Studien: Interessenskonflikte bei Rankings

Von am 14. Juni 2021
MBA-Rankings Fotolia ©gustavofrazao

Interessenkonflikte bei den Anbietern von Rankings können Bestenlisten beeinflussen. Das zeigen zwei Studien.

Rankings sind umstritten und das aus mehreren Gründen. Sie vergleichen Business Schools und Universitäten aus verschiedenen Ländern mit verschiedenen Finanzierungsmodellen und verschiedenen Aufgaben und Zielen. Dennoch sind sie bei den Studenten äußerst beliebt und tragen nicht selten zur Entscheidung für ein Studium an einer bestimmten Schule bei.

Doch auch bei den Anbietern der Ranglisten gibt es Interessenskonflikte. Darüber berichtete vor kurzem die Online-Publikation Inside Higher Ed und verweist auf zwei Studien. Eine Studie des Center for Studies in Higher Education an der University of California, Berkeley beschäftigt sich dabei mit den Rankings des britischen Beratungsunternehmens QS. Ein anderer Report wirft Fragen zu den Rankings des britischen Mediums Times Higher Education auf.

QS betreibt ein Consulting-Geschäft, das Hochschulen bei verschiedenen Themen unterstützt, was die Rankings unangemessen beeinflussen könnte. Das zeigte Senior Researcher Igor Chirikov anhand 28 russischer Universitäten, die an dem QS World University Rankings teilgenommen haben. 22 dieser 28 Universitäten (78 Prozent) gaben in den letzten acht Jahren 2.857.880 Dollar für Services von QS aus. Chirikov verglich die Fluktuationen in den QS Rankings mit Daten der Times Higher Education und Daten der nationalen Statistik. Dann verglich er die Aufstiege in den Rankings von Universitäten, die QS für Beratungsleistungen bezahlt haben mit jenen, die das nicht getan haben. Die Ergebnisse zeigen, dass Universitäten mit häufigen Verträgen mit QS innerhalb von fünf Jahren größere Aufstiege verzeichneten als solche ohne derartige Verträge. Das zeige eine erste empirische Evidenz, dass Interessenkonflikte der Rankings-Anbieter die Ergebnisse von Ranglisten negativ beeinflussen können.

Auf die Frage, ob es auch bei anderen Rankings ähnliche Probleme gebe, erklärte der Forscher, dass gerankte Universitäten auch bei Times Higher Education und U.S. News Anzeigen schalten und die Medien zudem Events für Hochschulen anbieten. Allerdings sei bei den Medien der Interessenskonflikt nicht so ausgeprägt wie bei der Beratungsfirma QS, deren Einnahmen deutlich stärker von den Hochschulen abhängen. Schließlich verdienten die Medien ihr Geld auch mit Abonnenten.

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Simona Bizzozero, Sprecherin bei QS, bestritt gegenüber Inside Higher Ed einen Zusammenhang und erklärte, dass man die Hochschulen sogar darauf hinweise, dass die Beratung keinen Einfluss auf die Platzierungen im Ranking habe.

In einer anderen Studie untersuchte Julien Jacqmin, Associate Professor of Economics an der französischen NEOMA Business School, das Ranking von Times Higher Education und fand heraus, dass Investitionen in mehr Anzeigen signifikant und positiv mit einer höheren Positionierung im Ranking und in den Leistungsindikatoren verbunden sind. Vorausgesetzt alle anderen Faktoren bleiben gleich, seien Investitionen in Anzeigen mit einem Gewinn von 15 Rangplätzen innerhalb eines Jahres verbunden. Zwar sei Times Higher Education nicht das einzige Medium, dass die Schaltung von Anzeigen akzeptiere, doch in dem Magazin würden die Anzeigen der gerankten Schulen eine zunehmend wichtigere Einnahmequelle, so der Forscher. Harry Huskisson, Leiter der Kommunikation bei Times Higher Education, betonte dagegen, dass die Rankings seit 2016 auf einem unabhängigen Audit basierten, das faire, unabhängige und robuste Ergebnisse sicherstelle.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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