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In eigener Sache: Lügenpapst Jack Nasher scheitert vor Gericht

Von am 6. Juli 2016
Jack Nasher Gericht Campus MBA-Professor Jack Nasher

Jack Nasher, Professor an der Munich Business School, ist mit seiner Klage gegen die Journalistin Bärbel Schwertfeger wegen zweier kritischer Artikel über den „Lügenpapst“ endgültig gescheitert. Das OLG München hat seine Klage zurückgewiesen. Auffallend sind seine zahlreichen vorsätzlichen Lügen und Verleumdungen. Im Oktober 2016 wurde Nasher zudem wegen „Irreführung über seine Befähigung“ verurteilt.

Streitgegenstand waren zwei Artikel in der Zeitschrift Wirtschaft&Weiterbildung und auf der Website von Wirtschaftspsychologie aktuell, die sich kritisch mit dem Buch „Entlarvt“ (Campus Verlag) von Nasher und seiner Bezeichnung als „meistgelesener Wirtschaftspsychologe Kontinentaleuropas“ (Nasher über sich selbst) auseinandersetzen.

Gegen drei Aussagen in den beiden Artikel hatte Jack Nasher beim Landgericht München geklagt und zunächst teils Recht bekommen. Das Gericht untersagte der Journalistin im Dezember 2015 die beiden Aussagen:

  1. Einen Hinweis über den Abschluss eines Psychologie-Studiums findet man bei Professor Jack Nasher-Awakemian nicht.
  2. Generell gab es kein Magister-Studium in Psychologie

Dabei bezog sich das Landgericht darauf, dass Nasher im Rahmen der Klage mittlerweile sein Magister-Zeugnis in Philosophie mit zweitem Hauptfach Psychologie vorgelegt hatte und es daher inzwischen einen – allerdings nicht öffentlichen – Hinweis auf den Abschluss eines Psychologie-Studiums gab. Damit sei die – damals korrekte – Formulierung nicht mehr richtig.

Dass Jack Nasher dabei nur einen Bruchteil eines ordnungsgemäßen Psychologie-Studiums absolviert hatte (siehe Studienplan) und die Universität Trier bestätigte, dass das Magister-Studium in Philosophie nicht als ein Psychologie-Studium bezeichnet werden könne, hielt das Landgericht für irrelevant. Für den Richter mutierte ein Philosophie-Studium durch die Belegung einiger Psychologie-Vorlesungen offenbar zum Psychologie-Studium. Dementsprechend gab es laut Meinung des Gerichts auch ein Magister-Studium in Psychologie.

Nun hat das Oberlandesgericht (OLG) München die Entscheidung des Landgerichts am 24. Juni 2016 aufgehoben und die Klage insgesamt zurückgewiesen. Eine Revision wird nicht zugelassen.

Dabei kam das Gericht zu dem Schluss, dass die Äußerungen der Beklagten im Kontext der jeweiligen Wortberichterstattung den Kläger nicht in seinem allgemeinen Persönlichkeitsrecht verletzen. So handele es sich bei der ersten Äußerung um eine wahre Tatsachenbehauptung oder um eine tatsachengestützte Meinungsäußerung, bei der zweiten um ein zulässiges Werturteil.

Damit ist Nasher mit seiner Klage endgültig gescheitert.

Das OLG-Urteil zeigt zudem deutlich, wie fehlerhaft das Urteil des Landgerichts war. So heißt es zum Beispiel auf Seite 7: Zu Recht beanstandet die Beklagte, dass ihr eine Äußerung untersagt wird, die in dieser Form in den beiden Artikeln überhaupt nicht enthalten ist.

Verbreitung von Lügen

Nasher hatte das Urteil des Landgerichts weitflächig im Internet verbreitet – natürlich ohne Hinweis darauf, dass das Urteil nicht rechtskräftig war. So behauptete er, die Journalistin sei wegen falscher Berichterstattung vom Landgericht München verurteilt worden. Zudem verbreitete er auch gegenüber Redaktionen wiederholt Lügen und Verleumdungen über die Journalistin.

Das Verfahren hat NICHTS damit zu tun, ob sich Nasher trotz seines Minimal-Studiums in Psychologie als Wirtschaftspsychologe bezeichnen darf. Hier hat der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) Klage gegen Nasher wegen „Irreführung über seine Befähigung“ (Unlauterer Wettbewerb) erhoben. Ende Oktober 2016 wurde er vom Landgericht München dazu verurteiltes bei Meidung eines Ordnungsgeldes bis zu 250.000 Euro, ersatzweise Ordnungshaft bis zu sechs Monaten, zu unterlassen, „im geschäftlichen Verkehr zu Wettbewerbszwecken, insbesondere im Internet, sich selbst als Wirtschaftspsychologe zu bezeichnen“ (Originalurteil). Obwohl Nasher, der sich selbst als „Lügenpapst“ bezeichnet, genau weiß, dass die Verfahren nichts miteinander zu tun haben, vermischt er die beiden Verfahren gezielt.

Inzwischen hat er seine Verleumdungen noch erheblich verschärft und behauptet sogar, die Autorin sei beim BDP „beschäftigt“ und gar keine freie Journalistin – eine dreiste und vorsätzliche Lüge des „Lügenpapstes“ und bei weitem nicht die einzige. Auch Wikipedia nützen er bzw. seine Alter Egos gern zur Verbreitung von Lügen.

Bedenklich ist vor allem die Häufigkeit, mit der Nasher vorsätzlich und wider besseres Wissen lügt. So behauptete er jahrelang, am Sir Karl Popper Institut in Wien promoviert zu haben (und der Schweizer Seminaranbieter  ZfU behauptet das noch heute). Doch das Institut gab es nie an der Universität Wien. Sogar das Titelblatt seiner in der Bibliothek hinterlegten Promotion wurde offenkundig gefälscht.

Weiter behauptet er, der Campus Verlag, bei dem die Autorin zuletzt 1998 ein Buch veröffentlicht hat, würde nicht mehr mit ihr zusammenarbeiten, sondern mit ihm, was Campus schriftlich bestreitet – eine weitere vorsätzliche Lüge.

Notorisch lügt Nasher auch, was sein angebliches Wirtschaftsstudium angeht, mit dem er unter anderem rechtfertigt, dass er sich Wirtschaftspsychologe nennen kann. So behauptet er stets, einen „Master in Management“ zu haben. Doch das ist falsch. Er hat einen „Master in Management Research“ wie sein Zeugnis eindeutig belegt. Das ist kein klassisches Wirtschaftsstudium, sondern eine Art Vorbereitungsstudium für Kandidaten, die einen PhD anstreben und vermittelt die dafür notwendigen empirischen und theoretischen Forschungsmethoden. So erklärte der Professor für Unternehmensführung an der Munich Business School vor Gericht sogar selbst, während des Master-Studiums „überhaupt kein BWL“ studiert zu haben.

Zudem vermischt er gezielt seine Klage mit der Diskussion um den Bachelor oder Master und unterstellt der Journalistin fälschlicherweise, sie sei gegen die neuen Studienabschlüsse. Doch als Nasher seinen Magister erwarb, gab es noch keinen Bachelor. Entscheidend ist daher allein, ob sein „Psychologie-Studium“ im Rahmen des Magister-Studiums in Philosophie dem damals einzig möglichen Abschluss als Diplom-Psychologe entspricht.

Auch mit dem Streit, ob man sich mit einem Bachelor-Abschluss bereits als Wirtschaftspsychologe bezeichnen darf oder ob man dazu auch einen konsekutiven Master in Wirtschaftspsychologie benötigt, hat das vom OLG endgültig entschiedene Verfahren nichts zu tun.

Bei dem Streit ist die Gesellschaft für angewandte Wirtschaftspsychologie (GWPs), dessen Mitglieder vor allem Vertreter von Fachhochschulen sind, der Meinung, ein Bachelor in Wirtschaftspsychologie genüge bereits, um sich als Wirtschaftspsychologe bezeichnen zu dürfen und zudem sei der Titel nicht geschützt. Nach Auffassung des BDP sind dagegen ein Bachelor und ein Master notwendig.

Jack Nasher, dessen Fall eigentlich nichts mit der aktuellen Bachelor-Diskussion zu tun hat, nützt den Streit und behauptet mehrfach – auch bei Gericht – er werde von der GWPs „öffentlich unterstützt“ und bekäme von ihr „institutionelle Rückendeckung“ dabei, sich als Wirtschaftspsychologe bezeichnen zu dürfen. Dabei entspricht der Umfang seines „Psychologie-Studiums“ im damaligen Magister-Studiengang allerdings lediglich etwa einem Viertel eines heutigen Bachelor-Studiums in Psychologie.

Zwar schreibt der Präsident der GWPs, Professor Christian Dries: „Wir haben nie Partei für Herrn Nasher ergriffen“, eine klare Distanzierung lässt sich jedoch nicht erkennen. So verweist die GWPs, die bereits durch ihr fragwürdiges Verhalten aufgefallen ist, auf ihrer Website auf einen reichlich wirren Artikel von Nasher und verschweigt – ebenso wie dieser – ein neueres (noch nicht rechtskräftiges) Urteil zugunsten des BDP.

PS: Inzwischen gibt es in diesem Fall ein neues Urteil des Oberlandesgerichts Schleswig-Holstein vom 21. Juli 2016 (Aktenzeichen 6 U 16/15). Danach darf der Anbieter berufsbegleitender Weiterbildungslehrgänge diese Lehrgänge nicht mit dem Erlangen der Berufsbezeichnung „Betriebspsychologe (FH)“, Organisationspsychologe (FH)“ oder Kommunikationspsychologe (FH)“ bewerben, wenn die entsprechende Weiterbildung nicht auf ein Hochschulstudium der Psychologie der Teilnehmer aufbaut. Die Beklagte handle wettbewerbswidrig, weil ihre Werbung mit den Berufsbezeichnungen Betriebs-, Organisations- oder Kommunikationspsychologe (FH) irreführend ist, schreibt das OLG in seiner Pressemeldung. Sie erwecke gegenüber den Interessenten den Eindruck, dass diese sich nach Abschluss des Lehrgangs auch dann als „…-Psychologe (FH)“ bezeichnen dürfen, wenn sie vorher kein Psychologie-Studium absolviert haben. Das sei aber nicht so, denn das Führen des Titels „…-Psychologe (FH)“ ohne vorheriges Studium würde zu einer Täuschung der Verbraucher führen.

August 2017: Im Verfahren gegen den Berufsverband Deutscher Psychologen (BDP) hat Nasher laut Urteil vom 20. Juli vor dem OLG gewonnen. Sollte das Urteil Bestand haben, kann sich nun jeder als Wirtschaftspsychologe bezeichnen, auch wenn er – wie Nasher – kein Psychologie-Studium und kein Wirtschaftsstudium abgeschlossen hat. Auch Absolventen eines Bachelors in Psychologie/Wirtschaftspsychologie ständen daher künftig im Wettbewerb mit „Wirtschaftspsychologen“ ohne ein entsprechendes Studium.

Das Urteil basiert auf einer fehlerhaften Einschätzung der Tatsachen und falschen Schlussfolgerungen. So bezeichnet das Gericht sein Magister-Studium in Philosophie als Psychologie-Studium. Doch ein Studiengang in Philosophie mutiert nicht zum Psychologie-Studium, nur weil man ein paar Psychologie-Vorlesungen im Umfang eines Nebenfaches absolviert hat.

So hat auch die Universität Trier bestätigt, dass sich dieses Magister-Studium in Philosophie mit 2. Hauptfach Psychologie NICHT als „Psychologie-Studium“ bezeichnen lässt. Zudem heißt es über den damaligen Magister-Studiengang: „Philosophie und Psychologie werden nicht zu je 50 Prozent studiert. Studiert wird primär Philosophie. Von der Psychologie wird nur ein sehr kleiner Teil studiert, nämlich nur zwei von sieben Grundlagenfächern. Anwendungsfächer (Klinische, Pädagogische, Arbeits-, Betriebs- und Organisationspsychologie) können überhaupt nicht studiert werden. Das Studium des 2. Hauptfaches unterscheidet sich lediglich in der Anzahl der verlangten Seminarscheine vom Nebenfachstudium. Insbesondere qualifiziert das Studium des 2. Hauptfaches in keinster Weise zu einer beruflichen Tätigkeit als Psychologin/Psychologe!“

Nasher hat auch kein Studium zum Master in Management abgeschlossen, sondern einen Master in Management Research – eine notorische Lüge des Professors der Munich Business School. Das ist kein klassisches Wirtschaftsstudium, sondern eine Art Vorbereitungsstudium für Kandidaten, die einen PhD anstreben und vermittelt die dafür notwendigen empirischen und theoretischen Forschungsmethoden.

Zudem enthält sogar der Tatbestandsteil des Urteils zumindest einen gravierenden Fehler und das Urteil lässt sich daher eigentlich nur als hanebüchen bezeichnen.

Nasher wäre nicht Nasher, wenn er im Zusammenhang mit dem Urteil nicht erneut zahlreiche falsche Tatsachen, Lügen und wiederholten Verleumdungen über meine Person (obwohl ich nichts mit dem BDP-Verfahren zu tun habe) verbreiten würde. Dafür bekam er diesmal tatkräftige Unterstützung der Münchner PR-Agentur FortisPR, zu deren Kunden auch Unternehmen wie Bosch, Philips und der TÜV Süd gehören oder gehörten. Während die PR-Agentur – wohl nicht zuletzt aufgrund der Störerhaftung – später immerhin einen Rückzieher machte, verbreitet das fragwürdige PR-Portal openbroadcast.de weiter vorsätzlich falsche Tatsachen. Dort heißt es sogar, dass es sich bei dem OLG-Urteil um „ein höchstrichterliches Urteil“ handelt – was nun definitiv eine falsche Tatsachenbehauptung ist.

Laut Auskunft des BDP werden rechtliche Schritte gegen das aktuelle Urteil geprüft und daran gearbeitet, eine Revision beim BGH herbeizuführen.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

4 Comments

  1. Habre

    4. Juli 2017 at 13:46

    Bravo Frau Schwerfeger, vielen Dank für die Aufklärung und Ihre Beharrlichkeit. Solche Scharlatane müssen entlarvt werden. Wer sich für Jack Nasher interessiert, sollte mal das SWR-Interview auf Youtube verfolgen. Seine Augenbewegungen verraten soviel wie Bill Clintons Griff an die Nase während seiner Vernehmung zur Lewinski-Affäre

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