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MBS-Professor Jack Nasher wegen Irreführung über seine Befähigung verurteilt

Von am 28. Oktober 2016
Jack Nasher Gericht Campus Verlag MBA-Professor Jack Nasher

Jack Nasher, Professor an der Munich Business School (MBS), ist wegen Irreführung über seine Befähigung verurteilt worden und darf sich künftig nicht mehr Wirtschaftspsychologe nennen.

Nasher hatte sich nicht nur mehrfach als „Wirtschaftspsychologe“ und sogar als der „meistgelesene Wirtschaftspsychologe Kontinentaleuropas“ bezeichnet, auch auf seinem Profil auf der Website der MBS wurde er als Wirtschaftspsychologe geführt. MBS-Dekan Stefan Baldi rechtfertigte das damit, dass der Begriff Wirtschaftspsychologe im „Kontext der Kurzbiografie lediglich ein akademisches Interessensgebiet“ kennzeichne.

Das Landgericht München I (Az: 17 HK O 19533/15) verurteilte den Professor für Organisation und Unternehmensführung nun dazu, es bei Meidung eines Ordnungsgeldes bis zu 250.000 Euro, ersatzweise Ordnungshaft bis zu sechs Monaten, zu unterlassen, „im geschäftlichen Verkehr zu Wettbewerbszwecken, insbesondere im Internet, sich selbst als Wirtschaftspsychologe zu bezeichnen“ (hier das per Fax vom Landgericht zur Verfügung gestellte Originalurteil). Geklagt hatte der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP).

Bei der Verwendung der Bezeichnung handele es sich um „eine zur Täuschung geeignete Angabe über seine Befähigung“. Die Verkehrskreise – sprich die interessierte Öffentlichkeit – erwarteten von einem Wirtschaftspsychologen „einen ausreichend ordnungsgemäß ausgebildeten Psychologen und damit eine Person, die ihr psychologisches Studium entweder mit dem Diplom bzw mit dem Bachelor und einem darauf aufbauenden Masterstudium absolviert hat“, heißt es im Urteil.

Jack Nasher hat ein Magister-Studium in Philosophie mit zweiten Hauptfach Psychologie an der Universität Trier absolviert und behauptete vor Gericht, damit habe er ein „fünfjähriges reguläres Psychologie-Studium“ abgeschlossen. Laut einer Aufstellung der Studieninhalte umfasste sein „Psychologie-Studium“ allerdings nur 16 Prozent der Inhalte, die im Rahmen eines regulären Psychologie-Studiums vermittelt wurden.

Notorisch lügt Nasher auch, was sein angebliches Wirtschaftsstudium angeht, mit dem er unter anderem rechtfertigt, dass er sich Wirtschaftspsychologe nennen kann. So behauptet er stets, einen „Master in Management“ zu haben. Doch das ist falsch. Er hat einen „Master in Management Research“ wie sein Zeugnis eindeutig belegt. Das ist kein klassisches Wirtschaftsstudium, sondern eine Art Vorbereitungsstudium für Kandidaten, die einen PhD anstreben und vermittelt die dafür notwendigen empirischen und theoretischen Forschungsmethoden.

Das sind bei weitem nicht die einzigen Unstimmigkeiten, die es im Lebenslauf und bei der Selbstdarstellung des „Lügenpapstes“ (Eigenwerbung) gibt. So behauptete er jahrelang, an einem Institut an der Uni Wien promoviert zu haben, das es dort niemals gab – was Nasher als Lappalie abtut. Und erst vor kurzem hieß es auf der Website der Hochschule, er sei regelmäßiger Autor beim Harvard Business Manager, obwohl er noch nie in dem Magazin geschrieben hat. Bei der Angabe seiner „Publikationen“ auf der Hochschul-Website verweist er auf seine teils fragwürdigen Artikel bei FOCUS online, wo er ebenfalls als Wirtschaftspsychologe bezeichnet wird. Darunter ist auch ein reichlich wirrer Artikel über Wirtschaftspsychologen, auf den im Urteil expliziert Bezug genommen wird.

Sein psychologisches Wissen präsentierte der „16-Prozent-Psychologe“ vor kurzem bei einem Kongress der Gesellschaft für angewandte Wirtschaftspsychologe (GWPs), wo er offenkundig Probleme hatte, so grundlegende Konzepte wie Intelligenz und Kompetenz unterscheiden zu können (Er hatte Kompetenz auch schon als „Charaktereigenschaft Nummer 1“ bezeichnet). Laut Aussage von Jack Nasher – auch vor Gericht – wurde er bei dem Prozess öffentlich von der GWPs unterstützt.

Das neue Urteil ist bereits das dritte Gerichtsverfahren, das Nasher verloren hat. So hatte er aufgrund eines kritischen Artikels über sein damals neues Buch und seine Selbstdarstellung in der Zeitschrift Wirtschaft&Weiterbildung gegen den Haufe Verlag geklagt und verloren, worauf er die Autorin persönlich verklagte und ebenfalls verlor.

Das aktuelle Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Nasher kann innerhalb von vier Wochen Berufung einlegen.

PS: Seit neuestem wird Nasher auf der Homepage der Munich Business School als „Business-Psychologe“ bezeichnet – auch damit verstößt er natürlich gegen das Urteil. Weiter heißt es dort immer noch. „Beiträge von und über Jack Nasher wurden regelmäßig in Zeitungen und Zeitschriften veröffentlicht, unter anderem im Harvard Business Manager, dem Handelsblatt und der Süddeutschen Zeitung.“ Und das obwohl er vom Harvard Business Manager bereits abgemahnt wurde und man auch im Handelsblatt und in der Süddeutschen Zeitung vergeblich nach von ihm geschriebenen – geschweige denn regelmäßig veröffentlichten – Artikeln sucht. Aber das passt natürlich bestens zur Munich Business School, die noch immer behauptet, zu „den führenden Wirtschaftshochschulen im deutschsprachigen Raum“ zu gehören, obwohl ihr der Wissenschaftsrat 2015 bescheinigt hat, dass sich ihre Forschungsleistungen „nicht auf einem für eine Hochschule mit Masterangeboten angemessenen Niveau“ bewegten.

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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