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EBS: Neuer Präsident mit fragwürdiger Vergangenheit

Von am 11. Oktober 2013

Die seit 2011 in Skandale verwickelte EBS Universität für Wirtschaft und Recht hat nach sieben Monaten mit Rolf Wolff endlich einen neuen Präsidenten und CEO gefunden. Bis Mai 2013 war er Präsident der renommierten Stockholm School of Economics. Dann musste er gehen, weil sich Schule um ihren Ruf sorgte. Wolff hatte einen wegen Insiderhandel verurteilten Manager zum Leiter der Executive Education rekrutiert und auch sein Lebenslauf warf Fragen auf.

Seit sieben Monaten suchte die EBS einen neuen Präsidenten als Nachfolger für den im Februar zurückgetretenen Rolf Cremer. Nun ist man endlich fündig geworden. „Professor Dr. Rolf Wolff wird mit sofortiger Wirkung neuer Präsident und Geschäftsführer der EBS Universität für Wirtschaft und Recht in Wiesbaden“, verkündete die EBS stolz. Der Senat der Universität habe den 60-Jährigen einstimmig auf fünf Jahre zum Präsidenten gewählt. Der Aufsichtsrat habe den international renommierten Hochschul-Manager zudem zum Geschäftsführer und CEO bestellt.

Seit 2011 leidet die EBS unter ständig neuen Enthüllungen. Da ist nicht nur der Untreue-Prozess gegen ihren ehemaligen Präsidenten Christopher Jahns, sondern auch der Untersuchungsausschuss, der klären soll, ob die rund 24 Millionen Euro Fördergelder, die die EBS Business School für den Aufbau ihrer neuen juristischen Fakultät und damit auch für den Aufstieg zur Universität bekommen hat, auch zweckmäßig verwendet wurden.

Erst vor kurzem belasteten Zeugen dabei nicht nur den ehemaligen EBS-Präsidenten Christopher Jahns, sondern auch den CDU-Politiker und stellvertretenden EBS-Aufsichtsratsvorsitzenden Walter Arnold schwer und gaben Hinweise auf einen möglichen Subventionsbetrug. Trotz Fördergeldern von rund 24 Millionen Euro hat die Schule massive Finanzprobleme und zudem begannen deutlich weniger neue Studenten als geplant – trotz doppelter Abiturjahrgänge in Hessen.

Eine wahrlich ungemütliche Situation für einen neuen Präsidenten. „Professor Wolff verfügt mit seinem außerordentlichen internationalen Renommee über ideale Voraussetzungen für seine zukünftige Aufgaben bei der EBS“, erklärte Robert J. Koehler, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes und des Aufsichtsrates der EBS Universität, der auch die Findungskommission leitete: „Er hat in Göteborg über zehn Jahre trotz schwierigen Bedingungen eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte geschrieben und eine extrem wertvolle Erfahrung und Restrukturierungskompetenz erworben, die er auch als Berater für renommierte Universitäten bewiesen hat“, so der Vorstandsvorsitzende der SGL Carbon SE.

Da fragt man sich: Hat sich Herr Koehler vorher nicht über die Vergangenheit von Wolff informiert? Oder ist er so naiv und glaubt er, das sowieso niemand recherchiert? Zumindest bei der FAZ, die sich gern als Inbegriff des Qualitätsjournalismus sieht, ist die Rechnung aufgegangen. Die schreibt: „Der neue Präsident Rolf Wolff war zuletzt Präsident der Stockholm School of Economics, hatte das Amt jedoch im Mai niedergelegt. Den Grund für den unfreiwilligen Abgang verschweigt sie.

Wolff musste im Mai 2013 seinen Job als Präsident der Stockholm School of Economics aufgeben, weil die Schule um ihren Ruf fürchtete. Wolff hatte kurz nach seinem Amtsantritt im Juli 2012 den wegen Insiderhandels in Griechenland zu einer Geldstrafe in Höhe von 350.000 Euro verurteilten Harvard-MBA und Ex-McKinsey-Berater Justin Jenk zum Dean für Executive Education ernannt. Zudem war die griechische Firma, deren CEO Jenk war, offenbar wegen Verstoß gegen das EU-Wettbewerbsrecht zu einer Strafe in Millionenhöhe verurteilt worden. Das hatte die schwedische Tageszeitung Dagens Indusrtri (DI) im April 2013 enthüllt. Wolff, der angeblich mit Jenk befreundet war, hat dabei – so zumindest berichtet die schwedische Presse – wohl von der Verurteilung gewusst, sie aber gegenüber dem Aufsichtsrat der Schule verschwiegen.

Der Aufsichtsrat der Schule setzte daraufhin externe Prüfer ein, Jenk musste sofort gehen. Auch er müsse Verantwortung für die Situation übernehmen, sagte Wolff damals. Der Rekrutierungsprozess sei nicht mit der notwendigen Sorgfalt ausgeführt worden.

Doch das ist noch nicht alles. Auch sein Lebenslauf warf Zweifel an seinen akademischen Abschlüssen auf. So änderte er offenbar seinen Lebenslauf dreimal. In der ersten Version gab er an, seinen Doktortitel an der Universität Göteborg erworben zu haben, was die Universität bestritt. Richtig ist wohl, dass 1981 an der bergischen Universität in Wuppertal zum Thema „Der Prozess des Organisierens. Zu einer Theorie des organisationalen Lernens“ promoviert hat. Auf der Finanzwebsite Realtid kann man die verschiedenen Versionen nachlesen.

Aufgrund des geringen Vertrauens in die Präsidentschaft von Rolf Wolff und dem Wunsch, die Integrität der Schule aufrechtzuerhalten, so die schwedische Presse, musste er bereits im Mai – und damit noch nicht einmal ein Jahr nach seinem Antritt – gehen. Die Schule zahlte ihm 18 Monatsgehälter, rund 360.000 Euro. Das deutet zumindest daraufhin, dass noch mehr im Argen lag. Gegenüber dem Wiesbadener Kurier wiegelt Wolff den Vorgang ab. Letztlich habe er wegen der mangelnden Unterstützung seitens des Aufsichtsrates sein Amt niedergelegt. Der Fall Jenk sei nur vordergründig für seinen Rücktritt verantwortlich gewesen. Sehr glaubwürdig klingt das nicht.

Während die Stockholm School of Economics Wolff also vor die Tür gesetzt hat, um ihren Ruf nicht zu gefährden, holt ihn die von Krisen und Skandalen erschütterte EBS nun als neuen Präsidenten und verschweigt seine fragwürdige Vergangenheit. Aber irgendwie ist das auch wieder konsequent. Schließlich war Transparenz noch nie eine bei der EBS gepflegte Tugend.

Der neue Präsident brilliert dann auch gleich mit bemerkenswerten Vorschlägen. Laut einem Bericht auf Echo-Online setzt er weiter auf öffentliche Gelder für EBS. Nach seinen Erfahrungen mit privaten Hochschulen in Skandinavien glaube er an ein Mischmodell aus eigenen Einnahmen, Drittmitteln und staatlicher Förderung.

Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen. Eine seit Jahren finanziell angeschlagene private Business School ergaunert sich mit allerlei Tricks und dank guter politischen Beziehungen knapp 24 Millionen Euro Steuergelder, gibt diese zumindest zum Teil zweckentfremdet dafür aus, um ihre Finanzlöcher zu stopfen. Trotzdem ist sie vier Jahre später schon wieder pleite, kann nur dank Bankkrediten überleben und seit Mai nicht mehr mal ihre Miete zahlen.

Nun verpflichtet sie einen neuen Präsidenten mit fragwürdiger Vergangenheit und der fordert als erstes weitere öffentliche Gelder. Doch dem nicht genug. Dem Wiesbadener Kurier erklärt Wolff auch noch allen Ernstes, dass die Finanzprobleme der EBS gar „nicht so gravierend“ sind.

 

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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