Gisma verlegt Ukraine nach Potsdam

Von am 24. Januar 2022
Pixabay Birgit Böllinger munich Icon image

In einem Werbefilm wirbt die Gisma Business School für die malerischen Schlösser in Potsdam. Doch die Aufnahme zeigt eine Burg in der Ukraine. English version

Man kennt das vor allem von Titelmühlen, also Fake-Universitäten, die für eine stolze Summe wertlose akademische Abschlüsse verkaufen. Auf ihren Fotos und Filmchen kann man oftmals fröhliche Studenten vor repräsentativen Gebäuden bewundern, gern auch vor einem malerischen Schloss.

Schlösser gibt es auch in Potsdam, wo sich der neue Campus der Gisma Business School befindet. Gleich 30 Schlösser und Gärten listet die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg auf. Als UNESCO-Weltkulturerbestadt sei die Stadt ein Tourismusmagnet und lade Studierende ein, „die historischen Stadtteile und Gärten, beeindruckenden Schlösser, Musik- und Theaterfestivals und natürlich die zahlreichen malerischen Seen zu genießen“ heißt es auf der Gisma-Website.

Schließlich spielt der Standort eine wichtige Rolle. Denn die seit September 2020 in Brandenburg anerkannte Fachhochschule gehört zum profitorientierten Bildungskonzern Global University Systems (GUS) und der setzt vor allem auf die Anwerbung von internationalen Studenten. Rund tausend Agenturen und Agenten arbeiten weltweit daran, junge Menschen bevorzugt aus Indien, Pakistan, Nigeria und aus anderen Schwellenländern an eine der GUS-Schulen – in diesem Fall nach Potsdam – zu locken, wobei die Gisma auch noch einen Standort in Berlin hat.

Und weil man in Indien und Nigeria vermutlich noch nichts von Potsdam gehört hat, wird der Studienort in höchsten Tönen beworben. Potsdam sei die Stadt mit der „zweithöchsten Wachstumsrate in Deutschland“, die zudem bekannt sei „für ihre boomende Wirtschaft und ihr reichhaltiges Freizeitangebot“. Und dazu gehören natürlich auch die prächtigen Schlösser.

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„Potsdam is famous for its scenic castles“ heißt es in dem Youtube-Werbefilm „Introducing our Potsdam Campus“ bei einer Landschaftsaufnahme mit einer malerisch am Fluss gelegenen Festung.

Screenshot: „Introducing our Potsdam Campus“ bei youtube

Nur dumm, dass die Aufnahme ganz offenkundig eine Festung in der Ukraine zeigt. „Aerial view of medieval Khotyn fortress on a Dniestr river, Chernivtsi region, Ukraine“ heißt es in der Bildbeschreibung zu einer fast identischen Ansicht in der Fotodatenbank Alamy.

Herausgefunden hat das Duncan auf der Website Find a MBA:  „There is a hilarious video of their ‚campus‘ in Potsdam. At least one if those buildings is a thousand kilometers away, in Ukraine.“

Auch die offenkundige Bildmontage von im Gras vor einem historischen Gebäude liegenden Studenten ist ihm aufgefallen: „I also loved the green screen montage at the end with the actors pretending to be in front of a building.“

Screenshot: „Introducing our Potsdam Campus“ bei youtube

Aber vielleicht lebt man bei der Gisma auch schlicht in einer anderen Realität? So wollte die Schule im letzten Jahr partout nicht die Frage beantworten, wie viele Studenten an der Gisma in Potsdam im Mai mit dem Studium begonnen haben und wie viele es in dem neuen Global MBA gibt und ob er daher überhaupt gestartet ist.

Stattdessen hieß es nur: „Der Studienbeginn für die junge Hochschule ist in Potsdam erfolgreich angelaufen.“ Und was erfolgreich bedeutet, ist natürlich Ansichtssache. So hat die Gisma dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg im Sommersemester 2021 gerade mal 29 Online-Studierende für die damals angebotenen sieben Studiengänge gemeldet. Das wären im Schnitt rund vier Studierende pro Studiengang, wenn – wie die Gisma inzwischen behauptet – alle Studiengänge begonnen hätten.

Die Gisma University of Applied Sciences wurde im September 2020 als Fachhochschule in Brandenburg anerkannt. Bis dahin durfte die in Hannover gegründete Privatschule keine eigenen Abschlüsse vergeben. Angeboten wurden daher im Franchise-Verfahren mehrere Studiengänge anderer Business Schools.

Zu den ersten fünf eigenen Postgraduate-Studiengängen (Gisma Awarded Postgraduate Programmes), die im Mai 2021 angeboten wurden, gehört auch der Global MBA. Dazu kamen 14 Studiengänge, deren Abschluss von anderen Hochschulen vergeben wird. Zu diesen „Gisma Partner Postgraduate Programmes“ gehörte auch ein MBA der Grenoble School of Management, der jedoch bereits seit Anfang 2021 nicht mehr angeboten wird.

Derzeit gibt es elf „Gisma Partner Postgraduate Programmes“. Bei neun Studiengängen wird der Master-Abschluss von der britischen University of Law vergeben, die ebenfalls zu den GUS-Schulen gehört. Die Universität für Rechtswissenschaften hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Ihre Business School bietet derzeit 18 Master-Programme an verschiedenen Standorten an.

Update 25. Januar: Kaum war der Artikel erschienen, wurde das Youtube-Video gelöscht. Eine Sicherungskopie vor Löschung liegt vor.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.