Economist Ranking: Fortsetzung der Absurditäten • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

Economist Ranking: Fortsetzung der Absurditäten

Von am 1. November 2017
Kellogg School Eingang Madcoverboy Wikimedia Commons Kellogg School of Management

Auch in diesem Jahr hat das britische Wirtschaftsmagazin Economist eine neue Ausgabe seines absurden Rankings vorgelegt. Die ersten 14 Plätze belegen US-Schulen. Warwick ist besser als INSEAD und der Newcomer Hult Business School schlägt Cambridge und Oxford.

Auf Platz 1 liegt in diesem Jahr die Kellogg School of Management, die damit die Chicago Booth School of Business nach fünf Jahren vom Spitzenplatz verdrängt. Platz 3 belegt die Harvard Business School, gefolgt von Wharton und Stanford. Insgesamt belegen die US-Schulen mit ihren zweijährigen MBA-Programmen die ersten 14 Plätze Die beste nicht-amerikanische Schule ist die HEC Paris auf Platz 15. Die IESE Business School kommt auf Platz 17, Warwick auf Platz 18 und INSEAD auf Platz 21. Die Mannheim Business School erreicht als beste deutsche Schule Platz 29, die ESMT liegt auf Platz 41, die HHL Leipzig auf Platz 89 und die WHU auf Platz 95.

Aberwitzig ist das Ergebnis für das IMD in Lausanne. Im vergangenen Jahr hatte der Economist die Schule gerankt, obwohl sie sich aufgrund der fragwürdigen Methodologie geweigert hatte, an dem Ranking teilzunehmen und daher auch keine Daten vorgelegt hatte. Welche Daten das Wirtschaftsmagazin daher genutzt hatte, blieb ein Rätsel. Dennoch landete das IMD auf Platz 23. In diesem Jahr hat sich die Schule offenbar dem Ranking-Druck gebeugt und wieder mitgemacht. Dafür landet sie nun auf Platz 29.

35 Prozent der Bewertung im Ranking macht die Öffnung neuer Karrieremöglichkeiten aus. Derselbe Anteil entfällt auf die persönliche Entwicklung und die Bildungserfahrung (Qualität der Professoren, GMAT-Wert und Diversität der Klasse). Mit 20 Prozent wird der Gehaltsanstieg bewertet und 10 Prozent entfallen auf das Netzwerk-Potential.

Die Bewertungskriterien dürften auch der wesentliche Grund für die US-Dominanz sein. In den USA dauern die MBA-Programme zwei Jahre und das mehrmonatige Praktikum nach dem ersten Jahr verbessert die Chancen für neue Karrieremöglichkeiten deutlich mehr als dies bei einjährigen Programmen – wie sie in Europa dominieren – der Fall ist, wo für längere Praktika schlichtweg keine Zeit ist. Das gilt vor allem für Karrierewechsler, die in eine völlig andere Funktion oder Branche umsteigen wollen.

Das Economist-Ranking ist berüchtigt für seine großen Auf- und Abstiege. In diesem Jahr sind 27 von 100 gerankten Schulen um zehn oder mehr Plätze auf- oder abgestiegen. Die Henley Business School stürzte gar 34 Plätze von 27 auf 61 ab. Die spanische IE Business School, in anderen Rankings stets auf den vorderen Plätzen, schneidet 18 Plätze schlechter ab und kommt auf Platz 34. Die französische Schule Audencia Nantes verbessert sich um 31 Plätze von 93 auf 64.

Da sich die Qualität eines MBA-Programms innerhalb eines Jahres in der Regel nicht gravierend ändert, liegt das vor allem an der fragwürdigen Metholodogie.

So manches Ergebnis kann man dabei nur mit Kopfschütteln zur Kenntnis nehmen. So liegt die für ihr aggressives Marketing bekannte Hult International School, die gerade erst die AACSB-Akkreditierung erhielt, auf Platz 54 und schneidet damit einen Platz besser ab als die Cambridge Judge Business School und liegt 21 Plätze vor der Oxford Said Business School.

20 Schulen sind aus den Top 100 gefallen, darunter die Universität St.Gallen, die University of Arizona, die EADA Business School in Barcelona, die niederländische Tilburg University, die Rutgers Business School und das Politecnico di Milano.

23 Schulen sind „ineligible“ oder haben die Teilnahme abgelehnt. Dazu gehören unter anderem das Babson College, die CEIBS, die Chinese University of Hong Kong, die Alliance Manchester Business School, die beiden kanadischen Schulen der McGill University und der Toronto University sowie die belgische Vlerick Business School.

Das MBA-Portal Poets&Quants hat die „Kraut-und Rüben-Rangliste“ detailliert analysiert.

 

 

 

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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