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Wharton: Essays statt Referenzschreiben

By on 3. August 2017
Wharton Wharton School

Wer sich für ein MBA-Studium bewirbt, muss in der Regel Empfehlungsschreiben von seinem ehemaligen oder aktuellen Chef vorlegen. An der Wharton School müssen diese künftig sogar zwei Essays über den MBA-Bewerber verfassen und seine Persönlichkeit beschreiben.

Schon bisher war es für viele MBA-Interessenten nicht einfach, Referenzgeber zu finden, die aussagekräftige Empfehlungen über ihre beruflichen Leistungen schreiben. Nicht selten haben die Bewerber daher das Schreiben selbst verfasst oder wurden dazu von ihrem Referenzgeber aufgefordert. Nun legt die Wharton School noch eins drauf.

So müssen die Empfehler nicht nur drei von zehn positiven Persönlichkeitsmerkmalen aus einer Liste auswählen, die den Bewerber am besten beschreiben, sie müssen auch noch zwei Essays mit je 300 Worten zu folgenden Fragen verfassen: Beschreiben Sie anhand von Beispielen, warum Sie glauben, dass der Kandidat in der MBA-Klasse erfolgreich sein wird. Und: Geben Sie Beispiele, warum Sie glauben, dass der Kandidat in seiner Karriere erfolgreich sein wird.

Damit wolle man ein besseres Verständnis über den Charakter des Bewerbers und seine Wirkung auf andere in seiner Laufbahn haben, schreibt Maryellen Reilly, Deputy Vice Dean of MBA Admissions an der Wharton School. Dafür habe man mehr als 1.200 Verfasser von Empfehlungsschreiben zu ihrer Erfahrung befragt sowie Gespräche mit Referenzgebern in verschiedenen Unternehmen und Wharton Stakeholdern geführt.

Ob das der richtige Weg ist, erscheint allerdings mehr als fraglich. Die Aussagekraft von drei aus seiner Liste ausgewählten Persönlichkeitsmerkmalen, die jeder naturgemäß etwas anders definiert, darf bezweifelt werden. Und welcher Vorgesetzte setzt sich schon hin und schreibt zwei Essays über seinen Mitarbeiter, der das Unternehmen verlässt, um ein zweijähriges MBA-Studium zu beginnen?

So verständlich der Wunsch nach mehr Informationen zur Persönlichkeit eines Kandidaten ist, so wenig nachvollziehbar sind die Methoden der Business School. Schließlich gäbe es dafür auch valide, berufsbezogene Persönlichkeitstests.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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