Gisma Business School verlegt Sitz nach Potsdam

Von am 15. März 2021
Gisma Business School Gisma Gisma in Hannover

Die Gisma Business School in Hannover verlegt ihren Hauptsitz nach Potsdam, wo sie bereits im September 2020 staatlich anerkannt wurde. Dort will das umstrittene Bildungsunternehmen Global University Systems eine Plattform für seine weltweiten Schulen errichten.

In der wechselvollen Geschichte der Gisma Business School in Hannover gibt es ein neues Kapitel. Die Business School, die bisher keinen Hochschulstatus hatte, verlegt ihren Hauptsitz nach Potsdam. Dort wurde sie bereits im September staatlich anerkannt.

2013 übernahm das umstrittene Bildungsunternehmen Global University Systems (GUS) die insolvente Business School und wollte sie zur Topschule des Bildungsunternehmens machen.

Doch daraus wurde nichts. Die Business School dümpelte vor sich hin und bot im Franchise-Verfahren mehrere Studiengänge anderer Business Schools an. 2017 eröffnete man zudem einen Campus in Berlin und bietet auch dort Franchise- Studiengänge an.

Im Mai 2019 verkündete man dann stolz, dass die Gisma in enger Kooperation mit dem niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur einen Antrag auf Konzeptprüfung gestellt habe und vom Wissenschaftsrat die Empfehlung zur staatlichen Anerkennung als Hochschule bekommen hatte. Nun müsse nur noch das Ministerium zustimmen und dann könne die Gisma erstmals eigene Studiengänge anbieten und anerkannte Abschlüsse verleihen.

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So eine Konzeptprüfung ist eine recht aufwändige Sache. Die zentrale Frage dabei ist, ob das vorgelegte Konzept eine geeignete Grundlage für die Gründung einer Hochschule bildet, an der Leistungen in Lehre und Forschung erbracht werden können, die anerkannten wissenschaftlichen Maßstäben entsprechen. Dazu gehört ein „akademischen Kern“ hauptberuflich beschäftigter Professorinnen und Professoren, der in qualitativer und quantitativer Hinsicht ihrem institutionellen Anspruch genügt und eine hinlängliche Kontinuität aufweist.

Die Umsetzung und Überprüfung der landesgesetzlichen Vorgaben und Anforderungen bleiben jedoch der staatlichen Anerkennung und fortlaufenden staatlichen Rechtsaufsicht vorbehalten, sprich sind also Aufgabe des jeweiligen Bundeslandes.

„Die starken regionalen Wurzeln und die internationalen Verbindungen machen die Gisma zu einem einzigartigen Ort zum Studieren und Arbeiten”, erklärte der damalige Gisma-Geschäftsführer Thorsten Thiel. “Dabei ist uns eine weitere Verankerung in Wissenschaft und Wirtschaft in der Region Hannover und Niedersachsen besonders wichtig.“ Schließlich wurde die Gisma 1999 auf Initiative des damaligen Ministerpräsidenten Gerhard Schröder und des Unternehmers Jürgen Großmann gegründet und zeitweise auch zu einem erheblichen Teil durch das Land Niedersachen finanziert.

Bis zum Herbst 2019 wolle die Gisma insgesamt fünf bis sieben Vollzeitäquivalente an angestellten ProfessorInnen berufen, schrieb Thiel. Der vorgeschriebene Anteil fest angestellter Professoren an der Lehre liege bei mindestens 51 Prozent.

Doch es passierte nichts. Die Anerkennung des Ministeriums ließ auf sich warten. Und Ende 2020 gab es gerade mal einen Professor auf der Website. Die Schule bot weiter ihre Franchise-Studiengänge an. Dazu kamen Sprachkurse.

Dazu muss man wissen, dass der Bildungskonzern GUS vor allem auf die Anwerbung von internationalen Studenten setzt. Rund tausend Agenturen und Agenten arbeiten weltweit daran, junge Menschen bevorzugt aus Indien, Pakistan, Nigeria und aus anderen Schwellenländern an eine der GUS-Schulen – in diesem Fall nach Deutschland – zu locken. Versprochen wird ihnen ein Studium in Deutschland, ein Sprachkurs, Hilfe bei der Unterkunft und Jobsuche.

In Deutschland gehören neben der Gisma die University of Europe for Applied Sciences, die HTK Academy sowie die Berlin School of Business and Innovation (BSBI) zu den GUS-Schulen, wobei letztere keine anerkannte Hochschule ist und die Abschlüsse vor allem von einer italienischen Fernuni verliehen wurden.

Dabei zeigt der Fall BSBI, dass die Versprechen bei weitem nicht immer gehalten werden. Dort führte das massive Missmanagement 2019 zu Protesten einiger Studenten. MBA Journal berichtete damals ausführlich darüber. Doch die Studenten saßen quasi in der Falle. Denn wirft die Schule sie raus, verlieren sie ihr Visum und natürlich auch ihre Studiengebühren.

Wie die Financial Times in einem aktuellen Artikel berichtet, blockierte der Senat Berlin indirekt vorrübergehend die Visa-Vergabe für BSBI-Studenten.

Dazu erklärt der Senat: “Die „Berlin School of Business and Innovation“ (BSBI) ist eine von Global University Systems (GUS) betriebene Franchiseeinrichtung, die in 2017 gemäß §124a BerlHG im Land Berlin angezeigt wurde. An der BSBI werden Studiengänge der italienischen Fern-Universität UNINETTUNO und neuerdings auch Kurse der University of Creative Arts (UK) angeboten. An der BSBI kam es in 2019 wiederholt zu Beschwerden einzelner Studierender, die sich über die schlechte Organisation und mangelnde Studienqualität an der Einrichtung beklagten. Die BSBI wurde deshalb zwischenzeitlich von der intern geführten Liste der 124a-Einrichtungen genommen (Anmerkung: die Liste wird auch für die Visa-Vergabe herangezogen). Die Wiederaufnahme in die Liste erfolgte, nachdem die BSBI schriftlich zugesichert hatte, Maßnahmen zur Verbesserung der Studienqualität zu ergreifen und die Ergebnisse dieser Maßnahmen an uns zu berichten. Die BSBI kommt dem nach, in dem uns Ergebnisse von Umfragen zur Studierendenzufriedenheit zur Verfügung gestellt werden.” Doch letztlich sind deutschen Behörden in solchen Fällen weitgehend die Hände gebunden, solange die Fernhochschule in Italien anerkannt ist und damit auch europaweit ihre Abschlüsse.

Derartig krasse Vorfälle sind von der Gisma bisher nicht bekannt, aber die weltweite Rekrutierungsmaschinerie verbunden mit einer bisweilen eher geringen Qualität der akademischen Ausbildung gehören zum Konzept aller GUS-Schulen. Zudem fragt man sich natürlich, warum das niedersächsische Ministerium die Business School trotz Empfehlung des Wissenschaftsrates 2019 nicht staatlich anerkannt hat.

“Die Gisma hat das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Oktober 2020 darüber informiert, dass der Antrag auf Anerkennung als Hochschule in nichtstaatlicher Trägerschaft gem. § 64 Niedersächsisches Hochschulgesetz am Standort Hannover nicht weiterverfolgt wird”, schreibt die Pressestelle des Ministeriums. Die Frage, warum die staatliche Anerkennung seit 2019 in Niedersachen verweigert wurde, beantwortet das Ministerium nicht.

Die Gisma wiederum war mit ihrer Konzeptprüfung durch den Wissenschaftsrat inzwischen nach Brandenburg gegangen und erhielt dort bereits im September 2020 die staatliche Anerkennung als Fachhochschule, nachdem sie die gesetzlichen Voraussetzungen für die Anerkennung nachgewiesen hat, wie das Wissenschaftsministerium in Potsdam mitteilt.

“Nach erfolgter positiver Konzeptprüfung durch den Wissenschaftsrat hat zu keinem Zeitpunkt eine staatliche Anerkennung durch das Land Niedersachsen infrage gestanden”, schreibt die Gisma. Gleichwohl sei man in seinen regelmäßigen Marktanalysen zu der Überzeugung gelangt, dass “die wirtschaftlich besonders dynamische Entwicklung im Großraum Berlin-Brandenburg hohe Attraktionskraft hat, auch für innovative Bildungsangebote wie sie die Gisma” anbiete. Dies gelte in besonderer Weise in Hinblick auf das internationale Profil der Gisma und dem Anspruch, “die Welt des Business und neueste technologische Entwicklungen zusammen zu bringen”. Das ist beispielsweise auch die Vision des Think Campus in Potsdam.” Von der regionalen Verbundenheit in Niedersachen ist nun keine Rede mehr.

Daher habe man die Einladung zur Ansiedlung der Gisma am Bildungsstandort Potsdam geprüft und angenommen. Nur wer hat sie eingeladen? Das Ministerium bestreitet, dass es eine Einladung gab. Allerdings lässt sich seit einiger Zeit beobachten, dass gerade Potsdam zum Hotspot neuer – und bisweilen eher fragwürdiger – Hochschulen wird. Hier ist auch die von dem ehemaligen EBS-Präsidenten Christopher Jahns gegründete XU Exponential University of Applied Sciences angesiedelt, nachdem sie zuvor im benachbarten Berlin mit ihrer Anerkennung gescheitert ist.

Auch die ebenfalls zum Bildungsanbieter GUS gehörende University of Europe for Applied Sciences (UE) zieht von Berlin nach Potsdam. An der ehemaligen BiTS in Iserlohn, die 2018 von GUS übernommen wurde, sollen inzwischen vor allem Studenten aus Indien studieren. In Potsdam hat der For-Profit-Bildungsanbieter auf dem neuen Think Campus rund 3.100 Quadratmetern angemietet und will ihn offenbar zum Mittelpunkt seiner weltweiten Aktivitäten machen. So erklärte Daniel Bolz, CEO der GUS in Deutschland: “Diese neuen Hochschulstandorte werden in Zukunft die Plattform für Kooperationen von GUS-Schulen aus der ganzen Welt sein und den Studierenden Raum für kreatives Arbeiten bieten.“

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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