Staufenbiel MBA-Studie: Kompletter Unsinn • MBA Journal - NEWS über Business Schools und Executive Education

Staufenbiel MBA-Studie: Kompletter Unsinn

By on 4. November 2016
Frankfurt of Finance & Management Frankfurt School

An der Fresenius Hochschule werden nur 3,3 Prozent der Bewerber für das MBA-Studium zugelassen. An der Frankfurt School sind es nur acht Prozent. Nachzulesen war der Unsinn vor kurzem in einem Artikel der „Welt“, die sich dabei auf die vom Trendence Institut verfasste Staufenbiel MBATrends-Studie 2015/16 bezog.

„In der Staufenbiel Studie zum MBA Trend 2015/2016 heißt es, dass an den drei begehrtesten Business Schools in Deutschland weniger als 20 Prozent der Bewerber auch tatsächlich angenommen wurden“, schrieb die „Welt“ vor kurzem in einem Artikel. „An der Frankfurt School of Finance & Management etwa wurden von 457 Bewerbern nur acht Prozent zum Studium zugelassen, der gleiche Anteil wie an der HFU Business School der Hochschule Furtwangen. Die Hochschule Fresenius bot bei 150 Bewerbern sogar nur 3,3 Prozent – also acht Bewerbern – einen Platz an.“ Im Klartext: An der Fresenius Hochschule hat der MBA-Studiengang nur acht Studenten.

Allein das sollte eigentlich stutzig machen und wer auch nur ein bisschen Ahnung vom deutschen MBA-Markt hat, der weiß, dass sich gerade deutsche Hochschulen oft schwer tun, genug MBA-Studenten für ihre Programme zu gewinnen. Und der kann auch nachlesen, dass selbst bei Topschulen wie der Harvard Business School rund zehn Prozent der Bewerber zugelassen werden. Doch so viel Wissen und/oder Recherche kann man bei der „Welt“ wohl nicht voraussetzen.

Woher die Zahlen stammen, bleibt ein Rätsel. Die Frankfurt School kann sich das nicht erklären, weil sie die Zahlen nicht bekannt gibt. An der Fresenius Hochschule ist man richtig sauer. Denn zum Zeitpunkt der Studie war der neue MBA-Studiengang noch nicht einmal angekündigt und ist auch bis heute nicht gestartet, weil es nicht genügend qualifizierte Bewerber gab. Und qualifiziert heißt in diesem Fall: Bewerber mit einem ersten Hochschulabschluss, mindestens einem Jahr Berufserfahrung und guten Englischkenntnissen – also wahrlich keine besonders hohen Zulassungsvoraussetzungen. Kein Wunder, dass man auch hier rätselt, woher die Phantasiezahlen kommen.

Weitere Kostproben aus der Studie, die „bereits zum 21. Mal die europaweit führenden Business Schools nach aktuellen Daten und Trends in der MBA-Ausbildung befragt“ hat: An der Hochschule Ludwigshafen/Management Akademie Heidelberg sind 90 Prozent der MBA-Teilnehmer Frauen. An der International School of Management (ISM) sind es 80 Prozent, was die ISM nicht bestätigen kann. 92 Prozent der MBA-Studenten in Deutschland werden von ihrem Arbeitgeber finanziell unterstützt – eine Zahl, von der man nur träumen kann. Und das internationalste MBA-Studium hat die Hochschule Hof. Kein Wunder, richtet sich der Studiengang doch auch an indische Bachelor-Absolventen und wird zum Teil in Indien durchgeführt. Ausgewertet wurden angeblich Antworten von 70 Schulen und 100 Programmen in Europa. Wie viele davon aus Deutschland sind, steht nirgends.

Durchgeführt hat die Studie das Trendence Institut für Personalmarketing in Berlin im Auftrag von Staufenbiel. Die Angaben habe man dann so übernommen, erklärt Thomas Friedenberger von Staufenbiel und betont, dass die Studie „unheimlich teuer“ war. Trendence ist vor allem bekannt für seine Ranglisten zu den beliebtesten Arbeitgebern und beliebtesten Hochschulen, die stets gern von den Medien aufgegriffen werden. Da mag man sich lieber nicht vorstellen, wie glaubwürdig und seriös die sind.

Die absurden Ergebnisse lägen einfach auch dran, dass die Studie nicht repräsentativ sei, sagt Friedenberger. Das ändert allerdings nichts daran, dass etliche Zahlen wohl schlichtweg erfunden sind. Immerhin eines kann Friedenberger zusichern: Diese Studie wird es künftig nicht mehr geben.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

2 Comments

  1. Ben Ni

    6. November 2016 at 9:29

    Anyone? Wenn schon kein Link: Wann ist der Artikel in der „Welt“ denn erschienen?

    • Bärbel Schwertfeger

      6. November 2016 at 9:57

      Beide Links sind in dem Text. Man muss nur draufklicken!

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