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Economist: Absurdes Ranking

By on 29. Oktober 2015
© Chicago Booth

Das britische Wirtschaftsmagazin Economist hat sein neues Ranking zu Vollzeit-MBAs veröffentlicht. Ernst nehmen kann man die Rangliste nicht. Und als Orientierungshilfe für MBA-Interessenten taugt sie erst recht nicht.

Wer das neue Ranking des Economist ernst nimmt, sollte nicht in Oxford oder Cambridge studieren, sondern lieber an der Warwick Business School. Schließlich landet die Oxford Said Business School nur auf Platz 77, Cambridge auf Platz 61, die Warwick Business School dagegen auf Platz 18. Damit schneidet sie auch besser ab als die London Business School auf Platz 24.

Das ist nur eines der mehr als seltsamen Ergebnisse des neuen Economist-Rankings. Erneut gibt es enorme Aufstiege und Abstürze und damit deutliche Hinweise darauf, dass das Ranking methodisch mehr als fragwürdig ist. 24 der 100 gerankten Schulen haben Veränderungen im zweistelligen Bereich.

So steigen die IE Business School in Madrid und die britische Warwick Business School um 19 Plätze auf Rang 17 und 18 auf. Vor drei Jahren landete Warwick noch auf Platz 60. Die Henley Business School steigt 12 Plätze auf Rang 22 und das, obwohl die Schule es 2013 nicht mal in die Liste der hundert besten Schulen schaffte. Henley liegt damit vor der London Business School, Cambridge und Oxford.

Platz 1 belegt erneut die Chicago Booth School of Business, gefolgt von der Darden School of Business, die ihren Platz mit der Tuck School of Business tauschte. Harvard erreicht Platz 4, Stanford nur Platz 13 und schafft es damit nicht einmal unter die Top Ten.

Die HEC Paris belegt als beste europäische Schule Platz 5 (im Vorjahr Platz 4). INSEAD landet als zweitbeste europäische Schule auf Platz 8 (Vorjahr Platz 18). Die IESE Business School, im letzten Jahr auf Platz 5, kommt nur auf Platz 14. Das IMD sogar nur auf Platz 32 und verliert damit elf Plätze.

Beste deutsche Schule ist die die Mannheim Business School auf Platz 38. Die ESMT, im letzten Jahr auf Platz 26, stürzte auf Platz 49 ab und ist damit der größte Verlierer. Die WHU landet auf Platz 99.

Die Rotterdam School of Management büßt 19 Plätze ein und kommt nur noch auf Rang 64. Die China Europe International Business School (CEIBS), die im letzten Jahr auf Platz 84 landete, fliegt gleich ganz aus dem Ranking.

Die Rangliste setzt sich aus vier Kategorien zusammen. 35 Prozent der Bewertung macht die Öffnung neuer Karrieremöglichkeiten aus. Derselbe Anteil entfällt auf die persönliche Entwicklung und die Bildungserfahrung (Qualität der Professoren, GMAT-Wert und Diversität der Klasse), 20 Prozent macht der Gehaltsanstieg aus und 10 Prozent entfallen auf das Netzwerk-Potential.

Dabei werden einjährige mit zweijährigen MBA-Programmen verglichen. Das erklärt auch, warum unter den Top 10 acht Schulen aus den USA kommen. Denn bei zweijährigen Programmen – wie sie in den USA dominieren – gibt es ein mehrmonatiges Praktikum nach dem ersten Jahr und das verbessert die Chancen für neue Karrieremöglichkeiten deutlich mehr als dies bei einjährigen Programmen – wie sie in Europa dominieren – der Fall ist, wo für längere Praktika schlichtweg keine Zeit ist. Das gilt vor allem für Karrierewechsler, die in eine völlig andere Funktion oder Branche umsteigen wollen.

Fazit: Man kann nur jeden MBA-Interessenten davor warnen, seine Entscheidung nach dem Economist-Ranking auszurichten. Immerhin ignorieren die meisten Business Schools inzwischen das Ranking.

Rätselhaft bleibt allerdings weiterhin, warum ein renommiertes Wirtschaftsmagazin sich Jahr für Jahr erneut mit einem abstrusen MBA-Ranking blamiert.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

2 Comments

  1. Pingback: Economist-Ranking: Jenseits der Glaubwürdigkeit

  2. Mark

    15. März 2016 at 12:09

    Der Artikel ist zwar schon älter aber sicherlich noch aktuell.
    Leider beinhaltet er auch einige, aus meiner Sicht, falsche Aussagen.
    Natürlich kann oder sollte man seine Entscheidung von Rankings ausmachen, aber nicht nur. Und die Business Schools werben auch intensiv mit Ihren Rankings. Das ist auch logisch, da es den Wert der MBA’s erhöht (oder in dem Fall auch schmälern kann). Ein MBA lebt sehr stark vom Ruf der Universität und auch von deren Ranking.
    Die WBS ist nach oben gekommen, da sie eine sehr junge Uni noch ist aber auch sehr stark investiert – In ihren Ruf und auch der Qualität der Abschlüsse (Das letztere ist natürlich subjektiv). Viel wichtiger aber ist das Outcome/Investment bei einem MBA. Und bei der noch eher unbekannteren Uni Warwick bezahlt man vergleichsweise weniger, genießt aber einen sehr guten Ruf = Jobchance.
    Fazit: Die richtige Aussage wäre: Rankings vergleichen (Auch aus welchem Land das Magazin kommt) und auch andere Kennzahlen anschauen. Wer sich ernsthaft für einen MBA interessiert, der muss sich sowieso die für ihn relevanten Unis genauer anschauen.

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