FT-Ranking zum Executive MBA: Fragwürdig wie immer

Von am 2. November 2021
FT-Ranking Biais Jean Marc HEC Paris HEC Paris

Glaubt man dem neuen FT-Ranking, dann hat die HEC Paris den weltweit besten Executive MBA. Ansonsten punkten erneut Schulen aus China oder Programme in China.

Corona? Kein Problem für Absolventen des Executive MBA an der HEC Paris. Ihr Gehalt ist sogar um 66.000 Dollar gegenüber dem Vorjahr gestiegen und zwar auf sagenhafte 438.303 Dollar. Mit einer Gehaltsteigerung von 95 Prozent überholt die französische Schule selbst ihre chinesischen Mitbewerber und landet im Ranking der Financial Times (FT) zu den weltweit besten Executive MBAs auf Platz 1.

Bemerkenswert ist, dass die HEC Paris erst 2018 das erste Mal überhaupt im Executive-MBA-Ranking auftauchte und damals sofort auf einem sehr erstaunlichen 6. Platz landete. Ob die französische Business School, deren Dean 2017 das Ziel gesetzt hat, dass die HEC Paris künftig in den Rankings zu den zehn besten Business Schools der Welt zu gehören müsse, dabei wirklich in wenigen Jahren so viel besser geworden ist oder ob Experten geschickt an ein paar Schräubchen gedreht haben, sei dahingestellt. Zumindest gibt es bei dem Programm unterschiedliche Tracks. Einer davon findet in Qatar statt, wo es auch andere Gehälter gibt.

Auch in diesem Jahr schneiden Executive MBAs aus China oder mit chinesischer Beteiligung auffallend gut im FT-Ranking ab. So belegt die CEIBS gemeinsam mit dem Programm der Kellogg School of Management zusammen mit der Hong Kong University of Science and Technology (HKUST) Platz 2. Auf Platz 4 folgt der EMBA-Global Asia, den die Columbia Business School mit der University of Hong Kong und der London Business School (LBS) anbietet (Vorjahr Platz 10).

Auf Platz 5 liegt der Trium Global Executive MBA, an dem die HEC Paris neben der London School of Economics und der Stern School of Business an der New York University beteiligt ist (Vorjahr Platz 4). Platz 6 nimmt die ESCP Europe mit sechs Standorten in Europa, darunter auch einem Campus in Berlin ein (Vorjahr Platz 7) ein, gefolgt von der spanischen IESE Business School und dem EMBA-Global der Columbia Business School mit der London Business School auf Platz 8.

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Platz 9 und 10 gehen wiederum an Programme in China an das China-Programm SNAI-EMBA der W. P. Carey School an Arizona State University und das Programm des Antai College of Economics and Management an Shanghai Jiao Tong University. Auch hier fällt das hohe Gehalt auf. Bei der Arizona State University sind es sagenhafte 485.946 Dollar und damit sogar deutlich mehr als bei der HEC Paris auf Platz 1.

Damit sind erneut sechs der Top-Ten-Programme aus China, mit chinesischer Beteiligung oder werden in China angeboten. Ein wesentlicher Grund, dürfte dabei wie immer die Umrechnung des Gehalts bzw. die Gehaltssteigerung entsprechend der Kaufkraftparität (Purchasing Power Parity, PPP) sein, von der Schulen aus China und den Schwellenländern regelmäßig aufgrund der höheren Kaufkraft des Dollars profitieren. So liegt das Gehalt beim Kellogg/HKUST bei erstaunlichen 508.964 Dollar. An der ESCP sind es dagegen nur 290.707 Dollar. Und an der Schweizer Topschule IMD, die diesmal auf Platz 30 landet, sind es sogar nur 252.636 Dollar.

Da das Gehalt und der Gehaltszuwachs 40 Prozent der Bewertung beim FT-Ranking ausmachen, sind die Verzerrungen gravierend, werden von der FT jedoch seit Jahren hartnäckig ignoriert.

So ist die Arizona State University mit ihrem Executive MBA in den USA nicht in dem Ranking vertreten. Gleiches gilt für die Grenoble Business School, die jedoch mit ihrem Programm in Georgien und Russland auf Platz 87 landet. Damit wird deutlich: Will eine Business School im Ranking der Financial Times punkten, braucht sie eine Partnerschule aus China oder einem Schwellenland oder führt dort ihr Programm durch.

Besonders deutlich zeigt sich die Absurdität stets in Indien. So liegt das Gehalt an der Indian School of Business bei 319.470 Dollar und damit erheblich höher als am Schweizer IMD.

Bestes deutsches Programm nach der ESCP Europe mit ihrem Campus in Berlin ist der Kellogg-WHU Executive MBA, ein gemeinsames Programm von Kellogg mit der WHU – Otto Beisheim School of Management in Düsseldorf, auf Platz 24 (Vorjahr Platz 16), das sich mit einem Gehalt von 233.803 Dollar gut schlägt. Die ESMT kommt auf Platz 36 (Vorjahr Platz 39). Die Frankfurt School of Finance and Management verschlechtert sich von Platz 76 auf Platz 83 und die Mannheim Business School von Platz 72 auf Platz 92. Der Essec & Mannheim EMBA fällt von Platz 32 auf Platz 45. Die Universität St. Gallen steigt von Platz 47 auf Platz 42.

An dem diesjährigen FT-Ranking haben 136 Programme teilgenommen, inklusive 14 Joint-Programme mehrerer Schulen. Zwei Schulen schafften erstmals den Einstieg: Die Moskauer Skolkovo School of Management auf Platz 58 und die chinesische Zhejiang University School of Management auf Platz 65.

Voraussetzung für die Teilnahme am Ranking ist eine Akkreditierung der AACSB oder von EQUIS. Die EMBA-Klasse muss das Programm gemeinsam als Kohorte durchlaufen und mindestens 30 Teilnehmer haben. Executive MBA Programme richten sich an Führungskräfte mit langjähriger Berufserfahrung.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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