EBS: Ist Präsident Jahns noch zu halten?

EBS: Ist Präsident Jahns noch zu halten?

Von am 30. Januar 2011

Der Verdacht, dass EBS-Präsident Christopher Jahns seine Hochschul-Aktivitäten mit seinen Privat-Geschäften vermischt hat, erhärtet sich. Das legt zumindest eine Rechnung nahe, die die BILD-Zeitung in Frankfurt am Freitag abdruckte. Insgesamt ist Jahns an 17 Firmen mit teils verwirrend ähnlichen Bezeichnungen beteiligt, die wiederum zum Teil in enger Verbindung mit der Hochschule stehen. Und es gibt weitere offene Fragen.

Die Rechnung, die der BILD-Zeitung vorliegt, zeigt das Logo „Supply Chain Management Institute“ der EBS. Unmittelbar darunter befindet sich die Anschrift „Supply Management Institute SMI International AG“ mit Sitz in St.Gallen – eine der Schweizer Firmen, an der Jahns beteiligt ist. „Die Jahns-Firma gibt sich als das Uni-Institut aus, streicht das Geld aber selbst ein“, schreibt BILD.


Doch auch zu den Tätigkeiten seiner engen Mitarbeiterin Nicole Gaiziunas gibt es einige Fragen. Denn die 33jährige, die mit Jahns auch privat liiert sein soll, ist nicht nur Geschäftsführerin der EBS Executive Education GmbH, sondern auch Geschäftsführerin Executive Education des SMI Instituts der EBS und alleinige Geschäftsführerin der SMI Campus GmbH in Wiesbaden. Die SMI Campus GmbH – eine Tochterfirma der SMI Campus AG in St.Gallen, deren Präsident wiederum Jahns ist – führt als lizenzierter Dienstleistungspartner die Executive Education für das SMI Institut der EBS durch. Im Klartext bedeutet die Konstruktion wohl: Frau Gaiziumas vergibt Aufträge an die Tochterfirma von Jahns Firma.

Dabei arbeitet das SMI Institut der EBS mit rund 60 Unternehmen wie der Deutschen Post und Airbus zusammen, konzipiert mit ihnen gemeinsam interne Weiterbildungsprogramme und baut Corporate Universities auf. Dafür zahlen die Unternehmen 300 000 bis 500 000 Euros, wie Gaiziunas in einem Video erklärt. Das allein wäre ein Umsatz von mindestens 18 Millionen Euro.

Um unter anderem diese fragwürdige Konstruktion zu klären, hatte Jahns für Donnerstag ein Telefon-Interview zugesagt, dass er jedoch platzen ließ. Begründung der Pressestelle: Nach dem Blog-Beitrag vom Mittwoch sieht „man keine Veranlassung“ für ein Gespräch mehr. Auch eine weitere Gelegenheit zur Stellungnahme nahm der EBS-Präsident nicht wahr.

Während nach den ersten Enthüllungen des Magazins „Der Spiegel“ am Montag bei vielen EBS-Mitarbeitern Fassungslosigkeit herrschte, reiste EBS-Präsident Jahns unbeirrt zum Weltwirtschaftsforum in Davos. Dort müssten sie ihn als Young Global Leader eigentlich vom Hof gejagt haben. Denn statt für eine neue verantwortungsvolle Managerelite scheint Jahns wohl eher für den skrupellosen und raffgierigen Managertyp zu stehen, gegen den er selbst nun das „Davoser Gelöbnis“ setzen möchte. „Ehrlichkeit, Verlässlichkeit, Transparenz und vor allen Dingen Anstand, das sind Themen, die den ehrbaren Kaufmann ausgemacht haben. Diese Tugenden sind vor und in der Finanzkrise über Bord geworfen worden“, erklärt Jahns in einem Video der EBS. Deshalb entwickle er gemeinsam mit den Young Global Leaders einen hippokratischen Eid für Manager. Die junge Dame, die in dem Video den ersten Teil des Manager-Eids spricht, dürfte übrigens Nicole Gaiziunas sein.

Noch deckt zumindest der Aufsichtsrat – wie erwartet – Jahns fragwürdige Aktivitäten und weist alle Vorwürfe zurück. „Diese haben sich ohne Ausnahme als haltlos erwiesen“, sagte EBS-Sprecherin Angela Kunwald am Freitagnachmittag der Nachrichtenagentur dpa.

Man darf gespannt sein, wie es weiter geht. Vielleicht wird der Fall Jahns eines Tages ja sogar zum Lehrstoff für künftige MBA-Studenten. Schließlich hat das neu gegründete Center of Responsible Economy (CORE) – das Herzstück der neuen EBS Universität für Wirtschaft und Recht i.Gr. – bereits das Curriculum „Lifelines“ organisiert, bei dem sich MBA-Studenten in Diskussionen mit Young Global Leaders kritisch mit ihren eigenen Denkmustern und Handeln auseinandersetzen sollen. Und im Modul “Leading Responsibly” sollen sie über konfliktäre Ziele wie kurzfristiger „Gewinn“ vs. langfristige „Nachhaltigkeit“ diskutieren und für die daraus entstehenden Konfliktsituationen sensibilisiert werden. Was wäre da besser geeignet als das Beispiel Christopher Jahns?

Video über „Davoser Gelöbnis“:

About Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

4 Comments

  1. Marco

    31. Januar 2011 at 8:59

    Klare Antwort auf die Frage in der Überschrift: Nein!

    • Sabine

      3. Februar 2011 at 11:59

      Wer Hr. Jahns aus der Zusammenarbeit kennt, weiß welch ein begabter Selbstdarsteller er ist. Sein Engagement in Davos steht im Gegensatz zur Nutzung der EBS für seine persönlich Bereichung. Der Spiegel hat nur einen Teil der spannenden Verquickungen zwischen Politik, EBS, Brain Net aufgedeckt. Sicherlich würde der Rechnungshof interessante Erkenntnisse gewinnen, wenn die Verwendung der öffentlichen Zuschüsse des letzten Jahres en detail geprüft würde.

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