Ex-EBS-Präsident weiter zu krank fürs Gericht?

Prozess gegen Ex-EBS-Präsident Jahns: Weiter zu krank fürs Gericht?

Von am 28. August 2014

Der für den 1.September angesetzte nächste Verhandlungstermin gegen den ehemaligen Präsidenten der EBS Universität für Wirtschaft und Recht, Christopher Jahns, ist abgesagt. Grund ist die fortbestehende Erkrankung des Angeklagten.

Nachdem die Verhandlung am 30.Juli wegen akuter Herzprobleme des Angeklagten abgebrochen wurde, fällt nun auch der nächste Verhandlungstermin am 1.September aus. Laut Aussagen von Jahns Pressesprecher Dirk Metz befand sich Jahns Anfang August in einer Fachklinik und nahm auch psychologische Hilfe in Anspruch.

Seit April 2013 steht Christopher Jahns als ehemaliger Geschäftsführer und Präsident der EBS Universität für Wirtschaft und Recht vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft Wiesbaden wirft ihm vor, vier Rechnungen in der Gesamthöhe von 180.000 Euro von der Hochschule an die Beratungsfirma Brainnet bezahlt zu haben, ohne dass es hierfür entsprechende Leistungen gab. Jahns war damals selbst an Brainnet beteiligt. Er beteuert seine Unschuld.

Bereits bei der Verhandlung am 23.Juli hatte Jahns Strafverteidiger Alfred Dierlamm die Einstellung des Verfahrens gegen eine Geldauflage nach Paragraph 153 und 153a der Strafprozessordnung gefordert. Danach kann ein Verfahren gegen Auflagen beendet werden, wenn die Schuld des Angeklagten nur als gering gesehen werden könne. Das ist aber nur möglich, wenn die Staatsanwaltschaft zustimmt. Bisher hatte sie jedoch noch keine Gelegenheit, dazu Stellung zu nehmen.

Wie es um den Gesundheitszustand des Angeklagten wirklich steht, ist indes fraglich. So wurde am 1.August bekannt, dass Jahns am 2.Juli just zu dem Zeitpunkt, zu dem er eigentlich auf der Anklagebank sitzen sollte und sich gegenüber dem Gericht als verhandlungsunfähig entschuldigt hatte, an einem Event in einem Berliner Wellness-Tempel teilgenommen hat, was durch zahlreiche Fotos dokumentiert wird. Nachdem die Bild-Zeitung darüber berichtete, verschwanden dann die Fotos von der Website des Clubs „Aussergewöhnlich Berlin“.

Trotz seines schlechten Gesundheitszustands scheint Jahns auch weiterhin Wert auf seinen passenden Auftritt bei dem Club zu legen. So wird er in der Augustausgabe des Club-Magazins als Neumitglied mit folgendem Text (siehe unten) gefeiert: „Prof.Dr.Christopher Jahns, Smarter Education Group. Christopher Jahns ist Deutschlands bekanntester Universität-Entrepreneur und Persönlichkeits-Entwickler. Erst seit Kurzem in Berlin macht er schon sein Kreuzberger Kiez unsicher und bereichert unser Magazin mit seinen legendären Kolumnen. Willkommen zu Hause in Berlin Christopher!“

Da hat der 44-jährige, der schon immer einen ausgeprägten Hang zur Selbstüberschätzung hatte, offenbar einen Kreis Gleichgesinnter gefunden. Interessant sind dabei vor allem zwei Dinge: Erstens der Professor-Titel, den Jahns längst nicht mehr führen darf und sich daher strafbar macht, wenn er es tut. Zweitens das Foto. Denn das ist ausgerechnet ein Ausschnitt desselben Fotos, das ihn als angeblich schwer Herzkranken und verhandlungsunfähigen Angeklagten bei dem Treffen im Wellness-Tempel im 2.Juli zeigt und daher von der Club-Seite gelöscht wurde. Auch noch hübsch: Zusammen mit Jahns wird auch Spiegel-Redakteur Sven Böll als neues Club-Mitglied vorgestellt. Der Spiegel war es, der mit einem Artikel Anfang 2011 die ganze Affäre ins Rollen brachte.

Man darf also gespannt sein, wie es weiter geht. Stimmt die Staatsanwaltschaft einer Einstellung des Verfahrens zu? Muss das Verfahren neu aufgerollt werden, weil der bei Strafprozessen zulässige Zeitraum zwischen den Verhandlungsterminen überschritten wird? Gibt es einen Deal zwischen Staatsanwaltschaft und Verteidigung, bei der Jahns seine angeblichen Gesundheitsprobleme als Poker nutzt?

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

Ein Kommentar

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