Mega-Stiftung für TUM Campus Heilbronn

Von am 8. Februar 2018
Heilbronn TUM Peter Frankenberg (Dieter Schwarz Stiftung), Oberbürgermeister Harry Mergel, TUM-Präsident Wolfgang A. Herrmann

Die Technische Universität München (TUM) und die gemeinnützige Dieter Schwarz Stiftung haben das umfangreiche Vertragswerk über die dauerhafte Finanzierung von 20 neuen Professuren unterzeichnet. Damit wird die TUM School of Management zur größten BWL-Fakultät Deutschlands.

Mit dem Vertrag sei eine der bedeutendsten Stiftungen in der deutschen Hochschulgeschichte unterzeichnet worden, schreibt die Universität. Die Stiftung des Lidl-Chefs Dieter Schwarz finanziert dauerhaft 20 neue wirtschaftswissenschaftliche Professuren mit kompletter Ausstattung und Infrastruktur. 13 Professuren werden auf dem neuen TUM Campus Heilbronn angesiedelt. Sieben Professuren verstärken die TUM School of Management in München.

 

Hier einige Details:

  • Die Stiftung finanziert die 20 Stiftungsprofessuren für zunächst 30 Jahre, einschließlich Ausstattungs- und Betriebsaufwand sowie Gebäude-Infrastruktur auf dem Heilbronner Bildungscampus.
  • Die HighTech-Region Heilbronn erhält eine universitäre Einrichtung und steigt mit der „TUM-BWL“ zu einer der ersten Adressen für die Management-Ausbildung auf.
  • Die TUM School of Management wird dadurch die mit Abstand größte BWL-Fakultät Deutschlands – nur 16 Jahre nach ihrer Gründung.
  • Mit dem TUM Campus Heilbronn engagiert sich erstmals eine deutsche Universität mit einem eigenen Standort in einem anderen Bundesland.

Inhaltlich soll es vor allem um den Wandel durch Digitalisierung, Familienunternehmen und Unternehmensgründungen gehen. Dafür sei die auf die Interaktion von Management und Technologie ausgerichtete TUM School of Management mit ihrer Entrepreneurship-Ausbildung und ihren technologiebasierten Unternehmensgründungen besonders gut aufgestellt. Da die Region Heilbronn-Franken stärker von Familienunternehmen geprägt sei, eröffne der neue Standort die Möglichkeit, die wissenschaftliche Arbeit zu diesem Unternehmenstyp durch Forschungspartnerschaften mit mittelständischen Hightech-Firmen zu intensivieren.

„Die Förderung durch die Dieter Schwarz Stiftung ist ein Meilenstein in der jüngeren Geschichte der TUM. Sie ist ein großer Vertrauensbeweis, dass wir als unternehmerische Universität die Stiftungsmittel in exzellente Forschung und Lehre umsetzen“, betont Professor Wolfgang A. Herrmann, Präsident der TUM. Zugleich bestätige sie die Entscheidung, eine gesamte Wirtschaftsfakultät auf Fragen der Technologie auszurichten. Das sei bei ihrer Gründung 2002 ein unvorhersehbares Risiko gewesen.

„Die Dieter Schwarz Stiftung hat die Intention, dort tätig zu werden, wo Wirtschaft und Gesellschaft Anforderungen stellen, die staatliche Organe nicht oder nicht ausreichend erfüllen können“, ergänzt Professor Reinhold R. Geilsdörfer, Geschäftsführer der Dieter Schwarz Stiftung. „Mit der Vertragsunterzeichnung für einen Universitätsstandort sind wir dem Ziel, die Bildungspyramide im Bereich der Hochschulen vollständig zu schließen und das Studienangebot am Standort Heilbronn bestmöglich abzurunden, wieder ein Stück weit nähergekommen.“ Zudem gehe die Stiftung davon aus, dass der TUM Campus Heilbronn die internationale Sichtbarkeit und die Wettbewerbsfähigkeit Heilbronns als Studienort weiter stärken werde.

Die Stiftung der 20 Professuren sei an keinerlei Auflagen gebunden, betont TUM-Präsident Herrmann. „Weder die Ausrichtung noch die Berufungen und Lehrinhalte werden durch die Stiftung im Geringsten beeinflusst. Auch die Forschungsinhalte sind in der individuell freien Entscheidung der Professorenschaft (Art. 5, Abs. 3 GG). Im Übrigen folge die Stiftungsvereinbarung dem verbindlichen TUM Fundraising Code of Conduct.“

In der Süddeutschen Zeitung stieß das Engagement der Stiftung dennoch auf Kritik. „Wenn Lidl-Professuren nötig sind, ist das ein Armutszeugnis für die Politik“, schreibt Jakob Wetzel. Wissenschaft an einer staatlichen Universität in Fakultätsstärke zu finanzieren sei die Pflicht des Staates.

Die Forschungsergebnisse der neuen Professuren sollen unmittelbar in die Lehre einfließen. Bachelor- und Masterstudiengänge sowie Executive-Education-Angebote sollen in Heilbronn künftige Führungskräfte ausbilden, die optimal auf die Arbeit in technologie-getriebenen Unternehmen vorbereitet sind. Bereits im Bachelor-Studiengang lernen die Studenten neben BWL auch ein Technikfach. Auch Promotionen sollen am TUM Campus Heilbronn möglich sein.

Losgehen soll es zum Wintersemester 2018/19 mit zwei englischsprachigen Studiengängen in Heilbronn: Der weiterbildende Master „Management & Innovation“ soll die neuesten Erkenntnisse aus Innovationsmanagement, Entrepreneurship und Technologie vermitteln. Der Master „Management“ wurde eigens für besonders qualifizierte Bachelorabsolventen aus den Ingenieur- und Naturwissenschaften konzipiert.

Erst im vergangenen Jahr hat die TUM School of Management die Triple Crown erhalten, also die drei wichtigsten internationalen Akkreditierungen. Darüber verfügen nur wenige Business Schools weltweit.

Die TUM School of Management hat drei MBA-Programme: den Executive MBA, den Executive MBA in Business & IT und den Executive MBA in Innovation & Business Creation. Seit 2017 gibt es auch einen Master in Management & Innovation in Kooperation mit der HEC Paris. Zudem werden zahlreiche kürzere Kurse, Zertifikatsprogramme sowie firmeninterne Weiterbildungsmaßnahmen angeboten. Dabei wird besonderer Wert auf die Vermittlung der neuesten Forschungsergebnisse und einen hohen Praxisbezug gelegt.

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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