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IIMA: „Indien macht es keinem leicht“

Von am 24. April 2013

Das Indian Institute of Management in Ahmedabad (IIMA) gilt für viele als die beste Business School in Indien. Entsprechend groß ist der Andrang. Zugelassen werden weniger als 0,25 Prozent der Bewerber.  Dabei vergibt die Schule – wie alle insgesamt 13 IIMs – nicht einmal einen MBA-Abschluss, weil sie keine Hochschule ist. Auch in punkto Internationalität, Diversität und Forschung gibt es durchaus Nachholbedarf. Ein Gespräch mit IIMA-Direktor Samir K.Barua.

Das IIMA gilt zwar als eine der besten Managerschulen in Indien, aber in punkto Internationalität gibt es noch deutlich Nachholbedarf. Woran liegt das?

Samir K. Barua : Internationalität kann man auf mehreren Dimensionen betrachten. Was das Curriculum angeht, sind wir sehr international. Wir verwenden internationale Fallstudium und beschäftigen uns damit, was global passiert. Auch unsere Professoren haben oft internationale Erfahrung. Sie haben an renommierten Unis im Ausland studiert, dort unterrichtet oder sie forschen international. Wo wir ein Problem haben, ist bei den Studenten.

Warum? Ist das IIMA nicht attraktiv genug für Ausländer?

IIMA-Direktor Samir K Barua

IIMA-Direktor Samir K Barua

Nein, das liegt an unseren strengen Zulassungskriterien. Wer sich bei uns um einen Studienplatz bewirbt, muss den Common Admission Test (CAT) absolvieren und braucht ein sehr gutes Ergebnis. Das entspricht in etwa einem Wert im GMAT von 760. Und wer den erreicht, der wird auch bei den Topschulen in den USA oder Europa zugelassen. Warum soll er dann zu uns kommen?

Warum können Sie das nicht ändern?

Als ein Institut von nationaler Bedeutung unterstehen wir direkt dem Ministerium für Human Resources Development und das erlaubt uns bisher nicht, unsere Zulassungshürden zu senken. Denn um mehr ausländische Studenten zu bekommen, müssten wir uns für Bewerber mit einem etwas niedrigeren GMAT-Wert öffnen und das Programm auch international vermarkten. Aber das dürfen wir nicht. Doch was viele übersehen: Indien besteht aus 26 Bundesstaaten und zwischen einem Studenten, der aus Delhi oder Chennai kommt, gibt es erhebliche soziale und kulturelle Unterschiede. Das ist ein bisschen wie in Europa. Zudem haben wir Austauschprogramme auch mit einigen deutschen Schulen wie der WHU oder der HHL. Und es gibt sogar Dual Degrees etwa mit ESSEC, der HEC und Bocconi.

Eine Zulassung am IIMA gilt als schier unerreichbar. Wie viele Bewerber haben Sie?

2012 haben sich 173.886 auf die 381 Studienplätze beworben. Das bedeutet, dass wir weniger als  0,25 Prozent zugelassen haben.

Dabei bieten Sie nicht einmal einen MBA-Abschluss an.

Unser Flaggschiff-Programm ist das zweijährige Post-Graduate Programme in Management (PGP). Als IIM haben wir eine Sonderstellung. Wir wurden 1961 als Fachschule gemeinsam von den Regierungen von Gujarat und Indien und der Industrie gegründet. Wir sind keine Universität und dürfen daher auch keine akademischen Abschlüsse wie den MBA vergeben. Aber unsere Abschlüsse sind weltweit sehr angesehen und unsere Absolventen haben keine Probleme, selbst an Topschulen in den USA einen PhD zu machen.

Auch bei der Diversität sieht es eher düster aus. 83 Prozent der Studenten sind Männer, 96 Prozent haben einen Ingenieurhintergrund.

Das liegt an den Bewerbungen. Da haben wir nur 20 Prozent Frauen und die meisten sind Ingenieure. Darin spiegelt sich auch die Einstellung zu Bildung in Indien wider. Wer gut ist, der wurde bisher Ingenieur. Das ändert sich erst langsam. Wir beobachten aber noch eine andere interessante Veränderung. Vor 20 Jahren kamen die Studenten vor allem aus den großen Städten, heute kommen sie auch aus kleineren Orten. Aber bei der Diversität gilt dasselbe wie bei der Internationalität. Um Studenten mit einem anderen Hintergrund anzuziehen, müssten wir den Zulassungsprozess ändern und damit auch von unserem strengen Leistungsprinzip abweichen. Bei uns entscheiden ausschließlich gute Leistungen, ob jemand zugelassen wird.

Auch bei der Forschung hapert es noch.

Auch da haben wir noch Nachholbedarf. Aber wir haben vor fünf Jahren die Zahl unserer Studenten verdoppelt, da war die Lehre einfach erst einmal wichtiger. Unsere 90 Professoren unterrichten nicht nur die 1100 Vollzeit-Studenten, sie sind auch in der Executive Education aktiv. Da bleibt oft wenig Zeit für Forschung. Aber wir haben deutliche Fortschritte gemacht. In den letzten eineinhalb Jahren haben unsere Professoren 14 Papers veröffentlicht, das ist fast eine Verdoppelung. Und indem wir jüngere Professoren einstellen, bekommen wir auch mehr Forschung. Aber wir brauchen auch mehr Geld, um unsere Professoren zu Konferenzen schicken und Forschung betreiben zu können.

Ist es schwer, Professoren zu finden?

Wir sind sehr wählerisch, vor allem was die akademischen Leistungen angeht. Aber wir profitieren davon, dass immer mehr Inder vor allem aus den USA zurück nach Indien kommen oder zumindest eine Zeit hier verbringen wollen. Das kommt uns natürlich sehr entgegen.

Gibt es in Indien genug gute Business Schools?

Nein, da gibt es ein riesiges Vakuum. Wir haben vielleicht 3600 Managerschulen, aber richtig gut sind höchstens 20 bis 25. Managerweiterbildung war eine große Mode, die jetzt langsam wieder abebbt. Etliche Institute mussten daher schon schließen, weil sie nicht mehr genug Studenten hatten.

Bereits seit 2010 gibt es einen Gesetzentwurf, der es ausländischen Universitäten ermöglichen soll, in Indien eine Niederlassung zu eröffnen. Doch bisher tut sich nichts. Woran liegt es?

Ich würde es sehr befürworten, wenn gute Business Schools nach Indien kommen. Das würde unserer Managerweiterbildung einen neuen Schub geben. Aber ich befürchte, dass das Gesetz nie verabschiedet wird. Viele Managementinstitute – und darunter nicht unbedingt die besten – gehören Politikern und die haben doch kein Interesse, sich Konkurrenz ins Land zu holen. Ich glaube daher nicht, dass wir für Business Schools einmal so attraktiv werden wie zum Beispiel China. Dort werden ausländische Professoren teils vom Staat finanziert. Bei uns gibt es nichts. Indien macht es eben keinem leicht.

PS: Das gilt auch Journalisten. Der Besuch am IIMA war lange angekündigt und man war an einem Gespräch interessiert. Doch ein paar Tage vor dem Termin gab es dann unerwartete Probleme. Ohne eingereichten Lebenslauf könne man kein Interview mit dem IIMA-Direktor organisieren, hieß es kategorisch. Dass man sich als Journalist mit einem Lebenslauf um ein Interview bewerben muss, ist zumindest ungewöhnlich. Aber schließlich klappte es doch. Am Eingang der Schule folgte die nächste Hürde. Weil die Kontaktperson nicht ans Telefon ging, waren sechs Sicherheitsbeamte an der Pforte ratlos. Da die Besucherin aber nicht endlos warten wollte, ließ man sie schließlich allein auf den Campus, wo sie sofort von dem nächsten Sicherheitsbeamten zur Rede gestellt wurde. Nachdem die Irritationen beseitigt waren, beantworteten Ishita Solanki, Managerin für Global Partnerships & Corpoate Affairs, und IIMA-Direktor Samir K. Barua sehr freundlich und aufgeschlossen alle Fragen.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

Ein Kommentar

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