MBA-Rankings: UN-Report zeigt Fehlentwicklung

Von am 12. März 2019
MBA-Ranking Fotolia

MBA-Rankings haben einen enormen Einfluss auf die Business Schools und führen zu verhängnisvollen Fehlentwicklungen. Das zeigt die UN-Studie „Business Schools Rankings for the 21st Century“.

MBA-Rankings, wie sie die Financial Times, der Economist, U.S. News oder Businessweek veröffentlichen, führen zu verhängnisvollen Fehlentwicklungen. Das zeigt die Studie „Business Schools Rankings for the 21st Century“, die auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos präsentiert wurde. Verfasst haben sie zwei Wissenschaftler der Cambridge University unter der Schirmherrschaft von United Nations Global Compact und finanziert von Aviva Investors.

Viele der Rankingkriterien seien vor Jahrzehnten entwickelt worden und nutzten einfache Kriterien wie das Gehalt und die Gehaltsteigerung, heißt es in dem Report. Dagegen werde kaum bewertet, was an den Schulen gelehrt und gelernt werde. Zudem hätten die Bewertungskriterien unbeabsichtigt das Verhalten der Schulen verändert.

Die hohe Gewichtung von Gehalt und Gehaltszuwachs führe dazu, dass sich Schulen darum bemühen, ihren Absolventen vor allem Jobs in Banken, in der Finanzindustrie und Beratung zu verschaffen. Schulen, die breiter aufgestellt sind, würden dadurch benachteiligt.

Zudem förderten die Schulen oftmals eine Sichtweise, die einer menschenorientierten und nachhaltigen Form des Managements widerspricht. So sei das Modell des rein auf den eigenen Nutzen fokussierten – und längst widerlegten – Homo Oeconomicus noch immer Grundlage vieler wirtschaftswissenschaftlicher Modelle. Dabei zeige die Forschung, dass Studenten, die nach diesem Modell lernen, auch selbst ein egoistischeres Verhalten entwickeln.

Der Report umfasst 20 Vorschläge, wie sich die Ranglisten und die Bewertung von MBA-Programmen verbessern lassen. Dazu gehört der Verzicht oder die geringere Gewichtung des Gehaltsunterschieds vor und nach dem Studium und die Integration von Kriterien zur Messung von sozialen und umweltbezogenen Faktoren im Lehrplan, in der Forschung und bei der Stellenbesetzung. Zudem sollten die Schulen belohnt werden, die Studenten dafür ausbilden, in gesellschaftlich wertvollen Organisationen für geringere Gehälter tätig zu sein.

Weiter wird die Messung von Lehre/Lernen in Bezug auf emotionale Intelligenz und gesellschaftliche Faktoren sowie die Messung der Qualität der Lehre und der Lehrinhalte gefordert. Standardisierte Tests wie der GMAT sollten bei der Auswahl der Studenten eine geringere Rolle spielen, um die Vielfalt in der Klasse zu fördern.

Der Report ist das Ergebnis von Beratungen mit Business Schools, Akkreditierungsorganisationen und den Medien, die die Ranglisten veröffentlichen. Die Financial Times gab bereits bekannt, dass sie die Methodologie ihres Rankings komplett überdenken wolle.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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