Tomorrow`s MBA: Mehr Flexibilität, mehr Alternativen

Von am 8. März 2022
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MBA-Interessenten wollen mehr Studienoptionen und sich kontinuierlich zu geringen Kosten weiterbilden können. Das zeigt die Studie Tomorrow`s MBA.

Bisher war das zweijährige Präsenzstudium auf dem Campus die beliebteste Studienform für MBA-Studierende. Die Studie Tomorrow’s MBA der britischen Beratungsfirma CarringtonCrisp zusammen mit der EFMD (European Foundation for Management Development) in Brüssel zeigt jedoch, dass eine zunehmende Zahl der Studieninteressenten eine andere MBA-Erfahrung wünscht.

Befragt wurden 1.129 angehende MBA-Studenten aus 25 Ländern. Sie sollten angeben, was sie von ihrem MBA erwarten und wie sie entscheiden, wo sie studieren wollen. Die Antworten zeigen, dass sich die Lernprioritäten seit dem Ausbruch der Pandemie deutlich verändert haben. Laut Studie sind knapp drei Viertel (70 Prozent) der Befragten an einem MBA interessiert, den sie in Modulen über mehrere Jahre absolvieren können, und zwar immer dann, wenn es gerade passt. Sieben von zehn sind auch an einem MBA interessiert, der die Möglichkeit bietet, in den nächsten zehn Jahren zu geringen Kosten weiter zu studieren, um die eigenen Fähigkeiten zu verbessern.

Zwar bevorzugen 58 Prozent nach wie vor ein Vollzeit-MBA-Studium auf dem Campus, doch viele sind auch offen für andere Optionen. 73 Prozent wollen in ihrem eigenen Tempo studieren, anstatt zu festen Zeiten Vorlesungen zu besuchen, und sie wollen virtuell mit anderen Studenten an Projekten zusammenzuarbeiten. 71 Prozent sind an einem MBA interessiert, der es ihnen ermöglicht, je nach Bedarf zwischen Campus- und Online-Studium zu wechseln.

Das Interesse an reinen Online-Programmen ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Lediglich zehn Prozent bevorzugen diese Studienversion – was im krassen Gegensatz zu den vor allem in den USA boomenden reinen Online-MBAs steht. Das Interesse an Blended-Learning Programmen mit Online- und Präsenzphasen hat dagegen um fünf Prozent zugenommen.

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Bei der Frage, ob sie eher einen generalistischen oder einen spezialisierten MBA bevorzugen, scheiden sich die Geister. Während 54 Prozent einen generalistischen MBA vorziehen, wünschen sich 46 Prozent einen spezialisierten MBA, wobei sich auch hier wieder zwei Spezialisierungen von eher klassischen und künftigen Themen zeigen: So setzen elf Prozent auf Finance oder Accounting, 16 Prozent auf Informationstechnologie und zehn Prozent auf Entrepreneurship.

„MBA-Studiengänge haben sich schon vor der Pandemie verändert, aber Corona hat den Markt noch einmal kräftig angekurbelt“, resümiert Andrew Crisp, Autor der Studie. Die Studierenden von heute forderten Flexibilität, eine Kombination aus Präsenz- und Online-Studium und einen Unterricht, der den aktuellen Herausforderungen der Wirtschaft gerecht wird. Traditionelle Anbieter, die neue Ansätze für das Studium schaffen, und alternative Anbieter würden daher vermutlich künftig die größten Chancen haben.

Ein wichtiges Thema für die Studierenden ist die Künstliche Intelligenz (KI) geworden. In der Rangliste der wertvollsten Fächer im MBA-Studium steht KI bei den Befragten mit 31 Prozent an zweiter Stelle hinter dem Kurs in Business and Financial Environment.

Und obwohl die Studierenden Finanzen, Wirtschaftsrecht und Wirtschaft in ihrem MBA-Studium schätzen, wollen sie mehr. In Anbetracht der Tatsache, dass sich die Welt um sie herum verändert, wünschen sich sieben von zehn angehenden MBAs einen Abschluss, der Inhalte zu globalen Herausforderungen (72 Prozent), verantwortungsvollem Management (71 Prozent), Vielfalt, Gleichberechtigung und Integration (70 Prozent) und zu ethischer Führung (69 Prozent) umfasst.

Die Verbesserung der Gehaltsaussichten ist nach wie vor das Hauptmotiv der Studieninteressenten (29 Prozent). Die Zahl derjenigen, die ein Studium aufnehmen möchten, um ein Unternehmen zu gründen (22 Prozent), hat zugenommen, zum Teil wohl aufgrund von Entlassungen oder weil die Corona-Pandemie so manchen dazu veranlasst hat, seine berufliche Laufbahn zu überdenken.

Jeweils mehr als Drittel würde alternative Anbieter wie The Power MBA, Coursera und Quantic in Betracht ziehen, wobei der Power MBA – wohl nicht zuletzt aufgrund seines massiven Marketings – mit 39 Prozent den höchsten Wert aufweist, obwohl er eher wenig mit einem akademischen Wirtschaftsstudium zu tun hat. Der Quantic MBA, ein innovatives Online-Studium, liegt bei 33 Prozent.

Die Studie zeigt, dass das MBA-Studium seine Alleinstellung verloren hat. So ziehen mehr als die Hälfte der Befragten (57 Prozent) auch andere Studienoptionen für ihre Karriereentwicklung in Betracht.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.