EBS: Cremer wird neuer Präsident • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

EBS: Cremer wird neuer Präsident

By on 20. April 2011

Der ehemalige Dean der China Europe International Business School (Ceibs) in Shang-
hai, Rolf Cremer, wird neuer Präsident der EBS Universität in Gründung. Cremer soll
sein Amt am 1.Juni antreten. Dann will der Aufsichtsrat ihn auch zum CEO der Hoch-
schule bestellen. Erst am 7.April hatte die EBS ihren bisherigen Präsidenten Chris-
topher Jahns gefeuert, nachdem sich der Verdacht wegen Untreue erhärtet hatte und
gegen den 41jährigen ein Haftbefehl erlassen wurde.

Am 7.April hatte der Aufsichtsrat der EBS den bisherigen Präsidenten Christopher Jahns
fristlos gefeuert und sein Dienstverhältnis mit der EBS aufgelöst. Grund war der drin-
gende Tatverdacht der Untreue. Seit 4.April besteht ein Haftbefehl gegen Jahns, der
nur gegen strenge Auflagen weiter auf freiem Fuß ist. Jahns hat die Vorwürfe bisher
bestritten.

Am 8.April gab der Vorstand der Stiftung zur Förderung der European Business School
bekannt, dass er die Beschlüsse und Entscheidungen des EBS Aufsichtsrates hinsicht-
lich der Abberufung von Jahns und der Auflösung seines Dienstverhältnisses mit der
EBS unterstützt. Nun solle eine Findungskommission dem Senat einen Kandidaten für das
Präsidentenamt vorschlagen. Vorsitzender der Findungskommission ist Karlheinz Hornung,
der auch im Aufsichtsrat sitzt und als langjähriger Vertrauter von Jahns gilt.

Die Installierung der Findungskommission diente wohl vor allem der Erfüllung der Hoch-
schulsatzung. Denn einen weiteren Kandidaten neben Cremer hat man wohl kaum gesucht.
Dazu fehlte auch die Zeit. Cremer hatte bereits Ende vergangenen Jahres auf Wunsch
von Jahns einen Vertrag mit der EBS unterschrieben und sollte ab September 2011 als
Mitglied der Geschäftsführung und Rektor die neue EBS Universität für Wirtschaft und
Recht i.Gr gemeinsam mit ihm in einer Doppelspitze führen.

Auf Cremer warten erhebliche Aufräumarbeiten. Denn mit dem Rauswurf von Jahns ist das
System Jahns – vor allem im Bereich Executive Eduaction – noch lange nicht beseitigt
und die Mitarbeiter sollen nach wie vor gespalten sein in Jahns-Anhänger und Gegner.
Die monatelange Affäre hat zudem das Klima vergiftet.

Dazu kommt der mit erheblichen öffentlichen Mitteln geförderte Ausbau zur Universität
mit einer juristischen Fakultät in Wiesbaden. Nach dem Haftbefehl gegen Jahns sind
auch im Landtag die politischen Diskussionen neu entbrannt, warum man rund 35 Milli-
onen Euro öffentliche Gelder in eine Privatuniversität steckt und gleichzeitig die
Mittel für öffentliche Hochschulen um 30 Millionen Euro jährlich kürzt. Ob Cremer
dafür der geeignete Mann ist, sehen Insider skeptisch. Denn seine bisherige akademi-
sche Karriere hat er vor allem im Ausland verbracht. Er verfügt daher weder über die
notwendigen Einblicke in die politischen Machtspiele noch ist er in der politischen
Szene verankert.

Auch mit der Governance der Hochschule hapert es gewaltig. In der Kritik stehen dabei
auch die engen Verflechtungen von Stiftungsvorstand und Aufsichtsrat. So hat sich
Jahns bis zum Schluss auf den Aufsichtsrat berufen, der alle seine Aktionen geprüft
und für korrekt befunden hatte. Bei der Staatsanwaltschaft liegt daher auch eine
Strafanzeige wegen Verdachts der Beihilfe vor. Man müsse erst einmal die Ermittlungen
bei der Haupttat abschließen, erklärt Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse. Erst dann könne
man über den Verdacht der Beihilfe urteilen. „Die Anzeige verschwinde aber nicht, der
muss schon nachgegangen werden“, so Ferse. Immerhin hat man das Problem bei der EBS
schon erkannt und angekündigt, eine Kommission zur Überprüfung, Überarbeitung und
Weiterentwicklung von Corporate Governance und Compliance der EBS einzusetzen.

Inzwischen liefen die Ermittlungen gegen Jahns weiter auf Hochtouren, so Ferse. Bis-
her bestehe der dringende Verdacht der Veruntreuung von 180.000 Euro. So liegen der
Staatsanwaltschaft vier Rechnungen über jeweils rund 45.000 Euro vor, die von der EBS
an die Firmengruppe Brainnet geflossen sind, an der Jahns beteiligt ist. Dabei könne
es durchaus auch sein, dass darin auch öffentliche Gelder enthalten sind, so Ferse.
Zudem gebe es Zeugenaussagen, dass noch mehr Geld veruntreut wurde. Allerdings wisse
man noch nicht, ob das auch wirklich zutrifft.

Bis Anklage erhoben wird, könne es noch einige Zeit dauern. So müssten nicht nur die
bei den Hausdurchsuchungen Materialien durchgearbeitet werden, es würden auch noch
weitere Zeugen verhört und auch Jahns selbst sei noch nicht angehört worden. Der Haft
befehl gegen Jahns bestehe nach wie vor. Der ehemalige EBS-Präsident muss sich zwei-
mal in der Woche persönlich bei der Polizei melden.

www.mba-journal.de/?p=741
www.mba-journal.de/?p=688
www.mba-journal.de/?p=648
www.mba-journal.de/?p=606

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

Kommentar verfassen