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EBS Business School: Erneuter Führungswechsel

By on 18. Januar 2016
EBS EBS-Dekan Sebastian Heese

An der EBS Business School gibt es einen erneuten Führungswechsel. Professor Richard Raatzsch trat zum 31. Dezember 2015 von seinen Ämtern als Vizepräsident der Universität, Dekan der Business School und Mitglied des Aufsichtsrats der EBS zurück. Neuer Dekan ist Professor Sebastian Heese. Einen neuen Präsidenten hat die Business School noch immer nicht.

Der Senat der EBS Universität habe in seiner ordentlichen Sitzung am 9. Dezember 2015 Professor Sebastian Heese zum Dekan der Business School gewählt, verkündete die EBS am 12. Januar. Das Gremium sei dabei der Empfehlung des Professoriums und beider Vizepräsidenten gefolgt. Professor Heese war bisher Prodekan Forschung und Inhaber des SGL Carbon Stiftungslehrstuhls für Supply Chain Management. Er hat ein Ingenieur-Studium an der Technischen Universität Karlsruhe absolviert und einen Ph.D. in Operations, Technology and Innovation Management an der Kenan Flagler Business School in North Carolina erworben.

Heese werde den begonnenen Veränderungsprozess Change Campus 2021 kontinuierlich fortführen und maßgeblich an der Entwicklung der neuen Strategie mitwirken. „Wir wollen renommierte Institutionen, Unternehmen und Studierende von unserer Exzellenz überzeugen. Die Re-Akkreditierung durch EQUIS ist dafür ein wichtiger Meilenstein, den ich mit aller Kraft vorantreiben werde“, wird der Professor zitiert.

Die Business School hatte die für sie wichtige Re-Akkreditierung im April 2015 nicht bekommen und hat ein Jahr Zeit, den kompletten Prozess noch einmal neu zu durchlaufen. Auch den Ausbau der internationalen Forschungsreputation sowie auf eine intensive Zusammenarbeit mit Unternehmen wolle er vorantreiben.

Professor Richard Raatzsch war seit Juni 2103 Dean der Business School und zudem Vizepräsident der EBS Universität. Bereits im Juni 2015 stieg der Philosoph aus der Geschäftsführung aus und wurde Mitglied des Aufsichtsrates. Als gewählter Professorenvertreter im Aufsichtsrat werde er dort „mit seiner herausragenden akademischen Expertise und Erfahrung“ die wissenschaftlichen Belange der Universität einbringen. Zudem werde er sich „vor dem Hintergrund der Verlängerung des Akkreditierungsprozesses der EBS Universität“ voll umfänglich auf seine Aufgaben als Dekan der Business School und Leiter der EQUIS Akkreditierung konzentrieren zu können, hieß es  im Juli 2015. Damit wolle die EBS das akademische Profil der Universität stärken und sich so optimal für den verlängerten Re-Akkreditierungsprozess aufstellen.

Umso merkwürdiger ist es, dass sich die EBS in ihrer Presseerklärung mit keinem Wort bei Raatzsch für die Erfüllung seiner – sicher nicht immer einfachen – Aufgaben bedankte. Erst auf Nachfrage ergeht sich die Pressesprecherin in einer wahren Lobeshymne und schreibt: „Professor Raatzsch hat maßgeblich dazu beigetragen, die EBS wieder auf einen guten Kurs zu bringen. Er hat die Universität mit seinem wertvollen Erfahrungsschatz und seinem herausragenden persönlichen Engagement geprägt und so wichtige Themen wie EQUIS und AACSB angestoßen und vorangetrieben. Mit dem ausgewiesenen positiven Eigenkapital zum Jahresende 2015 hat die EBS einen wichtigen Meilenstein des Projekts Change Campus 2021 erreicht.“

Dies biete allen Beteiligten auch die Möglichkeit, innezuhalten und über den weiteren Weg nachzudenken. Professor Raatzsch habe dies zum Anlass genommen, mit Wirkung zum 31.12.2015 von seinen Ämtern als Vizepräsident der Universität, Dekan der Business School und Mitglied des Aufsichtsrats der EBS zurückzutreten. „Seine Rollen als Vizepräsident und Dekan haben sich mit den Errungenschaften der finanziellen Gesundung nun erfüllt, so die Überzeugung von Professor Raatzsch. Jetzt, da sich neue, auf Wachstum ausgerichtete Möglichkeiten für die EBS ergeben, solle ein anderer Kopf das Dekanatsamt übernehmen. Als Nachfolger für dieses Amt hat Professor Raatzsch den Prodekan Forschung, Professor Sebastian Heese, vorgeschlagen“, schreibt die Pressestelle.

Am 4. Dezember hatte die EBS verkündet, das die Universität für Wirtschaft und Recht erstmals seit fünf Jahren wieder ein positives Eigenkapital ausweisen kann. Nur warum haben sich Raatzsch`s Rollen als Vizepräsident und Dekan „mit den Errungenschaften der finanziellen Gesundung“ erfüllt?

An der EBS ist Raatzsch demnächst auch nicht mehr anzutreffen. Er nehme in diesem Jahr sein reguläres Forschungsfreisemester, um sich primär der Forschung zu widmen, schreibt die Pressestelle. Die Universität unterstütze ihn in seinem Projekt mit einem zusätzlichen Freisemester. Das alles erweckt zumindest den Eindruck, dass der Rücktritt nicht ganz freiwillig war.

Bereits seit April 2015 hat die Universität keinen Präsidenten mehr. Damals musste Rolf Wolff überraschend gehen. Seitdem gilt der inzwischen alleinige Geschäftsführer Holger Follmann als der „starke Mann“, der zwar selbst kein Akademiker ist, sich aber dennoch auch zu akademischen Fragen äußert.

Und es klingt nicht so, als ob man unbedingt einen neuen Präsidenten braucht. „Die Suche nach einem Präsidenten erfolgt im Kontext der aktuellen strategischen Neuausrichtung der EBS, die Geschäftsführung und Universitätsleitung aktuell gemeinsam mit Professoren und Alumni der Universität entwickeln”, heißt es. Die Findungskommission suche daher einen geeigneten Kandidaten, der die neue Strategie mit wichtigen Impulsen vorantreibe. Eigentlich bestimmt ein Uni-Präsident die Strategie der Hochschule maßgeblich mit, an der EBS muss er sie offenbar nur noch umsetzen.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

3 Comments

  1. jk

    30. April 2016 at 16:40

    Liebe Frau Schwertfeger, man fragt sich wirklich, was die EBS Ihnen getan hat, wenn Sie aus einer schlichten Meldung wie dem Wechsel eines Dekans eine solche Horror-Nachricht konstruieren. Ein Wechsel im Dekanat (auch nach 2,5 Jahren) ist nichts ungewöhnliches und kommt immer wieder vor, nicht nur an der EBS, sondern auch an anderen Universitäten. Sinn ist, dass der Dekan (der immer auch noch Professor ist) sich wieder stärker seinen Forschungsaufgaben widmen kann.
    Auch ein Forschungssemester (vor allem nach der Zeit als Dekan, in der die Forschung zu kurz kommt) ist keinesfalls eine beunruhigende Nachricht, vielmehr an vielen Universitäten Gang und Gebe.
    In ihren Artikeln (insb. der über den SZ-Artikel von Leyendecker) monieren Sie die unzureichend recherchierte Berichterstattung. Nun schlussfolgern Sie nur aufgrund der Tatsache, dass ein ehemaliger Dekan ein Forschungstrimester antritt, er wäre „abgesägt“ worden? Das erscheint vollkommen aus der Luft gegriffen und man muss feststellen, dass die Maßstäbe, die Sie bei anderen anlegen, offensichtlich nicht für Sie selbst gelten. Das zeugt von einem höchst bedenklichen Selbstverständnis als Journalistin!
    An der EBS ist lange Zeit vieles schief gelaufen und ich habe Ihre kritische Hintergrundberichterstattung immer gerne gelesen. Aber sollte es so langsam nicht mal gut sein? Diese Universität bemüht sich seit Jahren um Besserung, die sich vor allem in letzter Zeit auch ausgezahlt haben (Kooperation mit dem FCB und P&G, Examensergebnisse an der Law School). Natürlich können Sie über positive Vorkommnisse an der Uni nicht berichten, das ist jedem aufmerksamen Leser Ihres Blogs klar. Aber so langsam hinkt das ewige Rumgehacke auf der EBS und das ewige Wiederkäuen der (sicherlich nicht ruhmreichen) Vergangenheit!

    • Bärbel Schwertfeger

      1. Mai 2016 at 16:13

      Hallo,

      vielen Dank für Ihren Kommentar, der mich – wie so viele Kommentare von EBS-Freunden – doch wieder verwundert.

      Nun ich weiß zwar nicht, was Sie mit Horrormeldung meinen, nehme aber zur Kenntniss, dass Sie es für völlig normal halten, wenn ein Dekan und Vizepräsident der EBS, der die Schule in sehr schwierigen Zeiten geführt hat, ganz plötzlich geht (kurz davor hatte er sich noch intensiv dafür eingesetzt, dass die AACSB die EBS besucht – schließlich war er ja für die Akkreditierung zuständig) und es in der Pressemeldung nicht ein Wort des Dankes gibt. Auch heute noch ist auf der EBS-Website nicht mal ein Hinweis auf seine Tätigkeit als Dekan und Vizepräsident zu finden.

      Auch bei der Law School scheint Ihr Blick etwas getrübt zu sein. So gibt es einen aufschlussreichen Artikel in der FAZ, der zeigt, dass die Jubelmeldung der EBS mal wieder eine dreiste Täuschungsaktion war. http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/erste-abschluesse-an-der-ebs-law-school-wiesbaden-14059532.html

      Die stolz verkündeten „herausragenden Ergebnisse“ der ersten Jura-Absolventen bezogen sich gerade mal auf fünf Studenten. Und bei der Recherche stieß der Autor darauf, dass es bei den eh schon sehr wenigen Jura-Studenten einen Schwund von fast 40 Prozent gab.

      Für eine Privathochschule sind solche Zahlen absolut desaströs. Darüber hatte ich im übrigen nichts geschrieben, obwohl es doch eine negative Meldung ist. Auch da liegen Sie also mit Ihrem Vorwurf leider falsch.

      Mit freundlichen Grüßen

      Bärbel Schwertfeger
      Editor in Chief/Managing Director
      The MBA Journal

  2. CvK

    19. Januar 2016 at 17:23

    Seltsam, dass sich bisher noch niemand zu Wort gemeldet hat. Beim Bericht über das sogenannte Skandal-Video der EBS hagelte es reihenweise Kommentare.
    Kriegt die EBS doch noch Kurve oder hatten die im November 2015 gemeldeten schwarzen Zahlen allenfalls vorübergehenden Charakter?

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