China: Regierungstest für MBA-Bewerber • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

China: Regierungstest für MBA-Bewerber

By on 11. August 2016
Schwertfeger

Wer in China ein Executive MBA Programm absolvieren will, muss ab 1. Dezember ein vom Bildungsministerium vorgegebenes Examen bestehen – dazu soll offenbar auch ein Interview zur politischen Einstellung gehören. Die neue Vorgabe soll sowohl chinesische Studiengänge als auch gemeinsame Programme mit internationalen Anbietern betreffen.

Chinas Regierung macht ernst und reguliert die Zulassung für Executive MBA (EMBA) Programme. Im Kampf gegen die weit verbreitete Korruption wurden bereits 2014 hohe Beamte und Manager von Staatsunternehmen gezwungen, ihr Executive MBA Studium abzubrechen, sofern nicht nachweisen konnten, die Studiengebühren selbst bezahlt zu haben.

Denn manche Programme dienten offenbar vor allem dazu, Managern aus der Wirtschaft die Kontaktaufnahme zu einflussreichen Staatsdienern und Politikern zu ermöglichen und das Netzwerken soll zum Teil einen größeren Stellenwert gehabt haben als das akademische Studium. Regierungsbeamte hätten daher auch häufig Stipendien von den Schulen bekommen haben, um das Programm attraktiver für Manager aus Wirtschaftsunternehmen zu machen.

Damals hieß es, am stärksten seien die prestigeträchtigsten Schulen mit den teuersten Studiengebühren von der Anordnung betroffen. Dazu sollten unter anderem die Guanghua School an der Peking University und die Tsinghua School of Economics and Management gehören.

Nun geht das Bildungsministerium noch einen Schritt weiter und entzieht den Business Schools die Erlaubnis, ihre Executive MBA Teilnehmer selbst auszuwählen. Wer ein entsprechendes Studium absolvieren will, muss ein nationales Examen absolvieren und die vom Ministerium festgelegte Punktzahl erreichen. Sonst wird er disqualifiziert. Inhalte des Examens sind bisher nicht bekannt. Laut einem Report auf der chinesischen Website ThePaper.cn sollen in der Prüfung Sprach-, Mathematik- und Logik-Kenntnisse abgefragt werden, wie es bereits beim Eintrittsexamen in chinesische MBA Programme der Fall ist

Laut einem Artikel auf china.org.cn soll es auch ein Interview geben, in dem die Persönlichkeit und die Fähigkeiten sowie die politische Einstellung überprüft werden. Wer den politischen Gesinnungs-Check nicht besteht, wird für das Studium disqualifiziert. Zudem soll den Schulen verboten werden, Studenten mit schlechten Noten und geringen Anwesenheitszeiten im Klassenzimmer den MBA-Abschluss zu verleihen. Die Richtlinien sollen auch Studientrips im Ausland einbeziehen. Schulen müssen einen Prüfprozess für die Auslandsmodule etablieren und die Studientrips dürften keine Sightseeing-Touren sein.

Die neue Vorgabe soll sowohl chinesische Studiengänge als auch gemeinsame Programme mit internationalen Anbietern betreffen. Noch ist unklar, wie die neuen Richtlinien genau umgesetzt werden und ob sie auch für internationale Teilnehmer gelten.

Sollten die Regeln jedoch in Kraft treten, dürfte das erhebliche Auswirkungen auf die chinesischen Business Schools haben. Das gilt vor allem für die China Europe International Business School (CEIBS) mit Standorten in Shanghai, Peking und Shenzhen. Die Schule hat nach eigenen Angaben mit mehr als 700 Executive MBA-Teilnehmern das weltweit größte Executive MBA Programm und der chinesisch-sprachige Studiengang ist daher so etwas wie die Cash-Cow der Schule. Auch im Global Executive MBA kommen bisher rund 75 Prozent der Teilnehmer aus China. So wirbt die Schule mit dem größten Alumni-Netzwerk in China mit mehr als 16.000 Absolventen, darunter mehr als 2.000 CEOs. Zu den neuen Regulierungen will die CEIBS keinen Kommentar abgeben.

Der politische Einfluss auf die Universitäten hat sich in den letzten Jahren erheblich verstärkt. Wie sehr Peking inzwischen die Universitäten drangsaliert und dabei auch eine Rückbesinnung auf die Lehren von Marx fordert, hatte die Deutsche Universitätszeitung DUZ bereits vor einem Jahr berichtet.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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