Kehrtwende: IMD will jüngere MBA-Studenten

Von am 20. Juni 2022
IMD Schwertfeger

Das MBA-Programm am IMD war jahrelang klein und die MBA-Studenten waren älter. Nun soll alles anders werden.

Das International Institute for Management Development (IMD) in Lausanne war bekannt dafür, dass das MBA-Programm mit 90 Teilnehmenden relativ klein war und vor allem Studenten Anfang 30 anzog. Das soll sich nun ändern.

Innerhalb von drei Jahren soll sich die Zahl der neuen MBA-Studierenden auf 150 erhöhen, eine Steigerung von 67 Prozent gegenüber der bisherigen Klasse mit 90 Studierenden. 97 Studierende waren es im Jahr 2021, 104 in der aktuellen Klasse und 120 sollen es im nächsten Jahr sein. Gleichzeitig sollen die Studierenden jünger werden. Letztes Jahr sank das Durchschnittsalter der neuen MBA-Studierenden auf 31 Jahre. Dieses Jahr waren es 30 Jahre. Ziel ist das Durchschnittsalter bei 28 und 29 Jahren, wie es bei den meisten anderen MBA-Programmen der Fall ist.

„Wir sind auf der Suche nach jüngeren Studenten“, sagt Omar Toulan, neuer Dekan des MBA-Programms am IMD in der Schweiz gegen dem MBA-Portal Poets&Quants. Seine Kalkulation: Wenn man das Programm ausbauen wolle und nur Interessenten über 30 anzieht, erreiche man nur 20 Prozent derjenigen, die einen MBA machen wollen. Mit 24 Jahren könne man wahrscheinlich hundert Prozent der Leute erreichen. Toulan glaubt, dass die Erweiterung des Bewerberpools für das IMD es der Schule ermöglichen wird, die Größe des MBA-Programms zu erhöhen, ohne Abstriche bei der Qualität machen zu müssen.

Er glaubt sogar, dass die größere Altersvielfalt die MBA-Erfahrung für alle Teilnehmer des Programms verbessern wird. Das IMD könne Kandidaten mit weniger Berufserfahrung anders beurteilen. „Wenn Sie jünger sind, wird die Messlatte höher liegen“, sagt der MBA-Dekan. „Wir suchen nach Leuten, die trotz ihres Alters etwas Besonderes haben, das es ihnen ermöglicht, aktiv an internationalen Gesprächen teilzunehmen und einen Beitrag zu leisten.“ Um die Besten zu rekrutieren, lädt IMD die Bewerber zu einem  „Assessment Day“ auf dem Campus ein, bei dem die Kandidaten nicht nur interviewt werden, sondern auch mehrere Teamübungen absolvieren müssen. Die Schule hat 35 Assessment Days im Jahr.

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Gleichzeitig hat die Schule die Stipendien seit 2021 verdoppelt, wobei der größte Teil der Aufstockung den unter 30-Jährigen gewidmet ist. Unter den derzeit 104 MBA-Studierenden der Schule sind 39 Nationalitäten und die Rekordzahl von 37 Frauen.

Das auf Führung ausgerichtete MBA-Programm umfasst Erfahrungslernen, Innovations- und Digital Labs, Reisen nach Buenos Aires, Dubai und ins Silicon Valley, Start-up-Projekte und intensive persönliches Coaching. Das elfmonatige Programm, das im Januar beginnt, schließt vor Jahresende mit einem siebenwöchigen internationalen Beratungseinsatz ab. Das Programm ist außerdem auf den Schwerpunkt Nachhaltigkeit ausgelegt.

Omar Toulan war, bevor zum IMD kam, 19 Jahre lang an der McGill University in Montréal in Kanada als Professor für Strategie und stellvertretender Dekan des dortigen MBAProgramms tätig. Außerdem war er Gastprofessor an einigen der führenden Business Schools der Welt, darunter die London Business School, INSEAD, Imperial College und Stockholm School of Economics. Zudem hat er bei McKinsey & Company und im Weißen Haus gearbeitet.

Die Kehrtwende ist dennoch riskant, weil das IMD damit seinen besonderen Status aufgibt und mit allen Topschulen weltweit konkurriert. Der Fokus der IMD lang bisher vor allem auf der Executive Education, also Managementseminaren ohne akademischen Abschluss.

Das IMD litt enorm unter der Corona-Pandemie. Zehn Prozent des Personals der Schule wurde entlassen, die IMD-Professoren akzeptierten Gehaltskürzungen. Die Einnahmen waren von 130 Millionen auf 90 Millionen Schweizer Franken zurückgegangen. Bis zum Jahresende schrieb IMD rote Zahlen.

Die schwierigste Herausforderung bestand darin, die Weiterbildungsprogramme für Führungskräfte zu überdenken und neu zu gestalten. Im Jahr 2019 waren nur zehn Prozent der IMD-Programme technologiegestützt. Im Jahr 2021 waren es 64 Prozent und in diesem Jahr werden fast hundert Prozent Blended Learning sein. Beispiel: Advanced Management Program. Vor der Pandemie kamen die Teilnehmenden für drei Wochen auf den Campus. Heute gibt es eine Serie von virtuellen Sitzungen, in denen die Teilnehmenden die Business-Herausforderung identifizieren, an der sie arbeiten wollen. Sie bekommen Feedback von ihren Teammitgliedern am Arbeitsplatz und sie schärfen ihre Herausforderung mit einem Coach vom IMD. An Stelle von drei Wochen auf dem Campus, verbringen zwei Wochen im Präsenzunterricht und fokussieren sich auf Experiential Learning und einen dreitägigen Workshop in den Bergen. Der Erfolg gibt dem IMD recht: Vor kurzem hatte man die größte Klasse des Advanced Management Program seit vier Jahren.

Das IMD gehört zu den Topschulen und gilt als eine der internationalsten Schulen weltweit. Es erreichte in dem Ranking der Financial Times zu offenen Executive-Educative-Education mehrmals Platz 1.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.