MBA-Absolventen: Zu wenig geeignete Jobs

Von am 17. August 2020
MBA-Absolventen shutterstock

Recruiter von MBA-Absolventen schätzen zwar die Fähigkeiten, die MBAs mitbringen, befürchten aber, dass es in der Nach-Corona-Welt nicht genug passende Jobs für sie gibt. Das zeigt eine neue AMBA-Umfrage.

Mehr als jeder vierte Arbeitgeber (28 Prozent) glaubt, dass es zu viele Kandidaten mit MBA-Abschluss für zu wenige Jobs gibt. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Association of MBAs and Business Graduates Association (AMBA & BGA) bei mehr als tausend Unternehmen.

Befragt wurden 1.047 AMBA-Mitglieder, die in ihrem Unternehmen für das Recruiting von MBAs zuständig sind und die Personalentscheidungen treffen. Die Befragung ist Teil einer großen Umfrage bei 49.000 MBA-Studenten und Absolventen in mehr als 150 Ländern. Durchgeführt wurde sie zwischen dem 27. März und dem 27. Mai und damit in dem Zeitraum, in dem der Lockdown in vielen Ländern begann und es noch kaum Lockerungen gab.

Die Befragten zeigten nur wenig Vertrauen in die Zukunft der globalen und lokalen Wirtschaft. 61 Prozent waren entweder nicht sehr zuversichtlich oder überhaupt nicht zuversichtlich, was den Zustand der globalen Wirtschaft angeht. Das wirkt sich auch auf die Prognosen für den Arbeitsmarkt aus. So glauben 35 Prozent der Befragten, dass sie 2020 sehr viel weniger Manager einstellen werden als 2019. Dagegen sind 14 Prozent der Meinung, dass sie mehr Manager rekrutieren werden und 16 Prozent denken, dass es keine Veränderung gibt. Mit der Abnahme der Stellen im Senior Management wird der Wettbewerb um die Führungspositionen größer. So gaben 28 Prozent der Befragten an, dass es derzeit zu viele Kandidaten für zu wenige Jobs gibt.

Auf die Frage, für wie viele für MBA-Absolventen passende Stellenbesetzungen sie in den letzten zwei Jahren zuständig waren, lag der Mittelwert bei 20. Bei MBA-Bewerbungen für Senior Positionen im Unternehmen der Befragten lag der Mittelwert in den letzten zwei Jahren bei 93.  Die größten Hürden für eine Einstellung sehen 53 Prozent in fehlenden Skills, 43 Prozent in einem Mangel an Kreativität.

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Insgesamt Arbeitgeber schätzen Business Schools. 47 Prozent bezeichnen sie dabei als „very favourable“. Den Wert eines MBA-Abschlusses von einer renommierten Schule bewerteten die Befragten als gut. 16 Prozent bezeichneten die Qualität und Leistungsfähigkeit der MBA-Absolventen als exzellent, 52 Prozent als gut. 31 Prozent der Arbeitgeber stimmten stark zu, dass MBA-Absolventen die relevanten Fähigkeiten haben, um einen wesentlichen Beitrag für die Wirtschaft in ihrem Land zu leisten. 49 Prozent neigten dazu, zuzustimmen.

32 Prozent der Arbeitsgeber stimmten stark zu, dass MBAs gute Problemlöser sind, 49 Prozent tendierten zur Zustimmung. 22 Prozent der Arbeitgeber stimmten voll zu, dass MBAs die notwendigen Soft Skills haben. Sieben Prozent bestritten das. Bei der Frage, ob technologische Skills (Big Data, Künstliche Intelligenz, Augmented Reality) von MBAs eingesetzt werden, stimmten 57 Prozent bei Big Data zu, bei Künstlicher Intelligenz und Augmented Reality waren es jedoch nur acht bzw. sechs Prozent. Einer von fünf Recruitern war der Meinung, dass MBAs nicht gut darin sind, künstlich4e Intelligenz in ihrem Unternehmen zu nützen.

49 Prozent der Arbeitgeber stimmten zu, dass Business Schools MBAs mit einer internationalen Perspektive ausbilden. Bei der Frage, ob sie glauben, dass MBAs nur durch Geld motiviert werden, stimmten 44 Prozent zu, 23 Prozent stimmten dagegen und 34 Prozent waren unentschlossen. 42 Prozent glauben, dass die Schulen MBAs ausbilden, die auf maximale Profitorientierung fokussiert sind. Weniger zuversichtlich waren die Arbeitgeber, das Business Schools MBAs ausbilden, die auch an Menschen mit niedrigem Einkommen denken. 39 Prozent glaubten, dass diese Einstellung nicht bei MBA-Absolventen verbreitet ist, 15 Prozent waren sogar der Meinung, dass sie bei MBAs nicht existiert. Zudem glaubten mehr als ein Viertel der Befragten (27 Prozent), dass Schulen MBAs ausbilden, die sich nicht sehr oder gar nicht darum bemühen, das Wohlbefinden ihrer Teams in den Vordergrund zu stellen. Auch beim Thema Umweltbewusstsein oder der Förderung von Diversität sahen die Befragten deutlichen Nachholbedarf.

Die Ergebnisse der Umfragen brächten sowohl gute als auch schlechte News, resümiert David Woods-Hale, Director of Marketing and Communications bei AMBA & BGA. Zwar schätzten die Arbeitgeber die Qualitäten der MBAs, sie zeigten jedoch wenig Vertrauen in die Zukunft der Wirtschaft und sind wenig optimistisch, was ihre künftigen Rekrutierungspläne angeht.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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