MBA-Absolventen: Amazon statt Goldman Sachs

MBA-Absolventen: Amazon statt Goldman Sachs

Von am 15. November 2015
Börse in der Wall Street von außen Wall Street in New York

Immer mehr MBA-Absolventen bevorzugen einen Job bei Amazon oder Google statt bei Goldman Sachs oder JP Morgan. Dennoch geht der größte Teil der MBAs an manchen Schulen weiter in die Finanzbranche

Laut einer Analyse der Financial Times ist das Interesse an einer Karriere im Investmentbanking deutlich gesunken. So wollen nur noch 10,6 Prozent der Absolventen der zehn weltweit besten MBA-Programme dort arbeiten. 2008 waren es noch 17,8 Prozent. Dagegen steigt das Interesse im Technologiebereich und Jobs bei Unternehmen wie Amazon.

Lange Arbeitszeiten und die Unsicherheit in der Branche machen einen Job im Investmentbanking zunehmend unattraktiver. Am stärksten ist der Rückgang an der Harvard Business School. Gegenüber 2008 strebten 2014 sogar 52,1 Prozent weniger Absolventen einen Job im Investmentbanking an. An der London Business School waren es 52 Prozent weniger und an der Columbia Business School in New York 45,6 Prozent

Banken  seien heute deutlich weniger attraktiv als Arbeitgeber, zitiert die Finanzzeitung den Experten Alan Johnson. Grund dafür seien die Bezahlung, die Regulierung, die Aufsicht, die Politik und die Bürokratie.

Dabei ist die Attraktivität des Investmentbankings noch deutlicher gesunken als die des gesamten Finanzsektors, zu dem auch Versicherungen, Fondsverwaltung und Beratung gehören.

Besonders in Europa seien die Aussichten für Banker düster, schreibt die Financial Times. So beschäftige die Branche laut Zahlen der Europäischen Zentralbank heute fast 370 000 Mitarbeiter weniger als 2008. Da seien mehr als elf Prozent der in Europa beschäftigten Banker, wobei der massive Abbau der Schweizer Banken UBS und Credit Suisse dabei nicht einmal berücksichtigt wurde. Und erst vor kurzem gab auch die Deutsche Bank bekannt, 9000 Stellen zu streichen.

Trotz der gesunkenen Attraktivität gehört die Finanzbranche jedoch noch immer zu den beliebtesten Arbeitgebern an den Topschulen. So zeigt der Blick in den aktuellen Placement Report, dass in Harvard mit 31 Prozent noch immer größte Teil in den Finanzbereich geht, aber nur noch fünf Prozent ins Investmentbanking und 14 Prozent in den Bereich Venture Capital/Private Equity. Dieser Trend zeichnet sich bereits seit 2012 ab.

Anders sieht es an der Wharton School aus. Hier landen mit einem Anteil von 36,9 Prozent auch in diesem Jahr die meisten Absolventen im Finanzbereich, der mit 14 Prozent größte Teil davon im Investmentbanking/Brokerage. 2010 waren es allerdings noch 20,6 Prozent. Jobs im Technologiebereich sind dagegen von 5,6 Prozent auf 11,3 Prozent gestiegen.

Eine ähnliche Entwicklung zeigt sich an der IESE Business School in Barcelona. Zwar ist der Finanzbereich mit 22 Prozent nach dem Consulting mit 29 Prozent noch immer die beliebteste Branche. Aufsteiger ist jedoch der E-Commerce mit elf Prozent, gefolgt vom Gesundheitsbereich mit sechs Prozent.

Auch am INSEAD steht Consulting mit 41 Prozent mit großem Abstand an der Spitze. In den Finanzbereich gingen 2014 nur 17 Prozent. 2007 waren es noch 28 Prozent. Im Bereich E-Commerce/Internet landeten elf Prozent. Mit 39 MBAs stellte Amazon dabei nach McKinsey, Boston Consulting Group und Bain &Company die meisten Absolventen ein. Google lag mit 13 Absolventen auf Platz 9 der Rekrutierer.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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