Studienmaterialien online, bieten aber nur sehr begrenzte Interaktionsmöglichkeiten. Zudem gehören sie nicht zu den international akkreditierten Business Schools und verfügen auch nicht über eine entsprechend hochkarätige Fakultät.

Künftig besteht auch die Möglichkeit, Kurse mit den anderen Schulen auszutauschen. Vielleicht entwickelt man später auch einen gemeinsamen Studiengang oder ein gemeinsames Global Leadership Programm. „Da gibt es sicher viel Potenzial“, so Barniville. Auch andere Schulen könnten die Plattform kostenpflichtig nutzen.

Die ESMT schaltet heute sechs MBA-Kurse, drei Executive Education-Lehrabschnitte sowie zwei individuell maßgeschneiderte Weiterbildungsseminare frei.

Die ESMT in Berlin wurde 2002 auf Initiative von 25 führenden deutschen Konzernen gegründet. Sie bietet neben ihrem Vollzeit-MBA auch einen Executive-MBA und Executive Education an. Die ESMT ist eine staatlich anerkannte private wissenschaftliche Hochschule und hat eine Dreifach-Akkreditierung (Triple Crown) von AACSB, AMBA und EQUIS.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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