Die EBS als Selbstbedienungsladen für EBS-Präsident Jahns? • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

Die EBS als Selbstbedienungsladen für EBS-Präsident Jahns?

By on 3. Februar 2011

Seit „Der Spiegel“ am 24.Januar dem EBS-Präsidenten Christopher Jahns vorwarf, seine Tätigkeit als Hochschulpräsident mit privaten Geschäftsinteressen zu vermischen – zum Beispiel durch Auftragsvergabe an eines der 17 Beratungsunternehmen, an denen er selbst beteiligt ist, reißt die Kritik nicht ab. Inzwischen ist Jahns auch ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Und es gibt weitere Rechnungen, die die Frage aufwerfen, ob Jahns Gelder der Hochschule an die Beratungsfirmen abgeleitet hat. Doch Jahns schweigt.

Die Mauscheleien zwischen den Beratungsfirmen, an denen EBS-Präsident Jahns beteiligt ist, und der European Business School nehmen offenbar immer größere Ausmaße an. So hatte die BILD-Zeitung in Frankfurt bereits am 29.Januar ein Dokument abgedruckt, in dem die Supply Management Group (SMG), in der Jahns Verwaltungsratspräsident ist, ihm selbst als EBS-Präsident Spesen in Rechnung stellt. Die Rechnung wurde beglichen – Jahns selbst hat das mit seiner Unterschrift genehmigt, so BILD. In einem Interview mit der FAZ verteidigte sich Jahns: „Infamer geht es nicht. Ich habe damals der SMG Spesen erzeugt in meiner Funktion als EBS-Präsident. Die wurden der EBS in Rechnung gestellt. Ich habe diese Rechnung dann gezeichnet.“

Inzwischen ist auch die Staatsanwaltschaft in Wiesbaden aktiv geworden. „Aufgrund der bisherigen Presseberichterstattung überprüfen wir zurzeit den Sachverhalt darauf, ob es zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für die Begehung von Straftaten gibt, sodass staatsanwaltliches Einschreiten begründet wäre“, erklärt Oberstaatsanwalt Hartmut Ferse.

Und es gibt weitere Rechnungen, die die Frage aufwerfen, ob Jahns nicht gegen die Interessen der EBS und für die Interessen der Beratungsfirmen handelte. Interessant ist zum Beispiel eine Rechnung von der Geschäftsleitung der Schweizer SMG an das Supply Management Institute (SMI) der EBS vom 18.August 2008. Darin werden dem SMI der EBS, dessen Präsident Jahns ist, für eine nicht näher beschriebene „Beratungsleistung“ von Herrn H. eine Summe in Höhe von 46.225 € plus – ebenfalls nicht näher bezeichnete – Reisekosten in Höhe von 7496 € in Rechnung gestellt.

Die Zahlung der Summe wurde offenbar von der Kostenstelle der EBS nicht freigegeben – was aufgrund der fehlenden Angaben zu der Art der Beratungsleistung und zu den Details der Reisekosten auch verständlich ist. Am 29.August 2009 – also ein Jahr später – beschwerte sich der Commercial Director der BrainNet Supply Management Group AG bei der EBS und schrieb: „Die obige Rechnung ist ja noch immer offen. Christopher schreibt mir in einer Email dazu „Rechnung SMG H. anmahnen“. Dies kann bezahlt werden. Bitte Bescheid sagen.“ Man werde die Rechnung nun Jahns vorlegen und sie, wenn dieser unterschreibt, bezahlen, antwortete die EBS-Buchhaltung.

Der Vorgang wirft eine Reihe von Fragen auf. Welche Beratungsleistung wurde der EBS überhaupt in Rechnung gestellt? Oder handelt es sich nur um eine Scheinrechnung? Warum mahnt die BrainNet Supply Management Group AG eine Rechnung der Supply Management Group an? Dienen die 17 Beratungsfirmen mit teils verwirrend ähnlichen Namen vor allem dazu, Gelder zwischen den Unternehmen zu verschieben? Warum setzt sich Jahns als SMI-Präsident dafür ein, dass sein Hochschulinstitut-Institut eine – nicht dokumentierte Rechnung – an die SMG bezahlt? Handelt er damit nicht gegen die Interessen der EBS? Warum kümmerte sich Jahns als Verwaltungsratspräsident der SMG persönlich um das Eintreiben von offenen Rechnungen? Setzte sich Jahns über seine eigene Kostenstelle an der EBS hinweg, um einer der Beraterfirmen, an der er beteiligt sind, Geld für nicht näher definierte Leistungen zukommen zu lassen? Oder ist alles nur ein Irrtum?

Fragen über Fragen, aber keine Antworten. Mehrmalige Anfragen an Jahns blieben unbeantwortet. Bereits auf die seltsame Verquickung der drei Geschäftsführer-Posten seiner Mitarbeiterin Nicole Gaiziunas hatte er nicht geantwortet.

Aufschlussreich sind da seine Aussagen in dem FAZ-Interview. Dort behauptet er, die EBS vergebe nur „Kleinstaufträge in der Größenordnung von ein paar tausend Euro an die Beratungsgesellschaften.“ Gehören 46.225 Euro für nicht definierte Beratungsleistungen also zu „Kleinstaufträgen“?

Gegenüber den Medien weist Jahns bisher weiter alle Vorwürfe zurück und schwadroniert stattdessen von einer Intrige von EBS-Mitarbeitern und ehemaligen Mitarbeitern, die angeblich neidisch auf seine Erfolge sind. Doch Gerüchte über seine fragwürdigen Geschäfte gibt es bereits seit Jahren. Auch wenn sich niemand konkret äußern wollte, hörte man immer wieder den Satz: „Ich bin gespannt, wie lange das mit Jahns noch gut geht.“

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

6 Comments

  1. Zweifler

    24. Februar 2011 at 11:02

    schöner Kommentar heute morgen von „Akademiker“ unter http://www.fr-online.de/rhein-main/wiesbaden/-imageschaden-fuer-die-stadt-/-/1472860/7401564/-/index.html

    Und weil ich nicht abschreiben oder plagiieren möchte, verweise ich korrekt auf die Quelle.

    KT und der Präsident – die „ehrenwerte Gesellschaft“ lässt grüssen. (Fussnote nicht vergessen, der Begriff ist belegt. Ich spare mir aber gerade mal die Recherche und kümmere mich um die Famile und mein politisches Engagement und den Golfclub und das Adelstreffen und das Oldtimertreffen. War da noch etwas? Wissenschaftliches Arbeiten? Da gibt es doch Bücher dazu! Keine Zeit, die zu lesen!

  2. Zweifler

    20. Februar 2011 at 13:37

    Ich lese gerade online bei der FTD, dass akademische Titel von den Hochschulen auch wegen Unwürdigkeit entzogen werden können, wenn etwa der Träger eine Straftat begangen hat. Gerade bei einem Professor, zumal der BWL und mit besonderem Augenmerk auf Ethik und Moral, sollte auch sein Verhalten ausserhalb des akademischen Umfeldes in Betracht gezogen werden. Wenn sich bei einer solchen Person der Anfangsverdacht der Untreue bestätigt und zu einer Verurteilung führt, sehe ich auch dessen Titel in Gefahr.

    Was denken die anderen Leser dieses Blogs?

  3. Markus L.

    6. Februar 2011 at 10:45

    Mag sein, dass alles was Herr Jahns gedreht hat rechtlich nicht zu beanstanden ist. Aber es ist in höchstem Maße unappetitlich und wirft ein schlechtes Licht auf seine Organisation, die ohnehin schon immer ein Imageproblem hatte. Ich könnte jedenfalls keinem guten Gewissens die EBS empfehlen.

    • Zweifler

      22. Februar 2011 at 8:04

      @Markus L.:

      Ich denke, man muss eindeutig zwischen Hochschule und Person unterscheiden. Wenn Herr Jahns das in der Form getan hat und es rechtlich zu beanstanden ist (moralisch ist das gar keine Frage aus meiner Sicht!), dann sind er selbst und sein direktes Umfeld daran beteiligt. Die EBS selbst ist ein großer „Organismus“, der auch ohne einen Präsidenten lebt und leben kann. Und da darf man der Hochschule auch kein Unrecht tun oder sie aus Dogmatismus ablehnen. Wie an allen anderen Hochschulen auch, studiren und lehren hier Menschen. Es wäre unfair, die alle in einen Topf zu werfen. Die sind ja nicht per se besser oder schlechter als andere, nur weil sie an einer privaten Einrichtung sind.

Kommentar verfassen