GUS mit neuem Billig-MBA in Berlin

Von am 23. Juli 2018
Berlin School of Business ans Innovation Gisma Gisma und BSBI in Berlin

Niedrige Studiengebühren und geringe Zulassungsvoraussetzungen kennzeichnen den neuen Global MBA, den die neue Berlin School of Business and Innovation des profitorientierten Bildungsanbieters Global University Systems (GUS) anbietet. Bekannt wurde das erst durch einen Artikel beim US-Portal Poets&Quants.

Nur drei deutsche Business Schools hätten es 2018 ins Ranking der Financial Times geschafft, schrieb Poets&Quants am 13. Juli. Aber eine neue Schule in Berlin hoffe nun, das ändern zu können: die Berlin School of Business and Innovation, wo im Frühjahr die erste Klasse des Global MBA Programms mit elf Studenten gestartet sei.

Doch wer ist diese völlig unbekannte Berlin School of Business and Innovation (BSBI)? Die Schule – was seltsamerweise nicht in dem Poets&Quants-Artikel stand – gehört zum profitorientierten Bildungsanbieter Global University Systems (GUS).

GUS hatte im September 2013 die damals insolvente Gisma übernommen und behauptete, sie zur Topschule der Firmengruppe und zu einer Topschule in Deutschland machen zu wollen. Im April hat die GUS zudem die private Fachhochschule University of Applied Sciences Europe (ehemals Business and Information Technology School – BiTS) und die Hochschule für Gestaltung BTK in Berlin von dem profitorientierten Bildungsanbieter Laureate Education erworben.

Seit Januar 2017 hat die Gisma auch eine Niederlassung in Berlin. Dort bietet sie zusammen mit der Grenoble Graduate School of Management (GGSB) einen Vollzeit-MBA an.

Das Curriculum und der MBA-Abschluss kommen von Grenoble. „Das ist ein Franchise-Modell“, erklärte Thorsten Thiel, Geschäftsführer der Gisma. Die GGSB ist immerhin eine dreifach akkreditierte Business School (AACSB, AMBA und EQUIS). Sie gehört daher zu den renommierten Business Schools.

Nun also hat GUS schon vor etlichen Monaten in demselben Gebäude die Berlin School of Business and Innovation eröffnet. Die wiederum erhält ihre Abschlüsse von der Università Telematica Internazionale (UniNettuno) in Rom, einer angeblich in Italien anerkannten Universität. Angeboten werden neben dem MBA auch Master- und Bachelor-Programme

Die Uni bietet E-Learning-Studiengänge an, kooperiert dabei mit allen möglichen Instituten unter anderem in Afrika, dem Mittleren Osten und Südamerika und vergibt deren Studenten ihre Studienabschlüsse. Zu den Partnern gehören auch Schulen der GUS wie die London School of Business and Finance, das London College of Contemporary Arts und das St. Patrick’s College in London. Denn GUS-Schulen sind in der Regel keine anerkannten Hochschulen. Sie können daher – wie die Gisma – keine akademischen Abschlüsse vergeben. Dazu brauchen sie stets eine Partnerhochschule.

Der Unterricht des neuen Global MBA in Berlin findet im Blended-Learning-Format statt. Neben den Online-Kursen gebe es auch Vorlesungen der „Faculty“ auf dem Campus in Berlin. Angaben zur „Faculty“ findet man auf der Website nicht. Und unter dem Schlagwort „Akademische Exzellenz“ ist nur von Tutoren mit Berufserfahrung in der Industrie die Rede.

Auch die Zulassungsvoraussetzung sind ausgesprochen gering. Man muss 21 Jahre alt sein, über Englischkenntnisse (IELTS 6.0) verfügen und sollte einen Bachelor haben, es genügen aber auch drei Jahre Berufserfahrung. Berufserfahrung – eigentlich eine zwingende Voraussetzung für jedes MBA-Studium – braucht man auch nicht.

Dafür ist der Preis ein Schnäppchen. 12.500 Euro kostet das 18-monatige MBA-Programm für internationale Studenten und nur 9.000 Euro für europäische Studenten. Angefangen haben im Frühjahr elf Studenten im Alter von 24 bis 28 Jahren.

Doch wie passt das zusammen? Bei der Gisma setzt GUS auf eine renommierte Business School, bei der BSBI kooperiert sie mit einer Uni mit betont geringen Ansprüchen.

Die Grundlage des globalen GUS-Systems sei die Erkenntnis, dass die Stärke in der Vielfalt der Angebote liege, erklärt Maurits Van Rooijen, Chief Academic Officer bei GUS. „Wir wollen unterschiedliche Zugangsmöglichkeiten (akademisch und finanziell) und unterschiedliche Lernformate für unterschiedliche Zielgruppen anbieten.“ So würden die Interessenten, die an der Gisma studieren möchten, sich das Studium leisten können und zugelassen werden, kaum ein Studium an der BSBI anstreben. Denn das sei billiger, habe geringere Zulassungsvoraussetzungen und verfüge über keine internationale Akkreditierung. Beide Schulen ergänzten sich daher perfekt, so Van Rooijen.

Und dabei sei es auch sinnvoll, den Campus von bereits bestehenden Schulen wie der Gisma mit zu nutzen. Zudem teilten sich alle GUS-Institute das Marketing und Recruiting. So könnten sie viel mehr potentielle Studenten erreichen als andere Institute.

Das Problem ist allerdings, dass sich die BSBI keineswegs wie eine Low-Level-Schule präsentiert. So heißt es zum Beispiel: „We focus on helping graduates to become exceptional leaders in their chosen field.“ Da ist von guten Karrieremöglichkeiten und Industriekontakten (natürlich ohne irgendeinen Namen zu nennen) die Rede und von akademischer Exzellenz, für die man scheinbar keine Professoren braucht.

Auf der Website fehlen Angaben zur Leitung der Schule ebenso wie Angaben zur „Faculty“ oder die Namen sonstiger Personen. Selbst im Impressum taucht kein Namen auf. Es scheint fast, als würde die Schule von Geisterhand geführt. Als Testimonials werden vier – offenbar indische Bachelor-Studenten präsentiert. Und zwar gleich dreimal untereinander.

Geschäftsführer der neuen Business School ist – so lässt es sich Poets&Quants-Artikel entnehmen – der israelische Cellist Sagi Hartov. Er ist zudem Executive Dean und Geschäftsführer des London College of Contemporary Arts, das er gemeinsam mit dem GUS-Gründer Aaron Etingen gegründet hat.

Entstanden ist GUS aus der von Etingen 2003 gegründeten London School of Business & Finance (LSBF) in der britischen Hauptstadt. Name und Auftritt erinnern nicht zufällig an die renommierte London Business School (LBS). Die Verwechslungsgefahr ist wohl durchaus erwünscht, zumal die Schule vor allem auf Studenten der aufstrebenden Mittelschicht in Schwellenländern zielt. Dabei stehen GUS-Institutionen auch immer wieder in der Kritik.

Auch Poets&Quants, wo man sich nur sehr selten mit dem deutschen MBA-Markt beschäftigt, ist auf die Aussagen in der offenbar international verschickten Pressemeldung der neuen Berliner Schule hereingefallen und sah sie peinlicherweise gleich als mögliche künftige Konkurrenz für die Mannheim Business School, die ESMT oder die WHU. Inzwischen wurde der Artikel entsprechend korrigiert.

Interessant ist, dass die Gründung der Berliner Business School und der Start des MBA-Programms eher heimlich stattfanden. Dass GUS die Presse nicht über die neue Billig-Schule informiert habe, liege daran, dass man sich für einen „Soft Launch“ entschieden habe, behauptet Van Rooijen. Aber Zielgruppe sind wohl auch vor allem ausländische Studenten, die auf die gute Reputation von deutschen Hochschulen vertrauen und dem fragwürdigen Marketingversprechen der neuen Billig-Schule glauben.

PS: Inzwischen liegt MBA Journal die von der Pressestelle der GUS in London verschickte Pressemeldung an internationale Medien vor. Die Behauptung des akademischen Direktors ist daher falsch.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

Ein Kommentar

  1. BInside

    24. Juli 2018 at 9:09

    Das Geschäftsmodell der BSBI (und auch der GISMA, die ja auch noch einige andere Programme eher niedriger Qualität als der Grenoble Programm franchised) scheint weniger in der akademischen Ausbildung zu liegen, als internationalen Studierenden einen legalen Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt zu verschaffen (den sie mit einem hier erlangten akademischen Abschluss automatisch für zunächst 18 Monate haben und wenn sie einen Job finden auch länger). Da bleibt akademische Exzellenz schon mal gerne auf der Strecke… Die Programme zielen dann auch eigentlich nur darauf ab (der genannte Hotel-Kooperationspartner der BSBI sucht wahrscheinlich händeringend günstige Arbeitskräfte). Win-Win-Win… Aber ein Verlust für das Ansehen seriöser deutscher MBAs…

    Die GISMA bemüht sich übrigens gerade um die Anerkennung als Hochschule in Deutschland – zumindest deuten entsprechende Stellenanzeigen darauf hin.

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