MBA-Ranking in Österreich: Bekanntheit statt Qualität

Von am 11. Juni 2019
Österreich WU Executive Academy

In Österreich hat das Industriemagazin sein jährliches Executive-MBA-Ranking herausgegeben. Die beiden einzigen Kriterien sind die Bekanntheit der Business Schools bei 150 befragten Geschäftsführern und Personalverantwortlichen und ihre Empfehlung.

Rankings sind beliebt bei den Medien. Wie aussagekräftig sie dabei sind, spielt oftmals eine geringe Rolle. Das gilt auch für das österreichische Industriemagazin, das vor kurzem erneut sein Ranking zu Executive MBAs in Österreich veröffentlicht hat. Mit der Qualität der Studiengänge hat die Rangliste nicht allzu viel zu tun. Die beiden einzigen Kriterien sind die Bekanntheit der Business Schools bei und die Empfehlung von 150 befragten Geschäftsführern und Personalverantwortlichen.

Auf Platz 1 landet dabei die Donauuniversität Krems mit einem Bekanntheitsgrad von 94 Prozent, was wenig verwundert, da die Weiterbildungsuni zahlreiche Studiengänge in verschiedenen Fächern anbietet. 34,7 Prozent der Befragten würden ihren Mitarbeitern ein MBA-Studium dort empfehlen. Österreichs international renommiertester Anbieter, die WU Executive Academy an der Wirtschaftsuniversität Wien, liegt auf Platz 2 mit 81,3 Prozent und einer Empfehlungsrate von 24,7 Prozent. Auf Platz 3 folgt das MCI Management Center Innsbruck mit 68 und 24 Prozent.

Neueinsteiger ist das AIM Austrian Institute of Management an der Fachhochschule Burgenland auf Platz 16, das derzeit offensiv online für seinen MBA „für jeden“ wirbt: „MBA Fernstudium ohne Präsenz – ohne Bachelor möglich.“ Für die Zulassung genügt die „Absolvierung einer standardisierten schriftlichen Aufnahmeprüfung“ und ein Mindestalter von 21 Jahren. Offenbar braucht man nicht einmal die Matura (Abitur).

Aufschlussreich sind auch die im Artikel des Industriemagazins zitierten Aussagen der befragten Personalmanager. So lohnt sich ein Executive MBA ihrer Meinung nach vor allem zur Entwicklung persönlicher Skills (63,3 Prozent), zur Entwicklung des persönlichen Netzwerkes (51,3 Prozent) und zur Vertiefung bekannter Fachgebiete (51,3 Prozent). Der Erwerb aktuellem und neuen Managementwissens spielt offenbar keine Rolle bzw wurde vielleicht auch nicht abgefragt. Immerhin 6,7 Prozent sind der Meinung, dass sich das Studium eigentlich nicht lohnt.

Auf die Frage, was das Studium für das Gehalt bringt, antworteten 46 Prozent, das sei nicht messbar. 10,7 Prozent sehen keine Gehaltssteigerung. Fast ein Viertel (24,7 Prozent) gibt eine Steigerung von zehn Prozent an, 14 Prozent sehen ein größeres Plus.

Beim Auswahlprozess von ähnlich geeigneten Bewerbern messen lediglich 20 Prozent der Befragten dem Executive MBA eine große Rolle zu. Für zehn Prozent spielt nur ein MBA von international renommierten MBA-Anbietern eine Rolle. Bei 36 Prozent ist auch ein MBA von österreichischen Anbietern wichtig. Und bei 30 Prozent zählt der MBA grundsätzlich nicht.

Auch eine internationale Akkreditierung ist den Personalchefs in Österreich nicht sehr wichtig. Nur 16 Prozent halten diese für unerlässlich. 60 Prozent sagen, eine internationale Akkreditierung zur Qualitätssicherung sei zwar wünschenswert, aber keine Bedingung. Für 17 Prozent ist sie sogar nebensächlich. Das spiegelt auch die aktuelle Situation wider. Denn was international relevante Akkreditierungen angeht, sieht es sehr dürftig aus in Österreich. Lediglich zwei Business Schools haben sie. Das MCI hat ein Gütesiegel der AACSB, die WU Executive Academy eine Triple Crown (AACBS, AMBA und EQUIS).

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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