Master-Abschluss vom Spiegel?

Von am 5. Februar 2018
Spiegel Screenshot

Seit Januar bietet die Spiegel Akademie E-Learning-Kurse zum digitalen Arbeiten in Kooperation mit der SRH Fernhochschule in Riedlingen an und rühmt sich mit deren Größe. Künftig soll es auch Bachelor- und Master-Abschlüsse geben.

Die drei Kurse (Digital Media Management, Digital Business Management und Projekt- und Change-Management) der neu gegründeten Spiegel Akademie sind auf sechs Monate angelegt. Teilnehmer lernen unter anderem, wie sie bestehende Geschäftsmodelle für die Digitalisierung anpassen, neue digitale Geschäftsideen entwickeln und Unternehmensstrukturen effektiv erneuern, heißt es in der Pressemeldung. Moderiert werden sollen die Kurse von jeweils einem Professor der SRH und einem Spiegel-Experten, der „die wissenschaftlichen Inhalte durch Themendossiers, Video- und Podcast-Tutorials“ ergänzt. Künftig wolle die Spiegel Akademie auch Bachelor- und Master-Studiengänge anbieten.

„Die SRH Fernhochschule wurde 2005 vom Wissenschaftsrat als erste private Fernhochschule Deutschlands akkreditiert und 2010 re-akkreditiert. Spiegel online ist die führende Nachrichtenseite im deutschsprachigen Internet. In der Spiegel Akademie vereinigen diese beiden Größen ihre jeweiligen Stärken zu einem einzigartigen Angebot, in dem breites theoretisches Wissen, langjährige Lehrerfahrung und praktische, digitale Expertise einander perfekt ergänzen“, heißt es.

Dass die SRH Fernhochschule als Größe bezeichnet wird, ist zumindest bemerkenswert. Mal abgesehen davon, dass die Akkreditierung durch den Wissenschaftsrat Pflicht für private Hochschulen ist, hat bei Spiegel online wohl niemand die Akkreditierungsberichte des Wissenschaftsrates (SRH Wissenschaftsrat 2005 und SRH Wissenschaftsrat 2010) gelesen.

Denn die sind nicht unbedingt ein Ruhmesblatt und es gab einige Auflagen, vor allem auch in punkto Forschung. So hieß es 2010 unter anderem: Das Verhältnis von Hochschulleitung und Trägergesellschaft ist dergestalt zu ändern, dass mit Blick auf die Freiheit von Forschung und Lehre die nötige Unabhängigkeit institutionell gewährleistet ist…Zentral für die weitere Entwicklung der Lehre sind folgende Empfehlungen an die Hochschule: Die eigene Forschungsstrategie sollte stärker als bisher Grundlage der Etablierung neuer Angebote, insbesondere im Masterbereich, sein, um eine ausreichende Forschungsbasierung der angebotenen Studiengänge sicherzustellen.

Auch bei den Professoren der drei neuen Kurse sucht man vergeblich aktuelle Forschungsbeiträge in renommierten wissenschaftlichen Journalen – auch wenn das bei Fachhochschulen durchaus üblich ist. Schließlich kommen die drei Professoren aus der Praxis.

Die Online-Plattform der SRH entspricht zudem eher dem „alten E-Learning-Modell“ mit der elektronischen Bereitstellung von Studienbriefen und Online-Foren wie es ein Werbe-Video zeigt. Dagegen bieten andere Plattformen heute umfangreiche interaktive Elemente wie Projektarbeiten in virtuellen Teams, die Integration von sozialen Medien und Live-Unterricht.

Die Spiegel-Kurse kosten 1.290 Euro, durchaus ein stolzer Preis, zumal es auch etliche kostenlose MOOCs (Massive Open Online Courses) von renommierten internationalen Business Schools oder Universitäten zu ähnlichen Themen gibt.

So bietet die RWTH Aachen zum Beispiel kostenlos einen sechswöchigen Kurs „Innovation & Creativity Management“ an. Für 149 Dollar gibt es ein „Verified Certificate“, das sich zu einem Micromaster aufstocken lässt. Bei iversity gibt es zum Beispiel den Online-Kurs „Digital Marketing – Strategies & Channels“ für 399 Euro. Dort bietet  auch die WHU einen Kurs zu „Visual Thinking for Business“ ebenfalls für 399 Euro an, der von einigen deutschen Unternehmen bereits in ihr internes Weiterbildungsprogramm integriert wurde. Ob man mit einem Zertifikat der Spiegel-Akademie auf dem Arbeitsmarkt punkten kann, ist dagegen noch offen.

Etwas irreführend ist auch die Werbung: „Staatlich anerkannt: Hochschulzertifikate für digitales Arbeiten.“ Oder: „Die Kurse sind staatlich anerkannt, man bekommt ECTS-Punkte sowie eine Abschlussnote und sie können auf ein späteres Studium angerechnet werden – und zwar in ganz Europa.“ Staatlich anerkannt kann allenfalls die SRH Hochschule sein. Ob eine andere Hochschule die ECTS-Punkte für ihre Studiengänge anerkennt, kommt auf den Einzelfall an. Zumal es für die Kurse keinerlei Zulassungsvoraussetzungen (nicht einmal Abitur) gibt.

Dass der Spiegel-Verlag und Spiegel online mit seiner starken Marke auf der Suche nach neuen Einkommensquellen in den Bildungsmarkt einsteigt, ist nachvollziehbar. Dass man sich dabei für die SRH Fernhochschule entschieden hat, eher nicht. Für die ist die neue Kooperation natürlich ein Clou, der ihr neue Studenten bringen und auch ihr Image aufpolieren dürfte.

Und eine kritische Berichterstattung bei Spiegel online muss die SRH Higher Education, zu der mehrere Fachhochschulen gehören und die 2016 auch die angeschlagene EBS Universität für Wirtschaft und Recht übernommen hat, künftig wohl auch nicht mehr befürchten. Schließlich reagiert man dort nicht gerade zimperlich auf Kritik. So drohte man der Autorin sogar schon mal vor der Veröffentlichung eines Artikels oder versuchte es in einem anderen Fall mit abstrusen Unterlassungsforderungen.

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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