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MBA-Bewerber: US-Schulen leiden unter Trump-Effekt

By on 21. September 2017
Donald Trump Wikimedia - Michael Vadon Donald Trump

Die Zahl der internationalen Bewerber an US-Schulen hat erheblich abgenommen. Gewinner sind vor allem die kanadischen Schulen. Das zeigt die neue Studie „Application Trends“ des Graduate Management Admission Council (GMAC).

MBA-Programme in Kanada und Europa berichten laut einer neuen GMAC-Studie fast doppelt so oft von einer Zunahme internationaler Bewerber wie US-Schulen. Quer durch alle Programm-Typen vermelden nur 32 Prozent der US-Schulen mehr internationale Bewerbern. 2016 waren es noch 49 Prozent.

Dagegen verzeichnen 77 Prozent der kanadischen Programme mehr internationale Bewerber. Im Vorjahr waren es erst 46 Prozent. Geringer ist der Anstieg bei den europäischen Programmen. Hier gibt es bei 67 Prozent steigende Zahlen. Im Vorjahr waren es 65 Prozent. Der Brexit hat sich dagegen offenbar noch nicht ausgewirkt. So verzeichnen rund zwei Drittel der britischen Schulen mehr internationale Bewerber.

Insgesamt zeigt der Report, dass 57 Prozent der Bewerbungen in den USA von internationalen Kandidaten kommen. In Kanada sind es 70 Prozent, in Europa sogar 89 Prozent, in Ostasien und Südostasien 20 Prozent und in Indien weniger als ein Prozent.

Vor allem die großen und bekannten US-Programme können jedoch stattdessen auf amerikanische Interessenten setzen. 69 Prozent der Programme mit Klassengrößen von mehr als 200 Studenten melden mehr US-Bewerbungen, während nur 38 Prozent der großen Programme mehr internationale Bewerber haben.

Überhaupt scheinen die großen Programme beliebter zu sein. Während fast drei Viertel (73 Prozent) mehr Bewerbungen verzeichnen, sind es bei den kleinen Programmen mit bis zu 50 Studienplätzen nur 39 Prozent.

Grafik Application Trends

Die GMAC-Studie wurde im Juni und Juli durchgeführt. Mitgemacht haben 351 Business Schools in 40 Ländern mit 965 Graduate-Management-Programmen, also MBA, Business Master und Doktoranden-Programme. Wie immer bei GMAC-Umfragen stammt die Mehrheit der Daten von US-Programmen. 227 US-Programmen standen dabei 43 Programme aus Europa und 17 aus Kanada gegenüber.

Bereits im März hatte eine Umfrage der American Association of Collegiate Registrars and Admissions Officers bei 250 Colleges und Universitäten gezeigt, dass fast 40 Prozent der Schulen eine Abnahme von internationalen Bewerbern vermelden. Den größten Rückgang gab es bei Studenten aus dem Nahen Osten, aber auch aus China und Indien kamen weniger Bewerber.

Bei einer ebenfalls im Frühjahr durchgeführten Studie der MBA-Beraterin Stacy Blackman waren mehr als 80 Prozent der 755 befragten MBA-Interessenten der Meinung, dass Trump’s Einwanderungspolitik die Diversität an den US-Schulen verringern wird. 80,3 Prozent glauben, dass die geringere Diversität negativ für die Ausbildung ist.

Im Vergleich zu den europäischen Topschulen schnitten die US-Schulen in punkto Internationalität schon bisher deutlich schlechter ab, auch wenn einige Schulen in den letzten Jahren etwas aufgeholt hatten. Das dürfte sich nun wieder ändern. Gleichzeitig beginnen immer mehr Amerikaner ihr MBA-Studium in Europa und an einigen Topschulen stellen sie inzwischen bereits die größte Gruppe unter den internationalen Studenten.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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