Grieger-Langer: Profilerin mit Hang zur Lüge

Von am 28. Mai 2018
Grieger-Langer Screenshot

Im Dezember berichtete MBA Journal über die falschen Angaben der „Charakter-Profilerin“ Suzanne Grieger-Langer zu ihren angeblichen Lehraufträgen an Business Schools und Hochschulen. Doch das war nur die Spitze des Eisbergs. Die selbst ernannte Expertin für Betrugserkennung entpuppt sich zunehmend als Hochstaplerin.

„Suzanne Grieger-Langer ist Dozentin und Lehrbeauftragte der renommiertesten Wirtschaftshochschulen Europas. Dort lehrt sie für die Fakultäten Wirtschaftswissenschaften und Gouvernance (Anm: richtig müsste es natürlich Governance heißen) die evolutionäre wie revolutionäre Führung, Betrugsprophylaxe und Profiling“, steht auf ihrer Website.

Dass ihre angeblichen Hochschultätigkeiten nicht immer stimmen, berichtetet MBA Journal bereits im Dezember. Nachdem die „Charakter-Profilerin“ vor kurzem von Spiegel online in einem absurd-peinlichen Interview promotet wurde und weiter wird, lohnt ein genauerer Blick auf die „Betrugsexpertin“. In dem Interview schildert sie, wie sie „auf Grundlage von Datensammlungen große Unternehmen bei der Einstellung neuer Bewerber“ berät.

Damals behauptete Suzanne Grieger-Langer, dass sie für die Frankfurt School of Finance and Management den Studiengang „Certified Profiler“ entwickelt habe. Das war falsch. Dann wechselte sie einfach die Hochschule aus und schrieb auf ihrer Website: „Für die Steinbeis University Berlin entwickelte sie den Studiengang ‘Certified Profiler‘“. Doch auch das war falsch.

An der Frankfurt School unterrichte sie lediglich ein eintägiges Wahlmodul im 22tägigen Zertifikatsstudiengang „Certified Fraud Manager“, schrieb Klaus Beinke, Direktor bei der Frankfurt School am 1. November 2017. Man werde sie auffordern, die Referenz zu löschen,

Passiert ist nichts. Bei Speakers Excellence, einer Agentur für Referenten und fragwürdige Selbstdarsteller, steht noch immer, dass sie „u.a. den Studiengang ‘Certified Profiler and Negotiator’ für die Frankfurt School of Finance and Management“ entwickelt habe.

Auf Nachfrage schrieb Professor Nils Stieglitz, Präsident der Frankfurt School, am 18. Mai 2018: „Wir haben den Dozentenrahmenvertrag mit Frau Grieger-Langer gekündigt und sie wird nicht mehr als Dozentin bei uns tätig sein, in keinem Programm oder Kurs.“

Erneut passierte nichts. Auf ihrem Xing-Profil schreibt Grieger-Langer weiter, dass sie Lehrbeauftragte an der Frankfurt School ist, auch die falsche Angabe bei Speakers Excellence ist weiter online.

Auch ihre Angaben zur Steinbeis Hochschule waren falsch. Dort biete sie mit der School of Criminal Investigation & Forensic Science lediglich einen Zertifikatslehrgang zum „Certified Performance Expert“ (CPE) an, hieß es damals.

Auf Anfrage schreibt ihr Büro im April, dass sie dort Profiling im Masterstudiengang Kriminalistik lehre. „Aktuell absolvieren unsere Studenten der ersten beiden Semester (SS 2016 + WS 2016/17) an der Steinbeis Hochschule ihre Zertifizierung. Das aktuelle Angebot der Steinbeis Hochschule, unseren CPE mit einem Hochschulsiegel zu versehen, zusätzlich zur Anerkennung von Studienleistungen im Masterstudiengang Kriminalistik, freut uns natürlich sehr.“

Doch auch das ist falsch. So schreibt Professor Jürgen Abendschein, Geschäftsführer der Steinbeis Hochschule Berlin: Er möchte „zur Klarstellung darauf hinweisen, dass die Teilnehmer des Kurses lediglich ein Zertifikat der Hochschule erhalten, das einer Teilnahmeurkunde entspricht. Dies weist weder Noten noch ECTS-Punkte aus. Auch findet keine pauschale Anerkennung dieser Leistungen in einem Studiengang der Steinbeis-Hochschule statt. Dies ist schon deshalb ausgeschlossen, weil in dem Kurs von Frau Grieger-Langer lediglich die Teilnahme bestätigt und keine Abschlüsse vergeben werden, so dass auch keine pauschale Anrechnung auf etwaige Leistungsnachweise erfolgen kann“.

Und weiter: „Aus Gründen der Vollständigkeit möchte ich erwähnen, dass Frau Grieger-Langer im Sommer des vergangenen Jahres an einem Seminartag als Referentin ausgeholfen hatte, weil ein vertraglich gebundenen Referent kurzfristig abgesagt hatte. Darüber hinaus war sie in das reguläre Curriculum nicht eingebunden.“ Damit ist die Aussage, dass sie im Masterstudiengang Kriminalistik „Profiling“ lehre, falsch.

Dennoch stand in ihrem Linkedin-Profil weiter „Lehrbeauftragte, School of Criminal Investigation & Forensic Science, Profiling im Masterstudiengang Kriminalistik.“

Er habe Frau Grieger-Langer zur unverzüglichen Korrektur bzw. Richtigstellung ihrer fehlerhaften Angaben aufgefordert, schreibt Professor Abendschein. Noch am selben Tag wurde der Eintrag korrigiert.

Über die Abwicklung des in der Vergangenheit vereinbarten Unterrichtsprogramms hinaus werde es künftig keine Kooperation mit Frau Grieger-Langer mehr geben. Sie werde auch künftig nicht als nebenberufliche Lehrkraft an der Steinbeis-Hochschule bestellt werden. Damit werde das Engagement von Frau Grieger-Langer bei Steinbeis mit der Ausbetreuung der laufenden Kohorte beendet sein, so Abendschein.

Weitere Falschangaben

Unstimmigkeiten gibt es auch bei ihrer angeblichen Tätigkeit an der Fachhochschule Osnabrück. Dort ist sie laut ihrem Xing-Profil seit März 1995 bis heute als Lehrbeauftragte tätig. Inzwischen wurde der Eintrag geändert. Nun war sie angeblich von 1995 bis 2008 dort Lehrbeauftragte, also seit zehn Jahren nicht mehr! Sollte sie dort wirklich 13 Jahre gelehrt haben, wirft das kein gutes Licht auf die Hochschule.

Die Fachhochschule Bielefeld, wo sie laut ihren Angaben angeblich seit Oktober 2009 bis heute Lehrbeauftragte ist, schreibt: „Suzanne Grieger-Langer ist zurzeit nicht Lehrbeauftragte an der FH Bielefeld.“ Auch hier wurde der Eintrag inzwischen geändert.

Besonders dreist erscheint ihre Angabe zur Wirtschaftsuniversität Wien. Dort ist sie laut Angabe in ihrem Linkedin-Profil seit 2010 als „Dozentin, Scientific Staff und International PHDs: Führung, Selbstmanagement, Die 7 Säulen der Macht… “ tätig.

Auf Anfrage schreibt die Pressesprecherin der Wirtschaftsuniversität. „Ich kann Ihnen mitteilen, dass Fr. Grieger-Langer in unserem elektronischen System nicht erfasst ist. Das bedeutet, dass sie seit Beginn der Aufzeichnungen, also seit den 1990er Jahren in keiner Verbindung mit der Wirtschaftsuniversität Wien steht.“

Inzwischen wurde auch diese Angabe geändert. Nun war sie dort angeblich nur „2010 bis 2013“ als Dozentin „Scientific Staff“ beschäftigt.

Überhaupt ist die „Expertin für Betrugsprophylaxe“ sehr flexibel, was ihre Angaben angeht. Am 16. Mai steht auf ihrer Website: „8 Hochschulen & Universitäten, 12 Studiengänge Fakultäten WIWI & Gouvernance (statt Governance), 37 Vorlesungen pro Jahr, 2.072 Studenten allein in diesem Jahr“.

Zehn Tage später – am 26. Mai – sind es zwar immer noch 8 Hochschulen und 12 Studiengänge, aber nur noch 5 Vorlesungen und 382 Studenten. Fragt sich nur, welche Hochschulen und welche Studiengänge.

Neu aufgetaucht ist nun plötzlich die Universität Augsburg, wo sie angeblich von Oktober 2017 bis März 2018 einen Lehrauftrag hatte. Bestätigt ist bisher allerdings nur, dass sie dort Rahmen der sogenannten HR-Speaker Series an einem Abend einen Vortrag gehalten hat. Dort verriet die „Profiling-Expertin, Pädagogin, Psychologin, Unternehmerin und Bestseller-Autorin Suzanne Grieger-Langer, wie man Charakterprofile erstellt und in den Kopf des Gegenübers schaut“, heißt es auf der Uni-Website.

Falsche Titel

Doch das ist bei weiten noch nicht alles. Fragen wirft auch ihre Qualifikation auf. Ein detaillierter Lebenslauf lässt sich nicht finden. „Wir haben seit einigen Jahren keinen detaillierten Lebenslauf mehr von Suzanne Grieger-Langer im Netz und geben auch keinen mehr heraus, da wir in der Vergangenheit mehrfach sehr unangenehme Erfahrungen mit Stalkern machen mussten, die auch nicht vor unserem Umfeld Halt gemacht haben“, schreibt Katharina Weeke, Projektmanager | Profiler Suzanne Grieger-Langer, auf Anfrage. „Entsprechend verfahren wir mittlerweile nach dem Minimalprinzip. Dies tun wir zum Schutz unseres Umfeldes, zu unserem eigenen Schutz und zum Schutz unseres USP.“ Kein Lebenslauf aus Angst vor Stalkern? Da muss man erst einmal draufkommen. Möglicherweise verbirgt sich dahinter aber auch ein Hinweis auf paranoide Persönlichkeitszüge.

Laut ihrem Xing-Profil ist sie Diplom-Pädagogin und hat 1997 ihre Diplomarbeit zu dem Thema „Transaktionsanalyse – Emotionale Kompetenz mit individuellen Fördermaßnahmen im Unterricht der Primarstufe an der Fakultät für Pädagogik der Universität Bielefeld geschrieben.

Bei der Veranstaltung „Digital Mind Change“ 2017 bezeichnete sie sich allerdings als „Psychologin, Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin“. Auch bei einem – inzwischen gelöschten – Dokument der Steinbeis Hochschule wurde sie als Psychologin und Psychotherapeutin bezeichnet. Vor allem Psychotherapeut ist eine geschützte Bezeichnung, deren unerlaubte Nutzung ein Straftatbestand ist.

Und auch bei einer Handelsblatt-Fachtagung Compliance am 3. Mai war sie als „Profilerin, Pädagogin, Psychologin, Psychotherapeutin, Bestseller-Autorin und Lehrbeauftragte“ angekündigt.

Auf Anfrage schreibt ihre Mitarbeiterin: „Suzanne Grieger-Langer ist nicht Psychoanalytikerin, sondern Transaktionsanalytikerin. Bisweilen erläutert sie dies im Vortrag genauer, und zeigt den Zusammenhang zwischen beiden Analyserichtungen auf. Flapsig gesprochen könnte man sagen, dass die Transaktionsanalyse die erwachsene Tochter der Psychoanalyse ist, von Psychoanalytikern begründet, mit dem Gedankengut der Psychoanalyse, und eine Analyse in Echtzeit favorisierend, wird so manches Konzept grafisch für den Laien wenig zu unterscheiden sein. Nichts desto trotz ist Frau Grieger-Langer Transaktionsanalytikerin und definiert dies auch. Suzanne Grieger-Langer ist Pädagogin, Psychologin und Profiler, und zudem auch psychotherapeutisch ausgebildet.“ Eine wahrhaft abenteuerliche Begründung.

Dass sie ein Psychologiestudium absolviert hat oder eine zugelassene Psychotherapeutin ist, schreibt sie nicht. Im Klartext, sie ist weder Psychotherapeutin noch Psychoanalytikerin noch Psychologin, bezeichnet sich aber so.

Psychogenetischer Code

Ziemlich absurd klingt auch ihre Behauptung, den „psychogenetischen Code“ einer Person berechnen zu können, ohne mit der Person Kontakt gehabt zu haben. Schon Name, Geburtsdatum und ein Foto genügten und dann finde sie alles über die Person heraus, erklärte sie bei einem Vortrag. Mit dem so erstellten Charakterprofil wähle sie dann Mitarbeiter und Führungskräfte für Unternehmen aus.

Das bestätigte sie auch in einem Artikel: „Was wir von dem Bewerber benötigen sind der Name, das Geburtsdatum und ein Foto.“ Mit Hilfe dieser drei Angaben werde der Bewerber dann anhand wissenschaftlicher Methoden durchleuchtet. Dabei werde auch die Eignung, Potenzial und die Motivation geprüft und ein Persönlichkeitsprofil erstellt, um Stärken und Kompetenzen zu entwickeln und auszubauen. So erstelle sie jährlich 1.700 Charakter-Profile, wohl vor allem für Unternehmen. Dass die sich durch die „umfangreiche Datenanalyse“ der „Profilerin“ strafbar machen, wenn sie nicht die Berechtigung der Personen haben, die Daten zu nutzen, scheint die Unternehmen offenbar nicht zu stören.

Atemberaubende Referenzliste

Auf ihrer Referenzliste stehen Hunderte von Unternehmen. Das reicht von der Allianz, BMW, Bosch, der Bank für Sozialwirtschaft über Bertelsmann und die Bertelsmann Stiftung, Boehringer Ingelheim, der Commerzbank, Daimler, der Deutschen Bank, der Deutschen Telekom, dem Forschungszentrum Jülich, dem Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung, der HUK Coburg, der ING-Diba, J.P.Morgan Chase, der KfW Bankengruppe, KPMG, Klöckner & Co, Kuehne & Nagel International, Mercer Deutschland, Miele, ProsiebenSat.1 TV Deutschland, Qiagen, dem Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr, SAP, der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Berlin, Siemens, Talanx Deutschland, der TÜV Rheinland Group und TÜV Süd und der UBS bis zum Universitätsspital Zürich …. um nur einige wenige zu nennen. Dazu mehr als ein Dutzend Sparkassen, Raffeisenkassen sowie zahlreiche Medien und Hochschulen. Inzwischen (2. Oktober) sind bereits einige davon verschwunden und viele dürften vermutlich nicht einmal wissen, dass sie auf der Referenzliste stehen.

Selbst wenn davon nur ein Bruchteil stimmen sollte, wäre das ein erschreckendes Armutszeugnis für die Unternehmen und deren Personalmanager. Der Fall ist aber auch symptomatisch für die zahlreichen Selbstdarsteller im Personal- und Weiterbildungsbereich, bei denen übertriebene oder falsche Behauptungen oftmals zum Standard gehören. Das zeigt zum Beispiel auch der Fall des „Lügenpapstes“ Jack Nasher. Nachdem er mit seiner Klage gegen die Autorin gescheitert ist, verbreitet er zahlreiche Falschdarstellungen über sie.

Kein Wunder, dass „Europas unangefochtene Profilingexpertin“ (Eigenwerbung) daher besondere Unterstützung von Falk S. Al-Omary bekommt, einem „Experten für Selbstinszenierung, Medienreichweite und Egoselling“, der sie nach eigenen Angaben beraten hat und berät.

Al-Omary ist auch Vorstandsvorsitzender des ominösen Deutschen Managerverbands e.V. Grieger-Langer war dort bis vor kurzem stellvertretende Vorsitzende und steht dort als Repräsentantin Ostwestfalen-Lippe (Zitat: „Die Lehrbeauftragte der bekanntesten Wirtschaftshochschulen Europas (Frankfurt School, WU Wien, Bern) entwickelte u.a. den Studiengang ‘Certified Profiler‘.“) und leitet den „Think Tank“.

Auf Xing behauptet Al-Omary am 16. Mai, die Kritik an Grieger-Langer enthalte „Falschbehauptungen, die jeder Grundlage entbehren und gegen die die hier Verunglimpfte juristisch vorgeht“ und „in den kommenden Tagen werden alle Vorwürfe und Verleumdungen widerlegt sein“.

Was falsch ist, kann oder will der „Egoseller“ allerdings nicht preisgeben und poltert weiter: „Fakt ist, dass Sie Dinge behaupten, die alle widerlegt werden können.“ Dafür droht er der Autorin, man werde „zu gegebener Zeit umfassend auf uns geeignet erscheinenden Wegen und Kanälen zu Ihren Falschbehauptungen Stellung beziehen“.

PS: Am 29. Mai startete Grieger-Langer zusammen mit Al-Omary eine „einzigartige Transparenzoffensive“, die ihre Lügen bestätigt. Auch in den Seminar-Angeboten bei Management Circle wurde mit falschen Angaben geworben inklusive eines Stipendiums für ein Online-Studium mit Hochschulzertifizierung, die es offenkundig nicht gibt.

Nachtrag (22. Juni): Inzwischen haben sowohl die Frankfurt School als auch die Steinbeis Hochschule Grieger-Langer per Anwalt abgemahnt, ihre Falschaussagen zu unterlassen.

Nachtrag (6. August und 10. Dezember): Aufgrund von Aussagen in diesem und anderen Artikeln hat Grieger-Langer die Autorin verklagt und ist damit vor Gericht in vollem Umfang gescheitert. Seitdem überzieht sie die Autorin mit zahlreichen – teils absurden – Unterlassungsforderungen.

Dahinter steht offenkundig der Versuch, kritischen Journalismus zu unterbinden und die Autorin mundtot und unglaubwürdig zu machen. Inhaltlich geht es dabei in der Regel nicht um angebliche „falsche Tatsachenbehauptungen“, sondern zum Beispiel um angebliche Urheberrechtsverletzungen wie etwa bei einem Screenshot ihrer fragwürdigen Referenzliste oder ihres „Lebenslaufes“, der zur Dokumentation in die Artikel integriert war.

In den von ihr initiierten gerichtlichen Verfahren legte sie auch fragwürdige eidesstattliche Versicherungen vor. Exemplarisch dafür ist ihre eidesstattliche Versicherung, dass sie „zum ersten Mal am 19.8.2018 von der Veröffentlichung der Texte Kenntnis erlangt hat“. Dabei geht es um diesen Artikel und den Text „Transparenzoffensive bestätigt Lügen“ und die dort zur Dokumentation integrierten Screenshots ihrer Referenzliste und ihres „Lebenslaufes“.

Dabei waren beide Artikel bereits Gegenstand des Gerichtsverfahrens im Juni, bei dem Grieger-Langer der Autorin einige Aussagen verbieten wollte und damit am Landgericht Bielefeld scheiterte. Sie kannte also beide Artikel.

Doch dem nicht genug. Obwohl sich beide Texte inhaltlich mit der fragwürdigen Referenzliste und/oder dem „Lebenslauf“ befassen, behauptete sie bzw ihr Anwalt Tim Hoesmann gegenüber dem Gericht, dass „keinerlei inhaltliche Auseinandersetzung mit den Dokumenten stattfindet“ und daher auch keine „journalistische Rechtfertigung in der Publikation zu sehen ist“ (Anmerkung: Mit Dokumenten sind die Referenzliste und der „Lebenslauf“ gemeint). Eine falsche Tatsachenbehauptung.

Im September hat die Autorin daher Strafanzeige gegen die „Betrugsexpertin“ erstattet und die Staatsanwaltschaft hat daraufhin ein Ermittlungsverfahren wegen des Tatvorwurfs „Betrug u.a.“ gegen Grieger-Langer eingeleitet. 

Wie Grieger-Langer möglicherweise zu ihrer atemberaubend langen Referenzliste gekommen ist, kann man hier nachlesen.

Ähnlich dreist geht sie bei der Bezeichnung als Psychotherapeutin vor. Obwohl sie weiß, dass sie sich damit nach § 132a Strafgesetzbuch (Missbrauch von Titeln und Berufsbezeichnungen) strafbar machen könnte, lässt sie sich noch immer als „Psychotherapeutin“ vermarkten oder bezeichnet sich selbst als Psychotherapeutin wie bis vor kurzem auf der Website der Marketingplattform German Speakers Association.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

20 Comments

  1. serae

    15. September 2018 at 10:34

    https://dejure.org/gesetze/StGB/132a.html

    –> Abs. 1 Nr. 2 Var. 5
    –> es steht ausdrücklich im Gesetz!

    Frau Schwertfeger, danke für die tolle Recherche!

    • Bärbel Schwertfeger

      15. September 2018 at 19:28

      Aber „Europas unangefochtene Profilerin“ schert sich offenkundig nicht um das Gesetz!

  2. Falk

    2. September 2018 at 13:06

    Und jetzt plant diese Dame, ein Buch mit dem Titel „Schlammschlachten, Cybermobbing und Rufmordkampagnen souverän überstehen“ zu veröffentlichen. Wie nennt man das? Frech? Dreist? Realitätsfern?

    • Bärbel Schwertfeger

      2. September 2018 at 13:48

      Realitätsverlust scheint eine besondere Stärke dieser Dame zu sein. Das zeigt ein Blick in das Urteil: https://www.mba-journal.de/grieger-langer-scheitert-vor-gericht/

    • Heijo Fescharek

      9. Oktober 2018 at 8:43

      Hallo,
      sie nennt es weder frech, dreist oder realitätsfern. Ich behaupte, dass sie in ihrem Vorwort zu diesem Buch darauf hinweisen wird, welche Massnahmen der „neidischen Deppen“ sie über sich ergehen hat lassen. Das Buch fasst die Ergebnisse einer sozial-psychologischen FELDSTUDIE im Eigenversuch zusammen.

      Es wird von daher, neben dem aufklärenden Anspruch, ein Ratgeber für alle „Selfperformer sozial orientierter, alternativer Wahrheiten“ sein.

      Im Prinzip macht sie nichts anderes als in den meisten Industrieunternehmen, nämlich sich selbst Qualitätssiegel für eigene Produkte geben. Aktuelle Beispiele finden wir in „Diesel Gate“ aller namhaften Automobilhersteller sowie in der „Bio Branche“ und der Lebensmittelindustrie.

      Auch hier wird der „depperte Kunde“ hinters Licht geführt und für dumm verkauft.

  3. Zens

    26. August 2018 at 9:36

    Johannes 8,7

    Warum gerade auf sie?
    Wer ist der/ die nächste, dessen „überpimpter“ Lebenslauf und verloren gegangenes Selbstbild extern nachgeschärft wird?

    Wäre schön, wenn es einen Stein ins Rollen bringt und die unzähligen Selbstdarstellungen (ohne Inhalt – was der hier an den Pranger gestellten wohl kaum unterstellt werden kann), das Eigenmarketing (nur um wieder einen Post machen zu können, am besten noch zu ohnehin schon inhaltlos überstrapazierten Themen, die im Kern enorme Wichtigkeit haben, aber dadurch zusätzlich so positioniert werden, dass es keiner mehr hören kann und mag) konstruktiven Maßnahmen einem gemeinschaftlich orientierten Miteinander weichen.

    • Bärbel Schwertfeger

      27. August 2018 at 9:09

      Sie haben natürlich recht. Ich könnte noch über viele andere Schaumschläger schreiben. Nur leider fehlt mir die Zeit dazu. Ich beschäftige ich mich ja schon ein paar Jahrzehnte mit der Thematik, aber an Dreistigkeit ist Frau Grieger-Langer für mich bisher schon unübertroffen. Viele Grüße Bärbel Schwertfeger

      • SteBe

        9. September 2018 at 20:07

        da gibt es schon noch welche, die dies toppen. Mir fällt da ein Prof. Dr. ein, der über alle und jeden schimpft, Werte nach eigenen Angaben hochhält und selber – sein Dr. in der Ukraine gemacht hat und wo er den Prof. her hatte wusste auch keiner. Inzwischen werden diese Titel nicht mehr auf seiner Seite gepostet. Nur meinem Geld renne ich hinterher und stehe jetzt da vor Gericht – soviel zum Thema Werte.

      • D.Becker

        14. September 2018 at 0:18

        ist sie eine von denen vor denen sie immer warnt ..Psychopath bzw Narzisst ?

  4. Lobo

    25. August 2018 at 23:20

    Sehr geehrte Frau Schwertfeger

    Zuerst mal liebe Grüsse aus der Schweiz und vielen Dank für Ihren Beitrag. Ohne Ihnen zu Nahe treten zu wollen, so sehe ich mich als studierter Wirtschaftspsychologe verpflichtet die nachfolgende Korrektur anzubringen.

    Die Erlaubnis der Verwendung des Berufstitels „Psychologin” bzw. „Psychologe” ist in verschiedenen Ländern unterschiedlich gesetzlich geregelt. In jedem Fall aber, ist in Hochschulstudium Voraussetzung. Die von Ihnen – in diesem Kontext – verwendeten Gesetzesartikeln betreffen lediglich das Territorium Deutschland. In der Schweiz z.B. ist der Titel des Psychologen noch nicht geschützt (wird sich aber demnächst ändern).

    Zur Wikipedia: Hier zulande wird an den Unis und Fachhochschulen klar von Wikipedia als zuverlässige Quelle abgeraten – Jede/r kann dort schreiben was sie/er will. Entsprechend ist die Validität fraglich.

    Nun zur Frau Grieger-Langer: Mal ehrlich, wir vom Fach können doch sofort erkennen, dass da etwas Grobes nicht stimmen kann. Angefangen von der Kleidung, Frisur bis hin zur Mimik während des Sprechens usw… Und als Wissenschaftler frage ich mich schon, bei der Vorgehensweise (Verfahren) dieser sog. Profilerin, wo die Objektivität, die Validität und die Reliabilität bleiben (???). Mit lediglich ein Passfoto und den Namen eines Kandidaten eine Eignungsdiagnostik erstellen!? Echt jetzt!? Wo bleit hier der gesunde Menschenverstand?

    Jeder MBA-Absolvent eines Konzernes, der auf solch „obskure Managementesoterik”, „Seelen-Pfuscherei” und auf solchen „Angloamerikanischer Berater-Klamauk” reinfällt, sollte sein Studium-Geld zurückverlangen. Gerne zitiere ich Ihnen dazu Prof. Fredmund Malik, Uni St. Gallen: „Denk-Sumpf aus Halbwahrheiten, Aberglaube und Leerformeln”.

    Mehr braucht man an dieser Stelle nicht zu sagen.

    • Bärbel Schwertfeger

      27. August 2018 at 8:02

      Hallo,

      es geht leider nicht um den Psychologen, sondern um den Psychotherapeuten. Psychotherapeut ist laut § 132a StGb in Deutschland geschützt. Psychologe (Diplom-Psychologe) bisher nach einem älteren BGH-Urteil wegen UWG, aber da gibt es kein Gesetz – deswegen habe ich auch keines zitiert. Natürlich ist die Regelung in der Schweiz – wie auch in anderen Ländern – anders. Aber hier geht es nun mal um Deutschland.
      Zu Wikipedia: Da haben Sie grundsätzlich recht, aber hier ging es nur um den Link zur Bibliothek der Universität Bielefeld und ihre Diplomarbeit in Pädagogik. Ich habe inzwischen den Originallink ergänzt.
      viele Grüße
      Bärbel Schwertfeger

      • Lobo

        27. August 2018 at 15:44

        …und genau deswegen, gehört in der Schweiz die Psychotherapie grundsätzlich in den Händen eines Psychiaters (Arzt), der auch entsprechend Medikamente im Rahmen der Therapie verschreiben darf. Ist auch der Grund, weshalb die Schweizer Krankenkassen Therapien von Diplom-Psychologen grundsätzlich nicht anerkennen und nicht zahlen. Als Ergänzung meiner Anmerkungen oben gilt noch zu spezifizieren, dass in der Schweiz die Titel mit B.Sc., M.Sc. in Psychologie und Master of Advanced Studies (MAS) in Wirtschaftspsychologie geschützte Titel sind (Hochschul- und Fachhochschulstudium). Trotzdem werden hier (aus Schutzgründen für die Patienten) keine Psychotherapien von den Krankenkassen übernommen, die nicht vom Psychiater (Arzt) durchgeführt werden. Dies wird von Absolventen eines B.Sc., M.Sc. in Psychologie als ungerecht empfunden.
        Bei Frau Grieger-Langer finde ich es besonders stossend, dass eine Pädagogin mit Spezialgebiet Kindererziehung – insofern, dass sie ihre Diplomarbeit tatsächlich in diesem Gebiet geschrieben hat (?) – sich anmasst Eignungsdiagnostiken bei EMBA- und MBA-Absolventen fürs mittlere u. obere Kader zu erstellen und dabei noch sog. Pfeifen, Blender und Psychopathen (!) von sog. Performer zu unterscheiden wagt. Schon hier stellt sich bei mir die Frage, ob diese Person überhaupt Linienerfahrungen vorzuweisen hat – womöglich nicht – und ob sie überhaupt mal operativ gearbeitet hat (???). Ich bezweifle es sehr stark, nachdem ich Ihre Recherchen zur besagten Person durchgelesen habe. Leider schaden solche Scharlatane die Branche der serösen Wirtschafts- u. Unternehmensberater ungemein. Weshalb ich hier meinen Dank, an Sie Frau Schwertfeger, für Ihre unermüdlichen Recherchen zum Ausdruck bringe.

  5. Marcus Riesterer

    23. August 2018 at 13:53

    Danke dafür

  6. gsohn

    22. August 2018 at 18:56

    Grandiose Recherche – gut gemacht.

  7. Christian

    4. August 2018 at 18:51

    interessant und neu für mich, fundiert recherchiert … leider ist You Tube und andere Portale mit Ihren Videos überschwemmt …

  8. Christian

    4. August 2018 at 18:17

    Gut recherchiert … leider ist You Tube und GedankenTanken überschwemmt mit den Interviews und Vorträgen von Suzanne Grieger-Langer … sie wirkt sehr überzeugend, anscheinend wird alles unkritisch veröffentlicht und die Kritiker malträtiert

  9. strankinja

    5. Juni 2018 at 8:43

    Interessant. Aber eine kleine Klarstellung: Die Bezeichung „Psychotherapeutin“ ist nicht geschützt. Nur die Berufsbezeichnungen „Psychologische Psychotherapeutin“ bzw. „Ärztliche Psychotherapeutin“, die auf die entsprechenden Studienrichtungen Psychologie bzw. Medizin + die von den Kassen anerkannten psychotherapeutischen Weiterbildungen verweisen. Aber jedermann/frau kann auch über das HPG eine Teilzulassung als Psychotherapeut erhalten, der Grundberuf ist dann egal.

    • Bärbel Schwertfeger

      5. Juni 2018 at 8:51

      danke für den Hinweis. Stimmt aber leider nicht. Hier mal Wikipedia:In Deutschland sind die Bezeichnungen „Psychotherapeut“, „Psychologischer Psychotherapeut“ und „Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut“ durch das Strafgesetzbuch (§ 132a StGB) und das 1998 erlassene Psychotherapeutengesetz (§ 1 PsychThG) geschützt. Wer als ärztlicher oder psychologischer Psychotherapeut tätig werden will, muss zunächst ein Studium der Medizin oder Psychologie abgeschlossen haben. Bei Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten wird auch ein Studium der Pädagogik oder der Sozialpädagogik anerkannt. Im Anschluss an das Studium muss zusätzlich eine Psychotherapieweiterbildung (bei Ärzten) bzw. -ausbildung (bei Psychologen, Pädagogen) absolviert werden.[1] Während Ärzte aufgrund der bereits vorhandenen Approbation dabei lediglich die psychotherapeutische Fachkunde erlangen, endet die Ausbildung für Psychologen und Pädagogen mit einem Staatsexamen sowie der Erlangung der Approbation. Heilpraktiker dürfen sich nicht „Psychotherapeut“ nennen. Das gilt auch für die Heilpraktiker nur für Psychotherapie.
      Hier die Info beim BDP: https://bdp-verband.de/psychologie/faq_titelanerkennung.shtml
      Und hier noch mal was: https://www.aerzteblatt.de/archiv/38759/Berufsbezeichnungen-in-der-Psychotherapie-Zum-Verwechseln-aehnlich
      Und hier der § 132a Stafgesetzbuch: https://dejure.org/gesetze/StGB/132a.html

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