Fragwürdiges Ranking: Züricher Kuckucksei

Von am 3. Oktober 2021
Zurich Elite Business School Screenshot www.zebs.ch

Ein Ranking der puls Marktforschung kürt die angeblich 20 besten europäischen Business Schools, darunter die weitgehend unbekannte und fragwürdige Zurich Elite Business School.

Beim ersten Blick auf das Ranking von „namhaften europäischen Business Schools“, das die puls Marktforschung in Schwaig bei Nürnberg präsentiert, erscheint die Rangliste einfach nur als eine weitere der unzähligen Ranglisten. Zwar stehen mit der London Business School, Cambridge Judge School of Business und der IESE Business School drei Topschulen an der Spitze und auch die restlichen Schulen gehören durchaus zu den renommierten MBA-Anbietern. Nur eine Schule fällt aus dem Rahmen: Auf Platz 8 – und damit fünf Plätze besser als die Mannheim Business School – steht die Zurich Elite Business School (ZEBS)

MBA Journal hatte bereits mehrmals über die seltsamen Praktiken der Schule berichtet. Gründer und Präsident der nicht anerkannten Schweizer Hochschule ist Adonis-Emmanouil Fragkakis, der sich auf seinem Linkedin-Profil alsEntrepreneur & Investor in Education, Fintech/Financial and Tech Industries“ bezeichnet.

Bei dem fragwürdigen Ranking gibt es nur zwei Kriterien: das durchschnittliche Gehalt der Absolventen und die Beschäftigungsquote nach dem Abschluss, jeweils von 2017 bis 2019. Diese beiden Kriterien wurden dann „ungewichtet zu einem Index verdichtet“. Die Informationen habe man telefonisch bzw. per E-Mail direkt bei den Hochschulen erfragt bzw. über eine Sekundärrecherche bei anderen Medien ermittelt, schreibt die puls Marktforschung.

Mit einer Beschäftigungsquote von 100 Prozent schneidet die Zurich Elite Business School dabei am besten ab. Verwunderlich scheint das nicht. In einem Advertorial im Tagesspiegel vom 4. April 2017, also einer gekauften Anzeige, die wie ein redaktioneller Text aussieht, schreibt Daniel Sülberg, Dipl. Ing. (Luft- und Raumfahrt, Uni Stuttgart) und ZEBS Alumnus, dass „man beim IMP-MBA Programm der Zurich Elite Business School als vollwertiger Mitarbeiter bei einem Unternehmen angestellt ist.“ Zudem heißt es auf der ZEBS-Website: „Admission requirements are very high, and enrollment is limited to 8-10 openings per year.“ Das zeigt die ganze Absurdität des Rankings. Maximal zehn Studenten der ZEBS pro Jahr, die angeblich sowieso schon bei einem Unternehmen angestellt sind, werden mit den teils mehreren Hundert Job suchenden Absolventen anderer Schulen verglichen.

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Bleibt die Frage: Warum macht die puls Marktforschung, die bisher vor allem im Automobilbereich tätig war, plötzlich ein MBA-Ranking? Und wie kommt sie dazu, die in der MBA-Szene weitgehend unbekannte Zurich Elite Business School zu berücksichtigen? Wurde das Ranking von der Schule oder von dem ZEBS-Präsidenten Adonis Emmanouil Fragkakis bestellt und bezahlt? „Das Ranking wurde nicht durch eine School in Auftrag gegeben oder bezahlt“, antwortet Dirk Pfeffer, Partner bei der puls Marktforschung. Und auch Fragkakis lässt über seine Schweizer Anwältin ausrichten: „Mein Mandant hat keinen Auftrag für das Ranking erteilt und demzufolge auch kein solches bezahlt.“

Auffallend ist, dass es 2018 bereits ein ähnliches Ranking mit denselben Kriterien von der Hopp Marktforschung in Berlin gab. Damals wurden 25 Schulen gerankt und die ZEBS lag europaweit auf Platz 4. Auf die Frage, ob das MBA-Ranking von 2018 von der ZEBS oder Herrn Fragkakis beauftragt und bezahlt wurde, schweigt die Hopp Marktforschung. Dort scheint man sein Rankingangebot inzwischen ausgeweitet zu haben. So hat Hopp vor kurzem ein Ranking der „Top 10 Business and Technology Schools in North America“ veröffentlicht mit äußerst seltsamen Ergebnissen.

Bei der ZEBS handelt es sich nicht um eine anerkannte Hochschule. Stutzig macht bereits ein Blick auf das „Scientific Academic Board“. „Chairman“ ist „Mag. Dr. Prof. em. Elisabeth Fintl. Professor em. of Political Education, History and German Literature at the Innsbruck University of Teacher Education“. Laut ihrem Linkedin-Profil war sie von September 2003 bis September 2018 Dozentin an der Pädagogischen Hochschule Tirol und ist längst pensioniert. Ebenfalls im „Scientific Advisory Board“ ist Frank Reuter, der dort alsProfessor of Health Care & Insurance Management, Reuter Consulting, CEO“ bezeichnet wird. Laut seinem Linkedin-Profil ist er weder Professor noch promoviert und hat lediglich einen Abschluss als Diplom-Betriebswirt einer Berufsakademie und von seiner Tätigkeit an der ZEBS steht dort nichts.

Screenshot: zebs.ch

Ein langjähriger ZEBS-Mitarbeiter ist Jürgen Schulze, Professor für Wirtschaftsrecht an der ESB Reutlingen. Er war bereits 2005 dort tätig, als die ZEBS wegen ihrer irreführenden Werbung auffiel und damals von dem innovativen Angebot sehr angetan.

ZEBS-Präsident Fragkakis selbst fungiert als Prof.-Ing. Die Frage, an welcher Hochschule er offenbar ohne Promotion zum Professor ernannt wurde oder ob er sich den Titel selbst zugelegt hat, beantwortete er nicht. Und weil Herrn „Prof-Ing“ die alten Artikel auf MBA Journal stören, schaltete er 2019 die fragwürdige Agentur Ealixir ein, die dafür sorgen sollte, dass die Artikel gelöscht werden. Die nervte nicht nur monatelang mit Emails, sondern schickte sogar eine Kopie seines Personalausweises sowie den Vertrag, den Fragkakis mit der Agentur abgeschlossen hatte, inklusive der fünfstelligen Summe, die er für ihre Dienste zahlen sollte. Die alten Artikel findet man hier, hier und hier

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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