Purdue beendet Vollzeit-MBA

Von am 22. Juni 2020
Purdue Krannert School of Management Krannert School of Management

Die Krannert School of Management an der Purdue University in Indiana stellt ihr zweijähriges MBA-Vollzeit-Programm ein – erstmal vorrübergehend.

Die Pause sei unglücklich, aber notwendig, erklärte Dean David Hummel. Denn die Zahlen seien eindeutig. In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Bewerber beim Vollzeit-MBA um 70 Prozent gefallen, schreibt das MBA-Portal Poets & Quants. 2019 hat die Schule 59,4 Prozent der 192 Bewerber zugelassen (was für Topschulen eine hohe Quote ist). 46 Studenten haben sich schließlich auch eingeschrieben

Heute machten die Vollzeit-MBA-Studenten nur noch zwei Prozent der Studenten an der Krannert School aus und in den letzten zwei bis drei Jahren hätten die Kosten für Marketing, Recruitment und Stipendien die Einnahmen aus den Studiengebühren um einen sechs- bis siebenstelligen Betrag überschritten.

Dazu kam dann noch die Corona-Pandemie, die massive Auswirkungen auf das Uni-Budget habe und zur Entlassung von Mitarbeitern geführt habe. Er kündige nicht 15 Mitarbeiter, um die digitalen Anzeigen für das MBA-Programm zahlen zu können, erklärte Dean Hummer.

Purdue sei eine der Topuniversitäten im Bereich Start-ups und der Kommerzialisierung von Technologien. Daher habe den MBA-Studenten auch verstärkt ermöglicht, mit Technologie-Unternehmen zusammen zu arbeiten. Aber das habe nicht funktioniert und nur fünf bis zehn Studenten im Jahr hätten das Angebot angenommen.

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Auch ein Dual-Degree mit der renommierten Fakultät für Ingenieurwissenschaften stieß nur auf eine geringe Nachfrage. Dazu kam die – vor allem in den USA verhängnisvolle – Verschlechterung im Ranking. So landete die Krannert School im Ranking von Businessweek 2019 nur noch auf Platz 78. Im Jahr davor war sie noch auf Platz 50.

Einen weiteren Grund sieht der Krannert-Dean in der Zunahme der alternativen Angebote wie Online-MBAs und den einjährigen spezialisierten Master-Programmen. So hat die Schule selbst vor fünf Jahren einen äußerst erfolgreichen Master in Business Analytics gestartet.

Die frei werdenden Ressourcen sollen für neue Online-Programme genutzt werden, da heute noch niemand weiß, wie sich die Corona-Epidemie weiter auf die Hochschulbildung auswirkt. Vor einem Jahr hatte die Schule mit einem Master in Economics nur ein Online-Programm. Seit Januar 2020 gibt es auch einen Online-MBA und drei weitere Online-Master sollen in den nächsten sechs Monaten folgen, darunter ein Master in Business Analytics im August, ein Master in Global Supply Chain und ein Master in Human Resources Management.

Die Krannert School of Management an der Purdue University gehört zu den führenden US-Schulen. Neben dem Vollzeit-MBA gibt es an der Schule einen Weekend MBA und einen Executive MBA. Zudem bietet sie zusammen mit fünf anderen Business Schools seit 1992 den IMM Global Executive MBA an, bei dem die Teilnehmer zehn Wochen Präsenzunterricht in sieben verschiedenen Ländern besuchen. Zu den beteiligten Schulen gehören neben Purdue, die Tias School for Business and Society in den Niederlanden, die Tianjin University in China, die FGV in Brasilien, das Politecnico di Milano in Italien und die ISM University of Management and Economics in Litauen. Das Studium dauert 19 Monate. Die Berufserfahrung der Teilnehmer liegt bei 13 bis 16 Jahren. Die Absolventen bekommen zwei MBA-Abschlüsse: einen MBA von Purdue und einen von Tias. Die Studiengebühren liegen bei 75.000 Euro.

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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