US-Schulen: Trotz Corona wieder im Aufwind

Von am 14. September 2020
Corona Virus pixabay Daniel Roberts

Obwohl sich die Studenten an den US-Schulen aufgrund der Corona-Pandemie auch im Herbst mit einem Online- oder Hybrid-Unterricht zufriedengeben müssen, steigt die Zahl der Bewerber beim Vollzeit-MBA. Gleichzeitig sinkt jedoch die Zahl der internationalen MBA-Bewerber teils rasant.

Totgesagte leben länger. Wurde der zweijährige Vollzeit-MBA an den US-Schulen aufgrund der seit Jahren sinkenden Bewerberzahlen von so manchem schon totgesagt, so erlebt er nun offenbar eine neue Blüte. So meldet das MBA-Portal Poets & Quants, dass die Bewerberzahlen an manchen Schulen sogar Rekordhöhe erreichen.

Die Corona-Pandemie zwang auch die Business Schools zum Online-Unterricht und ein Großteil dessen, was ein gutes MBA-Studium ausmacht, fiel weg. Denn das MBA-Studium lebt vor allem vom intensiven persönlichen Austausch mit Professoren und Kommilitonen, von gemeinsamen Projekten, Studientrips ins Ausland, Vorträgen von Topmanagern und Firmenpräsentationen auf dem Campus. Dennoch hielten Schulen an ihren teils horrenden Studiengebühren von mehr als 100.000 Dollar fest. Und auch im Herbst starten etliche Schulen mit Online- oder Hybrid-Formaten.

Aufgrund der Pandemie haben viele Schulen jedoch ihre Bewerbungsfristen verlängert, neue Bewerbungsrunden eingeführt und sogar auf Zulassungstests wie den GMAT oder GRE verzichtet. Offenbar mit Erfolg, wie die Zahlen zeigen.

An der Jones Graduate School of Business der Rice University in Houston gingen die Zahlen sogar rasant nach oben. Die Zahl der Bewerbungen stieg um 63 Prozent auf 1.021. Die Schule startete mit 174 Studenten (Vorjahr 107) und damit mit ihrer größten Klasse der letzten 20 Jahre. Die Zahl der internationalen Studenten sank jedoch von 29 auf 15 Prozent und halbiert sich damit.

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Auch die Wharton School, wo die MBA-Klassen auch im Herbst vor allem online stattfinden, meldet einen Rekord: 21 Prozent mehr Bewerbungen und mit 916 Studenten ihre größte MBA-Klasse aller Zeiten. Die Zahl der internationalen Bewerber sank von 30 auf 19 Prozent und damit fast ein Drittel.

An der Columbia Business School in New York bewarben sich 6.971 Studenten (im Vorjahr waren es 5.876) – ein Zuwachs von mehr als tausend Bewerbern oder 18.6 Prozent. Der bisherige Rekord von 2016-2017 liegt bei 6.188 Bewerbern. Zugelassen wurden 1.130 Bewerber und damit 16,2 Prozent (Vorjahr 19,1 Prozent). Eingeschrieben haben sich 782 Studenten, 3,7 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Die Zahl der internationalen Studenten reduzierte sich trotz Corona und Visa-Restriktionen lediglich von 47 auf 44 Prozent – damit ist die New Yorker Schule eine Ausnahme. Allerdings werden hier „international citizen“ gezählt. Darunter fallen auch Studenten mit doppelter Staatsangehörigkeit und dauerhaftem Aufenthaltsrecht.

Selbst die Stern School of Business an der New York University, die ihre Studiengebühren trotz Corona und Online-Unterricht sogar noch erhöht hatte, verzeichnet 3,8 Prozent mehr Bewerber. Zwar gibt die Schule an, dass 32 Prozent ausländische Staatsbürger sind. Auch hier beinhaltet die Zahl Studenten mit doppelter Staatsangehörigkeit und dauerhaftem Aufenthaltsrecht.

An der Haas School of Business an der UC Berkeley in Kalifornien reduzierte sich der Anteil der internationalen Studenten von 35 auf 21 Prozent – eine Abnahme von 40 Prozent. Aber auch hier bewarben sich mit 3.636 MBA-Interessenten 5,4 Prozent mehr als im Vorjahr und die Schule startet mit 331 Studenten ihre bisher größte MBA-Klasse.

Zwar gilt es als Gesetzmäßigkeit, dass die Nachfrage nach dem MBA-Studium steigt, wenn die Wirtschaft schwächelt, weil viele die Zeit für ihre Weiterbildung nutzen. Dass dies jedoch auch bei der Corona-Pandemie der Fall ist, wo die Studenten mit Online- oder Hybrid-Unterricht Vorlieb nehmen und auf zahlreiche Aktivitäten wie Auslandstrips verzichten müssen, ist erstaunlich. Allerdings verstärkt die Pandemie zusätzlich zu der restrikten Einwanderungs- und Visa-Politik den Rückgang der internationalen Studenten an den US-Schulen.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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