MBS-Professor Jack Nasher: Der Stanford-Bluff

Von am 22. Oktober 2019
Nasher https://nasher.com

Jack Nasher, Professor an der Munich Business School, bezeichnet sich als Fakultätsmitglied der Stanford University. Doch das ist falsch, wie die kalifornische Topuniversität bestätigt.

Ob beim Wirtschaftsmagazin Capital (online, 16.8.2018), Manager Magazin (online, 14.10.19) oder im Handelsblatt (online, 20.5.19) – überall dort wird Jack Nasher, Professor an der privaten Fachhochschule Munich Business School (MBS) und „führender Verhandlungsexperte“ (Focus), in seinen Gastbeiträgen als „Fakultätsmitglied der Stanford University“ tituliert.

Beim Handelsblatt heißt es sogar: „Er ist Fakultätsmitglied der Stanford University, lehrt an der Munich Business School.“ Das erweckt zumindest den Eindruck, als liege seine Haupttätigkeit an der Stanford University

 

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Capital

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Manager Magazin

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Handelsblatt

Auch auf der Website der Munich Business School, wo er als Professor tätig ist, heißt es grammatikalisch etwas verunglückt: „Professor Nasher ist zur Zeit ebenfalls Fakultätsmitglieder der Stanford University“.

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Auf seiner eigenen Website schreibt er zweideutig, dass er „Professor an der Munich Business School und in der Fakultät der Stanford University“ sei. Das lässt sich leicht so verstehen, dass er Professor in der Fakultät der Stanford University ist.

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Und der Trick hat auch schon geklappt. Bei Wikipedia stand einige Zeit, er sei Professor an der Stanford University. Inzwischen wurde es geändert.

Von der FH nach Stanford?

Doch wie wird der Professor einer privaten deutschen Fachhochschule Fakultätsmitglied der Stanford University und damit einer der angesehensten und forschungsstärksten Universitäten der Welt? Noch dazu, wo der Wissenschaftsrat die ungenügenden Forschungsleistungen seiner Hochschule 2015 bemängelt hatte. Und wo sich Nashers Publikationen laut aktuellem Forschungsbericht der Munich Business School vor allem auf seine Veröffentlichungen bei Focus online („Erfolgreich sein à la Donald Trump“) beschränken – für die Hochschule offenbar forschungsrelevante Veröffentlichungen.

Ganz einfach. Nashers Angaben sind falsch. So schreibt die Pressestelle der Stanford University: „Jack Nasher is a “Visiting Lecturer.” He is not a Stanford professor and is not a member of the Stanford University faculty.“

Das hatte auch bereits Stanford-Professor Ramón Saldívar, Director of the Bing Overseas Studies Program geschrieben: „Jack Nasher has taught recently at the Stanford University Bing Overseas Studies Centre in Oxford. He first taught for our program in Oxford during the autumn quarter term of 2018 and is slated to teach again in the winter term of 2020.“ Und weiter: „You do not find him on the roster of the Bing Overseas Studies faculty because he is not officially a Stanford University faculty member. His appointment is as a “Visiting Lecturer” with a one time renewable appointment.“

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Nasher ist also Lehrbeauftragter oder Gastdozent (je nach Übersetzung) bei den Bing Overseas Studies, einem Programm, bei dem Bachelor-Studenten in verschiedene Länder reisen und dort Vorlesungen und Kurse besuchen. Er unterrichtete dort im Herbst 2018 in Oxford und tut noch einmal in diesem Wintersemester. Er steht, so Professor Saldívar, nicht auf der Fakultätsliste der Bing Overseas Studies, weil er kein offizielles Fakultätsmitglied der Stanford University ist.

Mit der Aussage von Professor Saldívar konfrontiert, schreibt Nasher am 5. Juli: „Ich bin ein zeitweiliges („visiting“) Fakultätsmitglied der Stanford University. “Not officially a Stanford University faculty member” bedeutet, dass ich kein „ordentliches“ Fakultätsmitglied bin. Dies wäre mir aufgrund meiner Professur in München auch gar nicht möglich. Nichts desto trotz bin ich Fakultätsmitglied der Stanford University im Bing Overseas Program, was klar kommuniziert wird, u.a. in meinem offiziellen Stanford-Profil: https://profiles.stanford.edu/jack-nasher. Hinzu kommt, dass das „renewable appointment“ seitens Stanford bereits bestätigt ist.“

Doch bei keinem der erwähnten Artikel steht etwas von Bing Overseas Studies Program. Dort steht nur, dass er Fakultätsmitglied der Stanford University ist.

Das gilt selbst bei seinem Artikel in der Harvard Business Review. Auch hier heißt es lediglich, dass er „on the faculty of Stanford University“ sei.

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Überraschend ist das alles nicht. Nasher gehört zur Speaker-Szene, einer wachsenden Schar von mehr oder weniger seriösen Selbstdarstellern, die bei ihrer Selbstinszenierung gern mal übertreiben oder sogar hochstapeln. So lässt sich Nasher bei der Harvard Business Review auch als der „meist gelesene Wirtschaftspsychologe Kontinentaleuropas“ bezeichnen. Vermarket werden Speaker wie Nasher vor allem durch Agenturen wie Speakers Excellence und Sprecherhaus sowie die Plattform Gedankentanken.

Und weil renommierte Medien Nashers Bluff so eifrig verbreitet haben, wird er wohl noch lange als Fakultätsmitglied der Stanford University bezeichnet werden und keiner wird es hinterfragen.

Nach der Veröffentlichung des obigen Artikels drohte Nasher mit einer massiven Verleumdungskampagne, bei der er seine Falschdarstellungen und Verleumdungen über die Autorin über einen „Presseverteiler de luxe, der auf knapp 1000 Presseseiten zugreift“ verschicken will. Es ist nicht das erste Mal, dass der Professor der Munich Business School massive Verleumdungen und Falschdarstellungen über die Autorin verbreitet.

Dabei zeigt nicht nur das Verhalten des 40-Jährigen immer stärkere psychische Auffälligkeiten, sondern er offenbart auch erhebliche intellektuelle Defizite und vor allem eine erschreckende Unkenntnis des internationalen MBA-Marktes. Das zeigen seine Ausführungen zu der international bekannten und renommierten CEIBS (China Europe International Business School) in Shanghai. Nasher bezeichnet die führende Business School in China als „völlig obskur“ und „unbekannt“. Besser kann der Möchtegern-Stanford-Professor seine völlige Ahnungslosigkeit wohl nicht demonstrieren. Peinlich ist das natürlich auch für die Munich Business School, die sich gern als internationale Business School präsentiert und wo Nasher im MBA-Programm unterrichtet.

Am 13. Februar 2020 verschickte Nasher als „Kollege“ eine E-Mail mit massiven Verleumdungen und falschen Tatsachenbehauptungen über die Autorin an Professoren mehrerer Business Schools. An der Munich Business School stört man sich an dem justiziablen und wohl auch strafrechtlich relevanten Verhalten ihres Professor offenbar nicht. Am 17. Februar legte Nasher nach und drängte mit mehreren falschen Tatsachenbehauptungen dieselben Empfänger, sich von der Autorin zu distanzieren. Dabei verschickte er sogar unerlaubt, längst überholte und nicht-öffentliche Gerichtsbeschlüsse.

Auf die Frage, ob das Verhalten dem Leitbild und dem Wertekonzept der Munich Business School entspricht, hüllen sich Präsident Alfred Gossner und Dekan Stefan Baldi in Schweigen. Fast schon überflüssig zu erwähnen, dass Nasher auf der Website der Privathochschule auch noch immer als Fakultätsmitglied der Stanford University bezeichnet wird.

Trio infernale

Bei seinen Verleumdungen verweist Nasher auch immer wieder auf die Hochstaplerin und notorische Lügnerin Suzanne Grieger-Langer, über deren umstrittene Kundenliste haufe.de vor kurzem berichtete, und deren absurde Verschwörungstheorie auch auf einigen von Nashers zahlreichen Verleumdungen basiert. Die musste er allerdings inzwischen löschen – was Grieger-Langer natürlich nicht daran hindert, sie weiter zu verbreiten. Der Dritte im Trio infernale, auf den sich Nasher und Grieger-Langer – sei es etwa auf ihrer Website oder im Video – beziehen, ist Christopher Jahns.

Auch der ehemalige Präsident der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, der sich demnächst wieder wegen des Verdachts auf gewerbsmäßige Untreue vor Gericht verantworten muss, ist inzwischen auf den Diffamierungs-Feldzug gegen die Autorin aufgesprungen. So erbost er sich zum Beispiel über die „perfide Spekulation“ der Autorin „über eine bevorstehende Einweisung in die Psychiatrie“. Dabei war es die Staatsanwaltschaft, die 2017 seine Einweisung forderte, weil Jahns sich weigerte, seine Verhandlungsfähigkeit erneut überprüfen zu lassen. So wollte er sich offenkundig einem neuen Hauptverfahren seines Strafprozesses entziehen. Bereits 2017 titelte der Wiesbadener Kurier dazu: „Fit fürs Geschäft, krank fürs Gericht“ und schrieb: „In Wiesbadener Justizkreisen spricht man von einem „Skandal“. Weil Jahns sich „raustricksen“ wolle.“

Update (10. Juli 2020): Am 27. März verbot das Landgericht Frankfurt Jack Nasher fünf Falschaussagen über die Autorin auf seiner Website und in seinen E-Mails an Professoren renommierter Business Schools. Nasher legte Widerspruch gegen den Beschluss ein und scheiterte in allen fünf Punkten (Urteil vom 3. Juli 2020). Mehr dazu hier.

Auf seiner Website bezeichnet er sich weiter fälschlicherweise als „Fakultätsmitglied der Stanford University“.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

Ein Kommentar

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