US-Schulen: Brandbrief an Trump

Von am 21. Oktober 2019
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Dekane von 50 US-Schulen und Institutionen haben einen Brandbrief an US-Präsident Trump geschrieben, in dem sie seine Einwanderungspolitik kritisieren und die negativen Folgen für die Wirtschaft aufzeigen.

Es ist eine bisher einmalige Aktion. Die Dekane von 50 Business School und Institutionen fordern in einem Brandbrief an US-Präsident Donald Trump grundlegende Reformen der Einwanderungspolitik, die internationale Talente abschreckt und damit langfristig die Wettbewerbsfähigkeit der USA gefährdet. „Wir sind eindringlich besorgt“, schreiben die Unterzeichner. „Wir glauben nicht, dass die USA die hochqualifizierten Talente hat, die sie brauchen, noch haben wir die Kapazitäten dafür, genug Menschen in diesen Fähigkeiten zu trainieren. Ohne substanzielle Änderungen in der Vorgehensweise wird dieses Defizit an Fähigkeiten in den Schlüsselfeldern unser Wirtschaftswachstum bremsen.“

Derzeit gebe es bereits über drei Millionen offene Stellen im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik). Die Kombination von veralteten Gesetze, künstlichen regionalen und qualifikationsbezogenen Beschränkungen bei der Einwanderung und das Aufflammen von Fremdenfeindlichkeit verschlössen die Tür für hochqualifizierte Einwanderer, die die Wirtschaft benötige. Jedes Jahr weise das Land Hundertausende ab, nur weil sie nicht in der Lotterie für H-1B Visa gewonnen haben.

Erstmals in den vergangenen drei Jahren gebe es einen Rückgang der ausländischen Studenten an Universitäten und Business Schools. In der Tat sind die Bewerberzahlen an amerikanischen Business Schools teils dramatisch gesunken und treffen inzwischen auch die Topschulen.

Zu den Unterstützer einer besseren Immigrationspolitik gehören unter anderem die Dekane von Stanford, Columbia, Yale, Cornell, Tuck, UCLA, Michigan, Indiana University und der University of North Carolina. Wer fehlt, sind die Leiter der beiden wohl einflussreichsten Schulen, der Harvard Business School (HBS) und der Wharton School. Beide Dekane, Nitin Nohria von Harvard und Geoffrey Garrett von Wharton, sind selbst Immigranten aus Indien und Australien.

An der Spitze der Aktion steht Bill Boulding, Dekan der Fuqua School of Business an der Duke University und Vorsitzender des Graduate Management Admission Council. Längst hätten etliche akademische Studien gezeigt, wie wichtig Einwanderer sind, sagte Boulding gegenüber dem MBA-Portal Poets & Quants. So seien mehr als 40 Prozent der Fortune-500-Unternehmen von Einwanderern oder ihren Kindern gegründet worden ebenso wie mehr als die Hälfte der Unicorn-Start-ups (mit einem Marktwert von über einer Milliarde Dollar). In mehr als 80 Prozent dieser Start-ups hätten Einwanderer Schlüsselpositionen im Management oder in der Produktentwicklung.

Laut einer Studie der Brookings Institution stellen Migranten 15 Prozent der amerikanischen Belegschaft und rund ein Viertel der Unternehmer und Erfinder. Seit 2000 komme zudem rund ein Drittel der amerikanischen Nobelpreisträger in Chemie, Medizin und Physik aus dem Ausland.

Die Unterzeichner fordern unter anderem eine Reform der H-1B Visa und die Aufhebung der Beschränkungen der Visazahlen „pro Land“ und bei Jobs, bei denen es nicht genug Bewerber gibt. Neben dem Brandbrief haben sie ein 32-seitiges White Paper verfasst und eine ganzseitige Anzeige im Wall Street Journal geschaltet.

Der Brief ist an Präsident Donald Trump, Vizepräsident Michael Pence und die vier Topleader im Senat und Repräsentantenhaus adressiert.

In dem aufgeheizten politischen Klima in den USA ist die Aktion für die Schulen nicht ohne Risiko. Vor allem aber dürfte US-Präsident Trump mit dem sich zuspitzenden Amtsenthebungsverfahren derzeit andere Prioritäten haben.

 

 

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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