Munich Business School: Alles Forschung?

Von am 27. August 2018
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2015 bemängelte der Wissenschaftsrat die ungenügenden Forschungsleistungen der Munich Business School und forderte bis 2017 Verbesserungen. Der Bericht liegt nun vor. Darin sind auch mehr als 40 Artikel des Professors Jack Nasher bei Focus online aufgelistet – für die Privathochschule sind das offenbar forschungsrelevante Publikationen.

Die Forschungsleistungen bewegten sich „nicht auf einem für eine Hochschule mit Masterangeboten angemessenen Niveau“, schrieb der Wissenschaftsrat 2015 in seinem Reakreditierungsbericht über die Munich Business School. Wie der Anspruch, „eine der führenden international anerkannten Wirtschaftshochschulen im deutschsprachigen Raum“ zu werden, erfüllt werden soll, sei „insbesondere angesichts der nicht ausreichenden Forschungsleistungen bislang nicht zu erkennen“.

Die Reakkreditierung erfolgte daher nur mit Auflagen. Zudem bat der Wissenschaftsrat das Land Bayern als Aufsichtsbehörde, „nach Ablauf von zwei Jahren einen Zwischenbericht zum Stand der Erfüllung der Auflage zur Forschung vorzulegen“. Dieser Bericht liegt nun vor.

Auf 141 Seiten führt die Hochschule – mit etlichen Wiederholungen – auf, was sie von 2012 bis 2017 alles in Sachen Forschung geleistet hat. Ihre Hauptforschungsfelder teilt sie dabei in fünf Bereiche auf: International Business, Digital Transformation, Marketing & Communication, Innovation & Entrepreneurship und Leadership & Responsibility. Aufgelistet werden hier die Veröffentlichungen und Präsentationen. Peer-Reviewed-Beiträge in wissenschaftlichen Zeitschriften sind dabei eher die Ausnahme. Auffallend sind dafür die zahlreichen Publikationen bei der „Munich Business School Working Paper Series“ und auf dem „MBS Business Blog“, also hochschuleigene Publikationen.

Eines der Unterthemen von „Marketing & Communication“ ist Kompetenzforschung, verantwortet von Professor Jack Nasher. Da wird es mit sechs Veröffentlichungen schon ziemlich dünn. Dazu gehören zwei populärwissenschaftliche Bücher, zwei Artikel bei Focus online, ein Beitrag beim „MBS Business Blog“ und ein Artikel in einem Weiterbildungsmagazin.

42 Artikel auf Focus-online

Geradezu absurd wird es jedoch bei den Publikationen zum Unterthema „Strategische  Verhandlungsführung“, ebenfalls verantwortet von Professor Jack Nasher, der auch im International MBA unterrichtet. Hier werden 42 Artikel aus Focus online aufgelistet. Darunter Texte mit dem Titeln wie „Tipps von der CIA: So überführen Sie Ihren untreuen Partner“, „So entlarven Sie Lügner im Bruchteil einer Sekunde“ oder „Erfolgreich sein à la Donald Trump“. Dazu kommen weiter drei Artikel auf dem Blog der Hochschule, ein Artikel bei der Huffington Post und einer bei Wirtschaftswoche online. Damit ist Nasher der Professor mit den meisten Veröffentlichungen im Forschungsbericht der Hochschule.

Zwar dürfte die Munich Business School mit ihrer bisher schwachen Forschungsleistung keine Ausnahme unter den privaten Fachhochschulen sein. Doch dass man dort Focus online offenbar für ein forschungsrelevantes Medium hält, gibt zu denken. Und scheinbar haben auch die anderen Professoren nichts dagegen.

Allerdings fiel die Hochschule, die 1991 unter dem Namen „Europäische Betriebswirtschaftsakademie“ (EBA) in München als deutscher Standort der European Business Schools International (EBSI) Gruppe gegründet wurde und Mitglied der Euro-Schulen-Organisation ist, schon öfter mit fragwürdigen Aussagen auf.

Insofern passt der „Forschungsbluff“ ins Bild. Auch Jack Nasher, der sich vor einiger Zeit sogar als der „meist gelesene Wirtschaftspsychologe Kontinentaleuropas“ bezeichnete, ist bekannt für seine Übertreibungen, Halbwahrheiten und Lügen. So behauptete er zum Beispiel jahrelang, er habe am Sir Karl Popper Institut für Wissenschaftstheorie an der Universität Wien promoviert. Das Institut gab es dort nie.

Zudem gibt es zwei verschiedene Titelblätter seiner Doktorarbeit. Einmal eine mutmaßlich gefälschte Version mit dem Popper Institut, die damals in der Nationalbibliothek und der Unibibliothek in Wien eingereicht wurden. Und zum anderen das Original der Uni mit den notwendigen Stempeln, aber ohne Popper-Institut.

Fragwürdige Konferenz

Auch bei den im Forschungsbericht aufgeführten Präsentationen sieht es bei Nasher eher dürftig aus. Da sticht auf den ersten Blick sein Vortrag „The Impression of Competence“ auf der 3rd International Conference on Applied Psychology (ICAP), Colombo, Sri Lanka, im August 2016 heraus.

Auf der Website der Munich Business School heisst es dazu: „Prof. Dr. Nasher referiert regelmäßig bei internationalen Fachtagungen und erhielt zuletzt die Gold Medaille für das beste Paper auf der International Conference on Applied Psychology in Colombo/Sri Lanka.“

Doch ein Blick auf die Website macht stutzig. Denn veranstaltet wurde die Konferenz nicht von der renommierten International Association of Applied Psychology (IAAP), laut eigenen Angaben die älteste Vereinigung von Psychologen mit mehr als 1500 Mitgliedern in mehr als 80 Ländern. Sie hält zwar einen International Congress of Applied Psychology (ICAP) mit demselben Kürzel ICAP ab, aber nur alle vier Jahre. Der letzte Kongress fand im Juni 2018 in Montreal, Kanada, statt.

Offenbar weiß man dort schon, dass der Name öfter missbraucht wird. So heißt es auf der Website: „ICAP2018.com is the official website for the 29th International Congress of Applied Psychology being held in Montreal, QC, from June 26-30, 2018. Any other websites claiming to be the official site of the congress are fraudulent.

Mit der ICAP-Konferenz in Sri Lanka, auf dem Nasher ausgezeichnet wurde, hat die renommierte Organisation daher nichts zu tun. „It is obviously a fake information“, schreibt Christine Roland-Lévy, Präsidentin der International Association of Applied Psychology (IAAP) beim Blick auf die Website der Munich Business School.

Hinter Nasher`s Konferenz steht das Columbo Institute of Research and Psychology, das sich selbst als „regional leader in psychology education“ bezeichnet. Das Institut vergibt offenbar im Franchise-Verfahren Master-Abschlüsse der britischen Coventry University. Angaben dazu, wer für die Konferenz verantwortlich war, fehlen ebenso wie Hinweise auf ein Komitee, das die Einreichung der Beiträge überprüft.

Wissenschaftsrat wartet

Und was sagt der Wissenschaftsrat dazu? „Ich kann Ihnen dazu mitteilen, dass der Akkreditierungsausschuss im Dezember 2017 einen Zwischenbericht zum Stand der Erfüllung der die Verbesserung der Forschungsleistungen betreffenden Auflage aus dem Reakkreditierungsverfahren zu Kenntnis genommen hat, auf dieser Grundlage jedoch keine Aussage dazu getroffen hat, ob die Auflage erfüllt ist“, schreibt Ralf Bläser. Gemäß Stellungnahme vom Oktober 2015 werde der Wissenschaftsrat dies erst im kommenden Reakkreditierungsverfahren prüfen.

Das steht erst 2020 an. Bis dahin kann Nasher noch viele forschungsrelevante Artikel bei Focus online schreiben. In seinem Stück vom November 2017 schreibt er übrigens: „Für den Erfolg zählt weniger die tatsächliche als die wahrgenommene Kompetenz.“

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

2 Comments

  1. Ian Petersen

    28. August 2018 at 22:47

    Klasse geschrieben Bärbel! deshalb besuche und lese ich deinen Blog regelmäßig

  2. Großer Fan

    28. August 2018 at 16:34

    Haben Sie nichts besseres zu tun, als auf Nasher hinaufzublicken und permanent zu versuchen ihn mit Dreck zu bewerfen? Von ihrem Unsinn bleibt nichts hängen. Haben Sie beim BGH denn nicht gelernt? Armselig…
    Winners focus on winning, losers focus on winners!

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