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Fernhochschulen bieten MBA ohne Abitur

Von am 13. März 2012

Die Abwertung des MBA-Abschlusses in Deutschland schreitet weiter voran. Forciert wird das vor allem durch die Fernhochschulen, wo man inzwischen nicht mehr einmal Abitur braucht, um zu einem Master- oder MBA-Studium zugelassen zu werden. Deutsche Personalmanager finden das angeblich gut.

Eigentlich ist der MBA ein Postgraduate-Studiengang und setzt daher ein abgeschlossenes Erststudium voraus. Nur in Ausnahmefällen lassen gute Business Schools auch Teilnehmer zu, die zwar über langjährige Berufs- und Führungserfahrung verfügen, aber keinen Studienabschluss haben. Gute MBA-Schulen wissen auch: Je besser die Studenten desto mehr profitieren sie voneinander. Ihre Auswahlkriterien sind daher streng, gute akademische Leistungen ein Muss. Damit bleibt ihre Zielgruppe natürlich beschränkt.

Das haben die Fernhochschulen erkannt und verkünden daher stolz, dass man bei ihnen auch ohne Abitur ein MBA-Studium absolvieren kann. Damit steigt schließlich die Zahl der potentiellen Kunden. Im Vergleich zu guten MBA-Schulen sind ihre Aufnahmekriterien oftmals eher ein Witz. So spielt der Schulabschluss bei der Euro-FH bei der Zulassung zum Master-Studium keine Rolle, eine Berufsausbildung genügt. Das ist natürlich nicht verboten, der Reputation des MBA-Abschlusses dient es jedoch nicht.

Die Öffnung der Hochschulen ist politisch gewünscht. Das neue Zugangsmodell ermögliche es, so Argumentation der Fernhochschulen, besser auf den Fachkräftemangel zu reagieren. Personalverantwortliche in deutschen Unternehmen finden die Herabsetzung der Zulassungskriterien angeblich gut. Glaubt man einer nach eigenen Angaben repräsentativen forsa-Studie im Auftrag der Euro-FH, dann sind 55 Prozent der 301 befragten Personalentscheider davon überzeugt, dass ein gutes Master-Programm grundsätzlich gute Absolventen hervorbringt – unabhängig von einer akademischen Vorbildung.

Ganz abgesehen davon, dass die Ergebnisse der von der Euro-FH in Auftrag gegebenen zahlreichen forsa-Studien stets zu positiven Ergebnissen für das Angebot der Fernuni führen, stellt sich die Frage: Wie gut kann ein Master-Studium sein, das generell – und nicht nur in Ausnamefällen – auf eine akademische Vorbildung verzichtet? Wird der MBA damit nicht zum besseren Weiterbildungskurs mit MBA-Titel? Wie anspruchsvoll kann ein Studium an der Hamburger Fern-Hochschule sein, die damit wirbt: „Das Fernstudium an der HFH ist ein günstiges MBA-Programm mit unkompliziertem Bewerbungsverfahren und sehr hoher Aufnahmewahrscheinlichkeit“ – auch wenn man dort bisher wenigstens noch ein Erststudium braucht.

Hochschulen setzten oft einen MBA-Titel vor Programme, die man auch „als Berufstätigenweiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer“ anbieten könne, kritisierte vor kurzem Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger. „Das hat nichts mit dem artikulierten wissenschaftlichen MBA-Anspruch zu tun, ist also Lachnummer und Rosstäuscherei.“ Man müsse daher klar unterscheiden zwischen „Business Schools mit Weltklasse-Dozenten und Talentmagnetismus einerseits und den McDonald’s-MBAs der deutschsprachigen Hochschulszene“.

Ein Video zum Schmunzeln:

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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