Studienland Deutschland: Deutlicher Nachholbedarf

Von am 22. November 2017
Börse in der Wall Street von außen Wall Street in New York

Zwar bleiben die USA und Großbritannien weiter die beiden beliebtesten Länder für internationale Wirtschaftsstudenten, doch nach der Wahl von US-Präsident Donald Trump und dem Brexit-Referendum ziehen 40 bzw. 28 Prozent ein Studium in diesen beiden Ländern seltener in Betracht. Das zeigt eine Studie des Beratungsunternehmens CarringtonCrisp in Kooperation mit der European Foundation for Management Development (EFMD) in Brüssel, die auch Erstaunliches bei Wahrnehmung von Deutschland als Studienland herausfand.

Das beliebteste Studienland sind mit 67 Prozent die USA, gefolgt von Großbritannien mit 44 Prozent. Danach kommen Kanada (39 Prozent), Australien (38 Prozent), Weitere sieben Länder mit mehr als 15 Prozent sind die Schweiz, Neuseeland, Niederlande, Singapur, Frankreich, Japan und China. Deutschland taucht nicht auf und liegt damit zumindest hinter Brasilien und Indien.

Bei der Studie Business of Branding Study wurden knapp 1.500 Studenten mit 85 Nationalitäten befragt. Die meisten davon (594) waren Bachelor-Studenten, gefolgt von 548 Master- und PhD-Studenten. MBA-Studenten waren nur sehr wenige vertreten. 3,21 Prozent der Studienteilnehmer absolvieren einen Vollzeit-MBA, 0,48 Prozent einen Part-time oder Executive MBA. Die meisten Teilnehmer waren Chinesen, Deutsche und Briten.

Bei der Entscheidung für ein Studienland stand bei mehr als der Hälfte der Befragten (52 Prozent) die Reputation des Landes in der Wirtschaftsausbildung an erster oder zweiter Stelle. Für 40 Prozent lagen die Kosten des Studiums an erster oder zweiter Stelle.

Zudem sollten die Teilnehmer anhand von zehn Statements ihre Wahrnehmung zu fünf Ländern (Australien, China, Deutschland, Großbritannien und die USA) als Studienland beschreiben. Trotz aller Visa-Restriktionen glauben die Befragten, dass es in Großbritannien am einfachsten ist, ein Visum für das Studium zu bekommen. An zweiter Stelle steht Deutschland, gefolgt von Australien und China. Am meisten Schwierigkeiten erwarten die Studenten in den USA.

Grafik: Business of Branding

Bei den Jobmöglichkeiten nach dem Studium liegt Deutschland hinter den USA, Großbritannien und Australien. Am schlechtesten schneidet China ab. Gleichzeitig glauben die Studenten, dass die USA die stärkste und dynamischte Wirtschaft hat, dicht gefolgt von Deutschland, China und Großbritannien. Als billigstes der fünf Länder wurde China wahrgenommen. Deutschland erreicht Platz 2 mit großem Abstand zu Australien und Großbritannien. Am teuersten werden die USA eingeschätzt.

Als billigstes der fünf Länder wird China wahrgenommen. Deutschland steht auf Platz 2 mit großem Abstand zu Australien und Großbritannien. Am teuersten werden die USA eingeschätzt.

Bei der Aussage „wurde mir von einem Freund empfohlen“ führen Großbritannien und die USA mit großem Abstand zu Australien, Deutschland und China.

Auffallend schlecht schneidet Deutschland bei dem Statement „Liegt dort, wo ich gern studieren würde“ ab. Nur China ist noch unattraktiver. Auch dass Deutschland ein gutes Angebot an qualitativ hochwertigen Universitäten und Business Schools hat, sehen viele offenbar nicht. Hier führen die USA und Großbritannien mit weitem Abstand. Deutschland belegt Platz 3.

Insgesamt habe Deutschland bei allen zehn Statements relativ gut abgeschnitten, schreiben die Autoren. Schließlich seien Business Schools hierzulande noch ein relativ neues Phänomen und die Zahl der international bekannten Topschulen sei im Vergleich zu anderen Ländern noch gering.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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