INSEAD: Kritik an schikanierenden Aufnahmeritualen

Von am 30. Juli 2018
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INSEAD hat erstmals seine Einführungswoche für neue MBA-Studenten abgesagt. Grund sind die Beschwerden zweier Studenten über schikanierende Aufnahmerituale.

INSEAD hat bis auf weiteres seine traditionelle Welcome Week ausgesetzt, schreibt die Schule auf ihrer Website. Die Welcome Week sei eine eineinhalbtägige ausschließlich von Studenten gestaltete Reihe von Aktivitäten, bei der neue Studenten mit der INSEAD Kultur vertraut gemacht werden. Die Aktivitäten hätten nichts mit dem von Schule konzipierten MBA-Programm zu tun.

Erstmals habe es in diesem Jahr eine Beschwerde beim Comité National Contre le Bizutage wegen erniedrigender Aufnahmerituale gegeben. Zwei Studenten hätten sich durch die Aktivitäten verängstigt und schikaniert gefühlt. Das Kommitee habe daher eine Untersuchung eingeleitet und das Bildungsministerium informiert. Worum es dabei genau geht, ist nicht bekannt.

Unter Bizutage versteht man in Frankreich Initiationsriten im Hochschulmilieu, deren Tradition bis ins 12. Jahrhundert zurückreicht. Vor allem an Universitäten und Grandes Écoles waren Bizutages üblich. Auch in den USA haben solche erniedrigenden Einführungsrituale (auf Englisch Hazing) eine lange Tradition.

Allerdings gibt es auch zunehmend Kritik, da immer häufiger die Grenze zur Demütigung, Misshandlung oder zu sexuellen Übergriffen überschritten wurde.

In Frankreich wird Bizutage als „eine Vielzahl von erniedrigenden und traumatisierenden Riten in einem Ausbildungs- oder Hochschul-Milieu“ definiert und wurde 1998 ins Strafgesetzbuch aufgenommen.

Am INSEAD sind solche Initiationsrituale seit 1983 Teil der Welcome Week. Die ursprüngliche Idee sei es gewesen, das aufgeblasene Ego neuer Studenten zurechtzustutzen, schreibt die Financial Times. Üblich sei es dabei gewesen, neue Studenten aufzufordern, einem Fake-Sportclub beizutreten und sie dann unter Druck zu setzen, an extremen Übungen teilzunehmen.

Etliche Alumni sehen diese Rituale im Nachhinein als Charakter bildend. Einige hatten im vergangenen Jahr sogar eine Petition gegen deren geplante Abschaffung unterschrieben, so die FT.

INSEAD nehme die Vorwürfe sehr ernst, schreibt die Schule. Daher habe man die von den Studenten organisierten Aktivitäten sofort gestoppt. Zudem habe man den Studenten mitgeteilt, dass Täuschung, Streiche oder jegliche Verhaltensweisen, die in irgendeiner Form als Schikanierung empfunden werden können, nicht toleriert werden. Das sei schon immer die Position der Schule gewesen.

Die Gesundheit und das Wohlbefinden unserer Studenten haben höchste Priorität, erklärt INSEAD-Dean Ilian Mihov. Die Schule sei im Dialog mit den französischen Behörden.

Laut FT ist die Business School vor allem besorgt, dass der Vorfall die anstehende akademische Akkreditierung der Schule durch französische Behörden gefährden könnte.

INSEAD ist eine der führenden und internationalsten Business Schools weltweit. Der Vollzeit-MBA schnitt im Ranking der Financial Times in 2016 und 2017 als weltweit bestes MBA-Studium ab. In diesem Jahr landete die Schule auf Platz 2 nach der Stanford Graduate School of Business. Die Schule hat drei Standorte in Frankreich, Singapur und Abu Dhabi. Jedes Jahr absolvieren mehr als 900 Studenten das zehnmonatige MBA-Programm. Start des MBA-Studiums ist zweimal im Jahr.

Neben dem Vollzeit-MBA bietet INSEAD auch einen Executive MBA, einen Executive Master in Finance, einen Executive Master in Consulting and Coaching for Change und PhD-Programme an. Zudem nehmen jährlich mehr als 11.000 Manager an den Programenn der Executive Education teil.

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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