Global Network suspendiert Skolkovo

Von am 29. März 2022
SKOLKOVO Skolkovo SKOLKOVO Business School

Das Global Network for Advanced Management hat die Moskauer Skolkovo School of Management wegen des Ukraine-Kriegs ausgeschlossen – auf Antrag ihres Rektors.

Das Global Network for Advanced Management (GNAM) hat als Ausdruck seiner Solidarität mit der bedrängten Ukraine die Moskow School of Management Skolkovo suspendiert. Die russische Schule ist seit Dezember 2019 GNAM-Mitglied. Das Netzwerk, dem 32 führenden Business School angehören, versteht sich als Plattform für Innovation und bietet verschiedene Programme wie zum Beispiel die Global Network Weeks an, bei denen Studenten einen einwöchigen Intensiv-Minikurs an einer anderen Schule des Netzwerkes absolvieren können. In Deutschland gehört die ESMT Berlin dazu.

In seiner Erklärung verurteilte der Lenkungsausschuss die russische Invasion in der Ukraine. „Der Versuch der russischen Regierung, die Souveränität der Ukraine zu beenden, ist ein schreckliches Beispiel für gefühllose Brutalität“, heißt es in der Erklärung. „Mit seinen wahllosen Angriffen zerstört das russische Militär die ukrainische Gesellschaft und bedroht Millionen unschuldiger ukrainischer Bürger. Einstimmig und ohne Einschränkung verurteilt der Lenkungsausschuss die russische Regierung und bringt unsere Unterstützung für die Ukraine zum Ausdruck.“

Dabei weist der GNAM-Ausschuss darauf hin, dass der Rektor der Business School, Juri Levin, am 2. März eine persönliche Erklärung veröffentlicht hat, in der er seine tiefe Besorgnis über die Lage in der Ukraine und seinen Wunsch nach einem Ende der Gewalt zum Ausdruck bringt. So schrieb Levin: „Ich glaube, dass jeder Krieg gegen die menschliche Vernunft und die menschliche Natur verstößt, insbesondere wenn es sich um einen Krieg zwischen Nachbarn handelt. Mit dieser Botschaft möchte ich allen Menschen, die in diesen schrecklichen Konflikt verwickelt sind, meine tiefe Besorgnis und mein Beileid aussprechen. Nichts kann die Gewalt und den Tod von unschuldigen Menschen rechtfertigen. Ich hoffe, dass dieser Konflikt so bald wie möglich beendet wird und sowohl die russische als auch die ukrainische Bevölkerung in Frieden zu ihren Familien zurückkehren kann.“

Levin, der in Belarus geboren und in den USA aufgewachsen ist und zuletzt als Professor in Kanada lehrte, ist erst seit Ende 2020 Rektor der Moskauer Schule, nachdem die Stelle rund ein Jahr nicht besetzt war. Er selbst hatte das Gremium gebeten, Skolkovo zu suspendieren, schreibt der GNAM-Ausschuss, während Levin gleichzeitig die Hoffnung äußerte, „dass Skolkovo in der Lage sein könnte, seine Teilnahme irgendwann in der Zukunft wieder aufzunehmen.“ Die Suspendierung gilt mindestens bis Dezember 2022, wenn eine Verlängerung der dreijährigen Laufzeit zur regelmäßigen Überprüfung ansteht.

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Der Schritt sei bedauerlich, heißt es in der Erklärung des Gremiums angesichts der Fortschritte, die die russische Schule in den letzten Jahren gemacht habe. Seit seinem Beitritt zum Netzwerk habe Skolkovo vieles unternommen, um die Entwicklung weltweit agierender russischer Unternehmer voranzutreiben. Erst Anfang des Jahres hätten Skolkovo-Studenten gemeinsam mit anderen Teilnehmern des Netzwerks an dem Modul Global Virtual Teams teilgenommen. Zudem habe Skolkovo am Ausbau seiner Fakultät gearbeitet und sei dabei gewesen, gemeinsam mit anderen Mitgliedsschulen neue Studiengänge zu entwickeln.

„Die eigentliche Begründung für die Mitgliedschaft in Skolkowo und seine Gesamtstrategie sind hinfällig geworden, da die russische Wirtschaft auf dem Weg ist, sich immer mehr zu isolieren und sich weniger auf die Entwicklung von Humankapital zu konzentrieren“, schreibt der Ausschuss. Obwohl man keine umfassenden Kenntnisse über die Programme und den Betrieb von Skolkovo habe, erwarten man, dass die Schule einen erheblichen Verlust, wenn nicht sogar einen Exodus von Studenten, Mitarbeitern und Lehrkräften erleiden werde.

Der GNAM-Ausschuss ließ jedoch die Möglichkeit offen, dass einzelne Mitgliedsschulen außerhalb des globalen Netzwerks weiterhin mit Skolkovo zusammenarbeiten können.

Erst kürzlich hat die Business School anlässlich ihres 15-jährigen Bestehens eine Zehn-Jahres-Strategie vorgestellt. Dabei wurde auch der MBA überarbeitet und eine Kampagne gestartet, um neue Professoren nach Moskau zu locken: 30 Prozent des gesamten Lehrkörpers bis zum Jahr 2025 und 50 Prozent bis zum Jahr 2031 sollten nach Levins Plan neue Professoren sein.

Die Schule bietet drei internationale MBA-programme an. Einen Vollzeit-MBA, einen Executive MBA und seit 2018 einen Executive MBA for Eurasia zusammen mit der Hong Kong University of Science and Technology (HKUST), der sich auf die Länder an der neuen Seidenstraße (One Belt, One Road) fokussiert.

Die Schule gibt 3.400 Absolventen ihrer Degree- und Entrepreneurial Programme sowie 40.000 Teilnehmer an den Programmen insgesamt an. Der Schwerpunkt liegt bei der Executive Education und der Schulung von Unternehmern.

Skolkovo hatte bisher eine EQUIS-Akkreditierung. Allerdings haben die drei wichtigsten internationalen Akkreditierungsorganisationen ihre Akkreditierungen in Russland wegen des Ukraine-Krieges suspendiert.

Die 2006 gegründete Moscow School of Management SKOLKOVO ist die größte private Business School in Russland. Das gemeinsame Projekt von russischen und internationalen Geschäftsleuten wird von der russischen Regierung unterstützt. Zur Grundsteinlegung gab sogar der Kreml eine Pressemeldung von Präsident Putin heraus.

Zu den Gründern gehören auch einige Oligarchen wie der inzwischen auf der Sanktionsliste stehende Roman Abramovich. Inzwischen wurden ihre Namen von der Website gestrichen. Auch das EQUIS-Siegel ist verschwunden.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.