Die Welt: Wenn Mode-Blogger über Business Schools schreiben • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

Die Welt: Wenn Mode-Blogger über Business Schools schreiben

Von am 7. Juni 2015
© Fotalia

In dem zum Axel Springer Verlag gehörenden „World’s Luxury Guide by Die Welt“ schreiben Mode- und Fashion-Blogger über MBA-Schulen. Was dabei herauskommt, ist oft nicht nur falsch, sondern manchmal auch unglaublich peinlich.

„Als Jetset-Student im Schickeria-Fürstentum, braucht man keinen Nebenjob, um über die Runden zu kommen. Gelernt wird am Pool und unter Palmen. Wenn es zu heiß wird, ziehen sich die Studenten in die Lobbys der fünf-Sterne-Hotels zurück und schlürfen einen 15-Euro-Cappuccino während sie an ihrem Luxus-Logo feilen.“

Das ist kein Auszug aus einer der vielen Frauen-Postillen, sondern aus dem Portrait über die International University of Monaco in dem „World’s Luxury Guide by Die Welt, dem Luxus-und Lifestyle Guide von Welt.de“.

Eigentlich geht es dort vor allem um Fashion, Uhren, Beauty, Luxushotels, Reisen und Autos und viele Texte, bei denen nicht immer klar ist, ob das überhaupt noch Journalismus oder doch vor allem PR ist. Doch inzwischen hat man auch die Business School als Luxusprodukte identifiziert. Dabei ist natürlich jede der beschriebenen Schulen eine der besten und auch das Wort Elite und elitär kommt auffallend häufig vor.

Zudem haben die Autoren erstaunliche Erkenntnisse zu vermelden. „Das Erste, was die lernwilligen Luxus-Studierenden in spe lernen müssen ist, dass man sich einen Masterplatz an der Universität von Monaco in erster Linie nicht kaufen kann“, heißt es ebenfalls bei der International University of Monaco. „Dass bei der ganzen Sache auch ein wenig Klüngelei dazugehört, ist kein Geheimnis. Die Luxus-Uni pflegt enge Kontakte zu Inhabern großer Premium-Marken und Personalentscheidern. Und auch die Studierenden selbst bewegen sich ohnehin in Kreisen wo immer jemand jemanden kennt, der jemanden kennt. Am Ende müssen sich die Absolventen mit der Entscheidung herumschlagen, ob das lukrative Jobangebot von Chanel besser ist, oder ob der Posten bei Armani nicht doch mehr Selbstverwirklichung verspricht.“

Dabei überfordert die Aufgabe, wenigstens ein inhaltlich korrektes Portrait zu schreiben, einige der Autoren – darunter Mode- und Fashion-Blogger und Reisejournalisten – ganz offenkundig. Dabei hätte meist schon eine sorgfältige Internet-Recherche genügt.

So heißt es bei der Mannheim Business School, sie besitze als erste und einzige deutsche Einrichtung die sogenannte „Triple Crown“, die bezeuge, „dass die Hochschule durch die drei weltweit bedeutendsten wirtschaftswissenschaftlicher Bildungseinrichtungen AMBA (London), AACSB (St.Luis/USA) und EQUIS (Brüssel) akkreditiert worden ist.“ Dass eine Akkreditierungsorganisation keine wissenschaftliche Bildungseinrichtung ist, sollte eigentlich zum Allgemeinwissen gehören.

„Durch diese besondere Auszeichnung rangiert die Mannheim Business School bei nationalen Rankings auf Platz 1 (Wirtschaftswoche) und bei internationalen Rankings auf Platz 11 in Europa, sowie Platz 36 weltweit (The Economist).“ Dass eine Akkreditierung und ein Ranking zwei verschiedene Dinge sind, scheint sich auch noch nicht bis zur  „Luxus-Welt“ herumgesprochen zu haben.

Und weiter heißt es: „400 Studierende kommen auf 225 Mitarbeiter was eine besonderes intensive Betreuung gewährt, was aber auch eine sehr begrenzte Zahl an Studienplätzen bedeutet.“ Eine völlig absurde Relation, die selbst einem fachlich Unbedarften hätte auffallen müssen.

Sehr hübsch ist auch das Portrait der BSP Business School Berlin-Steglitz: „Roter Teppich und Stuck: Ist man Student an der BSP Business School Berlin, studiert man in der Villa Siemens.“

Und weiter: „Business Class studieren – das ist das vorherrschende Credo an der BSP Business School Berlin. Darunter versteht die private Hochschule vor allem die persönliche Atmosphäre zwischen Studierenden und Professoren. Letztere sind für die Nachwuchs-Manager nämlich immer ansprechbar. Feste Sprechstunden und „Für ein Gespräch ist immer Zeit“ heißt es, und für den einen oder anderen Studenten mag das ein Hauptgrund sein, sich an der BSP Business School Berlin einzuschreiben.”

Dabei kommt es an der BSP offenbar vor allem darauf an, dass die Studenten das Studium bezahlen können: „Die BSP Business School ermöglicht auch Nicht-Abiturienten ein Studium und gesonderte Bedingungen, sofern sie denn – wie alle anderen Studieninteressierten – in der Lage sind, die geforderten Studiengebühren zu zahlen.“

Vorbildhaft ist auch der Text über die EBS Universität für Wirtschaft und Recht: „Schon beim Blick auf die universitätseigene Webpage wird klar: Die EBS ist stolz auf sich. So sei man etwa auf dem besten Weg, „zur führenden Wirtschaftsuniversität in Deutschland“ zu werden – und „als erste deutsche Wirtschaftsuniversität auch international zu den führenden Universitäten“ zu gehören.“

Ein Hinweis darauf, dass die EBS Universität für Wirtschaft und Recht seit 2011 mit der Anklage ihres Ex-Präsidenten, ihrer teils prekären Finanzlage und ihren fragwürdigen Geschäftspraktiken vor allem negative Schlagzeilen macht? Fehlanzeige. In dem im Februar 2015 veröffentlichten Text findet man nichts davon.

So ist es auch kein Wunder, dass die Autorin nach einem entsprechendem Hinweis zwar ihren Namen löschte, der Text aber unverändert bleibt. Schließlich passt die Realität nicht so recht zum PR-Modus der Luxus-Seite.

Bei der ESMT heißt es: „Daimler, McKinsey, Allianz, Deutsche Bank und 21 weitere Großkonzerne warfen 2002 jeweils mehrere Millionen Euro in den großen Topf, mit dem eine neue Manager-Schmiede für Berlin entstehen sollte.“ Allerdings steht dort nicht, dass auch Axel Springer zu den Gründern und Stiftern gehört und im International Advisory Board vertreten ist.

Dabei gibt es bei Axel Springer eigentlich strenge Leitlinien zur journalistischen Unabhängigkeit, bei der mögliche Interessenskonflikte offen gelegt werden müssen. Aber für den Luxus-Guide gelten die offenbar generell nicht.

PS: Die Autorin hat ihre Zusammenarbeit mit „Der Welt“ (Printausgabe) bereits im Oktober 2014 beendet.

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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