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Indien: Frauen-Rekord an den IIMs

Von am 28. August 2017
IIM Ahmedabad Campus Schwertfeger IIM Ahmedabad

An den 20 IIMs in Indien beginnen in diesem Jahr so viele Frauen wie noch nie mit dem Postgraduate Programm – das einem MBA entspricht. Und das ohne Quote und Unterstützung der Schulen.

Drei von zehn Studenten, die in diesem Jahr das Studium an den 20 Indian Institutes of Management (IIM) beginnen, sind Frauen. Im vergangenen Jahr waren es erst 26 Prozent. Man habe den Bewerberinnen keine direkte Unterstützung geboten, sagt ein Mitarbeiter des IIM Ahmedabad gegenüber der Economic Times. Dort sind in diesem Jahr sogar 38 Prozent der neuen Studenten Frauen. Im Vorjahr waren es erst 27 Prozent. Auch die IIMs in Bangalore, Calcutta und Kozhikode führen den höheren Frauenanteil allein auf die guten Leistungen der Frauen zurück.

Die IIMs in Indien haben als „Institute von nationaler Bedeutung“ eine Sonderstellung. Sie sind keine Universitäten und dürfen daher keine akademischen Abschlüsse wie den MBA vergeben. Ihr Flaggschiff-Programm ist das zweijährige Postgraduate Programm in Management (PGP), das mit einem Postgraduate Diploma abschließt.

Dabei ist das Prestige der IIMs enorm. Wer hier studiert hat, braucht sich um seine Karriere keine Sorgen zu machen. Legendär sind die strengen Auswahlkriterien. Wer sich an einem der IIMs bewirbt, muss den Common Admission Test (CAT) absolvieren und danach einen mehrstufigen Auswahlprozess durchlaufen. 2013 lag die Zulassungsquote bei den IIMs im Schnitt bei 1,7 Prozent. Am IIM in Ahmedabad gab es dabei 4046 Bewerber auf einen Studienplatz. Zum Vergleich: Bei der US-Schule mit der strengsten Auswahl – der Stanford Graduate School of Business – werden rund sechs Prozent zugelassen.

In diesem Jahr hätten kluge Frauen den CAT absolviert, sagte Preetam Basu, zuständig für die Zulassung am IIM Calcutta. Von den Kandidaten, die zu einem Interview eingeladen wurden, seien nur 25 Prozent Frauen gewesen. Aber die hätten in den Interviews überdurchschnittlich gut abgeschnitten, so dass man mehr als 30 Prozent Frauen zugelassen habe.

Ein durchschnittlicher Frauenanteil von 30 Prozent an den IIMs ist beachtlich, vor allem wenn man bedenkt, dass selbst Business Schools in den USA oder Europa oft nicht viel mehr MBA-Studentinnen haben und das trotz zahlreicher Stipendien und Förderprogramme. Und beim Gender Equality Index der Weltbank liegt Indien noch immer abgeschlagen auf Platz 130.

Der Trend, dass sich mehr Frauen für ein Managementstudium bewerben, spiegele auch die Bemühungen großer Unternehmen wider, aktiv gegen die Benachteiligung von Frauen am Arbeitsplatz tätig zu werden, schreibt die Economic Times. So zeigten Unternehmen zunehmend mehr Interesse, IIM-Absolventinnen zu rekrutieren. Fortschrittliche Unternehmen hätten Diversität zur Toppriorität gemacht, erklärt SV Nathan, Chief Talent Officer bei Deloitte India, wo man die Zahl der Einstellungen von Absolventinnen jährlich erhöht. Auch Capgemini rekrutiert mehr Frauen und sieht sie als potentielle Führungskräfte.

Doch die IIMs brauchen nicht nur mehr Diversität bei den Geschlechtern, noch immer sind die meisten Studenten Ingenieure. Auch hier gibt es erste Erfolge. Am IIM Ahmedabad hat sich der Anteil der Studenten ohne Ingenieur-Hintergrund in diesem Jahr auf 32,9 Prozent erhöht. Im Vorjahr waren es erst 20 Prozent.

 

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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