BSBI: Massives Missmanagement

Von am 22. Mai 2019
BSBI BSBI BSBI: Eröffnung mit Prinz

Seit 2018 lockt die Berlin School of Business and Innovation (BSBI) Ausländer zum Master- und MBA-Studium nach Berlin. Nun machen 25 Master-Studenten der Schule gravierende Vorwürfe. Die Business School, die zum profitorientierten Bildungsanbieter Global University Systems gehört, verweigert eine Stellungnahme.

Bei der Eröffnung der Berlin School of Business and Innovation (BSBI) am 6. November 2018 in Berlin gab es sogar adligen Beistand. Das Band durchschnitten „His Royal Highness Prince Paul Philippe Hohenzollern of Romania“ und „Her Royal Highness Princess Lia of Romania“ als Schirmherren der neuen Business School, begleitet von „Her Serene Highness Princess Madeleine of Bentheim and Steinfurt“ als Ehrenpatronin der BSBI.

Die Schirmherren spielten eine wichtige Rolle und unterstützten die Institution dabei, eine Wirtschaftsausbildung für alle zu bieten, heißt es in der Pressemeldung. Dank ihrer Unterstützung habe die Schule das „BSBI Patron Scholarship“ geschaffen, das es deutschen, europäischen und internationalen Studenten ermögliche, in Berlin zu studieren.

„Wir glauben daran, Hochschulausbildung für jeden zugänglich zu machen und wir sind zuversichtlich, dass wir bezahlbare Programme mit Qualität schaffen“, sagte Alexander Zeitelhack, Associate Dean der BSBI und ehemaliger Geschäftsführer von Radio Charivari in Nürnberg.

Die BSBI, die zu dem profitorientierten Bildungsanbieter Global University Systems (GUS) mit Sitz in London gehört, bietet Bachelor- und Master-Programme im Blended-Learning-Format mit zusätzlichem Unterricht von Tutoren an. „BSBI’s ground-breaking model enables you to complete your course by attending tutorials 2 days a week, leaving you 3 whole days to progress your career or spend as you wish. Earning alongside a full-time degree has never been easier”,  steht auf der Website.

Über die Tutoren heißt es: “Our tutors are all experienced industry professionals, passing on their years of expertise through hands-on teaching methods. Taking a course at BSBI will give you valuable practical experience that will benefit you in the workplace and expose you to the latest theories and tools in your chosen sector.”

Die Abschlüsse vergibt die Università Telematica Internazionale (UniNettuno) in Rom, eine in Italien anerkannte Fernuni. Sie bietet E-Learning-Studiengänge an, kooperiert dabei mit allen möglichen Instituten unter anderem in Afrika, dem Mittleren Osten und Südamerika und vergibt deren Studenten ihre Studienabschlüsse.

Zu ihren Partnern gehören auch mehrere Schulen der GUS wie die London School of Business and Finance, das London College of Contemporary Arts und das St. Patrick’s College in London. Denn GUS-Schulen sind in der Regel keine anerkannten Hochschulen. Sie können daher keine akademischen Abschlüsse vergeben. Dazu brauchen sie stets eine Partnerhochschule.

Im Oktober haben laut Pressemeldung mehr als hundert neue Studenten unter anderem aus Indien, Mexiko, Pakistan, Italien, Griechenland, Jordanien, China, Aserbaidschan und dem Libanon an der BSBI angefangen. Die Studiengebühren liegen bei 12.500 Euro für den Global MBA und 11.000 Euro für die Master-Studiengänge in Marketing, Finance, Hospitality oder Fashion.

„Wir wollen unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten und unterschiedliche Lernformate für unterschiedliche Zielgruppen anbieten“, erklärte Maurits Van Rooijen, Chief Academic Officer bei GUS, im vergangenen Jahr. So sei das Studium an der BSBI billiger, habe geringere Zulassungsvoraussetzungen und verfüge über keine internationale Akkreditierung, wie etwa die Gisma Business School in Hannover, die ebenfalls zur GUS-Gruppe gehört.

Doch auch wenn man von der BSBI keine Spitzenausbildung erwarten kann, gewisse Standards sollten die Master-Programme dennoch erfüllen. Das ist jedoch offenbar nicht der Fall. So schickten 25 internationale Studenten aus verschiedenen Master-Studiengängen im März einen Brandbrief an die Schulleitung und an Van Rooijen (Der Brief vom 22. März liegt MBA Journal vor). Das sei kein Angriff auf die Schule, sie wollten vor allem konstruktive Kritik üben, um die Ausbildung zu verbessern, schreiben die Studenten.

Die Liste der Vorwürfe ist lang: unqualifizierte Tutoren, nicht eingehaltene und verkürzte Unterrichtszeiten und mangelhaftes oder fehlendes Lernmaterial, verwirrende und widersprüchliche Informationen. Man habe den Eindruck, die Tutoren seien angehalten, nur dafür zu sorgen, dass die Studenten die Prüfung bestehen, aber nicht, dass sie auch etwas lernen, heißt es in dem Brief.

Der Lerninhalt der Kurse sei von geringer Qualität und der Unterricht oberflächlich, Beispiele und Fallstudien fehlten. Manchmal habe der Tutor nur die Präsentation abgelesen und keinen weiteren Kontext zu dem Thema geliefert. Das Material stamme teils von anderen GUS-Schulen und trage deren Logo. Häufig habe es keine offiziellen Präsentationen, Materialien oder Quellen für das Selbststudium gegeben.

Die meisten Assigments (Prüfungen) seien irrelevant für die Branche. Man habe sehr wenig Ressourcen und oftmals sei man auf Google oder Youtube angewiesen, weil die Schule keine Lernmaterialien zur Verfügung stelle. Es gebe viel Verwirrung und viele Missverständnisse zwischen den Tutoren, dem Management und den Studenten. Das betreffe vor allem die Assignments: ständig sich ändernde Informationen, unklare Abgabetermine, nicht eingehaltene und wechselnde Zeitpläne. Mal werde das Material per Email, mal per Google Drive oder Canvas bereit gestellt.

Auszug aus dem Brief der BSBI

Auszug aus dem Brief der BSBI

Und mehr als vier Monate nach Abgabe des ersten Assignments habe man noch immer keine Ergebnisse bekommen. Viele wüssten daher nicht, ob das, was sie abgegeben haben, falsch oder richtig ist. Die Kritikpunkte ließen sich an zahlreichen Beispielen belegen.

Vor allem der fehlende Zugang zum Lernmaterial überrascht. Denn der müsste eigentlich über die UniNettuno in Rom kommen, die auch die Abschlüsse vergibt.

Bei der UniNettuno gibt man sich erstaunt. Die Uni habe viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Partnerschulen in aller Welt und lege großen Wert auf Qualität. Dabei habe sich die BSBI bisher als vertrauensvoller Partner erwiesen, schreibt Uni-Präsident und Rektor Professor Maria Amata Garito. Aufgrund des Briefes werde man sofort Untersuchungen einleiten und auch die Studenten einbeziehen. Zudem gebe es eine jährliche Qualitätsüberprüfung der Partnerschulen. Bis heute habe man keine Unregelmäßigkeiten an der BSBI festgestellt und alle Studenten seien nach den üblichen Verfahren und europäischen Standards zugelassen worden. Zudem bestehe eine enge Zusammenarbeit zwischen den Dozenten der BSBI und dem akademischen Komitee.

Weitere Information wolle man erst nach dem Qualitätscheck im Juni geben. Warum manche Studenten angeblich keinen Zugang zu der Lernplattform haben, erklärt der Rektor nicht. Das gilt auch für die Frage, warum die Berlin School of Business and Innovation zunächst damit warb, dass es einen Master-Abschluss mit 120 ECTS gibt. Nun sind es nur noch 90 ECTS.

Doch weiß die italienische Uni wirklich nichts von den offenbar desaströsen Zuständen an ihrer Partnerschule? Skeptisch macht, dass UniNettuno auch mit dem London College of Contemporary Arts zusammenarbeitet. Dort gab es offenbar ähnlich chaotische Zustände wie der Guardian 2014 berichtete. Allerdings ist nicht bekannt, ob UniNettuno damals schon die Abschlüsse dort vergab.

Und was sagt die BSBI zu den massiven Vorwürfen? Mit dem – ihm bereits bekannten – Brief konfrontiert, gibt sich Maurits Van Rooijen, als Chief Academic Officer von GUS letztlich auch verantwortlich für die Qualität der Schulen, zunächst überrascht, verweigert jedoch eine Stellungnahme und verweist an Alexandra Davies, Academic Director der BSBI. Die schreibt zwar zuerst, dass sie die Fragen beantworten wolle, verweigert dann jedoch eine schriftliche Stellungnahme. Stattdessen fordert sie ein persönliches Gespräch möglichst in Berlin.

So bleiben die Fragen unbeantwortet: Was ist mit den – laut Studenten – unqualifizierten Tutoren? Wie wurden sie ausgewählt? Warum lagen nach vier Monaten immer noch keine Ergebnisse der Assignments vor. Wer bewertet die Assignments? Warum haben nicht alle Studenten Zugang zum Lernmaterial? Und das sind längst nicht alle Kritikpunkte.

Inzwischen liegen nach mehr als fünf Monaten die vorläufigen Ergebnisse der Assignments in Form einer Punkteliste vor. Wer sie bewertet hat und eine Erklärung zu den individuellen Bewertungen gibt es angeblich nicht. Etliche Studenten sind jedoch durchgefallen und müssen die Prüfung wiederholen.

Die Liste der Vorwürfe ist weiter lang, Verbesserungen sind nicht in Sicht, so die Studenten. Hier ein Auszug:

  1. Students have been asking student services to provide assistance in finding an internship since day 1. This was what the college promised and why many students decided to attend BSBI. Now students are being told that only the fashion and luxury management students will receive a definite internship. This was not what was promised when the students joined the school.
  2. When college is aware that their body isn’t capable of even hiring professors why were the students promised “quality education”.
  3.  The college has still not decided the course schedule and subjects, from students who haven’t paid complete tuition fees due to the absurd and inappropriate attitude of college, college management is demanding tuition fees from them with the warning/blackmail of being expelled. In this case, when the college hasn’t promptly delivered the standard quality of education, why are students made to undergo the trauma and warning of being expelled! Does the college deserve even ask the students the remaining fees? The next semester is supposed to start on June 11th. No schedule or update has been provided to the students.
  4. After receiving the letter on March 22, students only started to see actions taken when BSBI started to be put under pressure. They are acting out of fear that their secrets and lies will be shared with the public not willing to provide the service they promised.
  5. Students were aggressively asked to pay 100 Euros as a fee to resubmit their assignment. Although in the handbook it was clearly mentioned that the first resubmission is free. Students are consistently badgered for money and payments, however, when it comes to giving us what we deserve emails often go unanswered.
  6. Grading of assignments is extremely vague and no feedback has been provided with the grades. Although stated as provisional grades, students are still required to resubmit failed assignments without the feedback. Also, BSBI has an incredibly relaxed grading system 0-49 fail, 50-69 pass, 70-100 distinction. Students have received grades such as 71, 92, 86, 64 etc. However, without a rubric, most assignments do not have rubrics, what are these assignments graded on and how are they measured?

Während die Studenten an ihrer Kritik festhalten, schreibt ihnen die Schule: „I wanted to ask you a quick question. Were you approached by a member of staff or a journalist about feedback on BSBI? If so, please let me know as your name is on a list of students which have apparently signed of a letter to the press. I wanted to make sure that this is not a scam.”

Doch warum will man plötzlich überprüfen, ob ein Brief echt ist, den sowohl die Schulleitung als auch Van Rooijen vor mehr als einem Monat bekommen haben und der mit den Namen der Studenten unterzeichnet ist? Um die Studenten einzuschüchtern? Schließlich müssen sie sogar befürchten, dass ihnen ihr Studentenvisum entzogen wird.

Oder um ein perfides Ablenkungsmanöver zu konstruieren, wonach die Vorwürfe angeblich gar nicht von den Studenten stammen, sondern von der Presse oder einem BSBI-Mitarbeiter lanciert wurden?

Und dann ist da noch der BSBI-Schirmherr Prinz Paul Philippe von Rumänien. Der soll laut mehreren Berichten in einen größeren Korruptionsskandal mit einem israelischen Milliardär verwickelt gewesen sein.

Summary: BSBI in Berlin is attracting foreign students to study in Germany and is promising different master programs “that deliver in quality and employment prospects for our students”. As BSBI, which belongs to the for profit education provider Global University Systems (GUS) in London, is no recognized university the degrees will be awarded by the Italian distance learning university UniNettuno. In March 25 students from different master programs sent a letter to the school management and Maurits Van Rooijen, Chief Academic Officer of GUS, with severe accusations about the quality of the teachers and the teaching, the learning material and the assignments (see above). Confronted with the accusations by the press the school refused to give a written statement.

 

 

 

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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