FT-Ranking zu Executive MBAs: China führt

Von am 24. Oktober 2022
Executive MBA

Im neuen Ranking zu den weltweit besten Executive MBAs führen drei Programme mit chinesischer Beteilung. Die Bewertung ist so abstrus wie eh und je.

Im neuen Ranking der Financial Times zu Executive MBA liegen der Executive der Kellogg-HKUST in Hongkong, der CEIBS in Shanghai und der Tsinghua-INSEAD Executive MBA an der Spitze. Zwei davon werden mit internationalen Partnern betrieben, die CEIBS gilt als chinesisch-europäisches Joint-Venture. Weitere vier der elf Topschulen haben Standorte in Hongkong, China oder Singapur. Das zeigt, dass Hochschulen mit globalen Partnerschaften in der Region oftmals besser gerankt werden.

Die HEC Paris, letztes Jahr noch auf Platz 1, erreicht mit ihrem Programm in Paris und Doha in Qatar Platz vier, die ESCP Business School mit Standorten in Frankreich, Libanon, Italien, Polen, Spanien und Berlin liegt auf Platz 5 (Vorjahr Platz 6). Beste US-Schule im Alleingang ist das die MIT Sloan School of Management auf Platz 7.

Unter den europäischen Schulen schneiden die beiden spanischen Schulen IESE Business School in Barcelona auf Platz 10 und die IE Business School in Madrid auf Platz 12 am besten ab. Es folgt die Oxford Saïd Business School auf Platz 15. Auf Platz 16 und acht Plätze besser im Vorjahr liegt der Kellogg/WHU Executive MBA – und ist damit das beste Programm mit Beteilung einer deutschen Hochschule. INSEAD kommt auf Platz 17 und die London Business School auf Platz 19.

Der ESSEC/Mannheim Executive MBA kann sich von Platz 45 auf Platz 29 verbessern und liegt gleichauf mit dem IMD. Die ESMT verschlechtert sich dagegen von Platz 36 auf Platz 43. Die Frankfurt School gewinnt wiederum und steigt von Platz von 82 auf 63. Die Mannheim Business School verbessert sich um 18 Plätze auf Platz 74.

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Das Ranking 2022 kommt zu einer Zeit mit veränderten Anforderungen an Studierende und Lehrende, sowohl was die Inhalte angeht als auch an die Art und Weise, wie sie gelehrt werden. Die Methodik des Rankings basiert auf Daten zu Faktoren wie Gehälter, Bewertungen von Karriereservice, die Erreichung der Ziele und die Qualität der akademischen Forschung sowie die Ausgewogenheit der Geschlechter und die internationale Vielfalt von Studierenden.

Das diesjährige Ranking wirkt besonders abstrus, da die Corona-Pandemie das Reisen unmöglich machte und das vor allem China betraf und betrifft. So stellte die CEIBS die Vermarktung ihres globalen Executive MBA bei internationalen Bewerbern aufgrund von Quarantänebestimmungen und Visabeschränkungen vorübergehend ein. Gerankt wird jedoch das globale Executive MBA. Die Nachfrage nach dem chinesischsprachigen Studiengang sei aber nach wie vor hoch.

China profitiert – wie üblich – von der Verzerrungen durch die Bewertungskriterien. Ein Grund ist die Umrechnung des Gehalts bzw. die Gehaltssteigerung entsprechend der Kaufkraftparität (Purchasing Power Parity, PPP), von der Schulen aus China und den Schwellenländern regelmäßig aufgrund der höheren Kaufkraft des Dollars profitieren. So liegt das Gehalt beim Kellogg/HKUST bei erstaunlichen 548.197 Dollar, rund 40.000 Dollar mehr als im Vorjahr. Die CEIBS liegt bei 519.785 Dollar (Vorjahr 487.372 Dollar). Das IMD in der Schweiz liegt dagegen bei nur bei 264.340 Dollar.

Da das Gehalt und der Gehaltszuwachs 40 Prozent der Bewertung beim FT-Ranking ausmachen, sind die Verzerrungen gravierend, werden von der FT jedoch seit Jahren hartnäckig ignoriert. Überhaupt wirkt das Ranking mit seiner Fokussierung auf das Gehalt in einer Zeit, die von Corona, Klimakrise, sozialer Ungerechtigkeit und dem Krieg in der Ukraine geprägt ist, wie aus der Zeit gefallen.

Die Yale School of Management in den USA belegt den ersten Platz bei Bewertungen der erreichten Ziele, gefolgt von der IESE Business School in Spanien und der Universität St. Gallen in der Schweiz. Die meisten Frauen unter den Studierenden gibt an der BI Norwegian Business School/Fudan University School of Management mit 68 Prozent, an der HKU Business School (61 Prozent) in Hongkong und der Kedge Business School in Frankreich und China (51 Prozent). Die beste Schule im Bereich Forschung, basierend auf einer Rangliste der jüngsten Veröffentlichungen in führenden akademischen Fachzeitschriften, ist die Wharton School, gefolgt von Booth Chicago, MIT Sloan, INSEAD und Kellogg. Die Forschung ist mit zehn Prozent – viermal so wenig wie das Gehalt und Gehaltszuwachs – das zweitwichtigste Kriterium.

Unter den Hochschulen, die in ihrem Lehrplan einen Schwerpunkt auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) berücksichtigen, liegt die IESE Business School an erster Stelle, gefolgt von der IE Business School. Das fließt jedoch nur mit drei Prozent in die Bewertung ein.

An dem Ranking haben 138 Schulen teilgenommen, inklusive 13 Joint-Programme von mehreren Schulen. Neu ist als einzige die australische Monash Business School, die auf Platz 67 landete. Die Daten für die Rangliste werden anhand von zwei Online-Umfragen erhoben. Die erste wird von den teilnehmenden Schulen ausgefüllt, die zweite von den Absolventen, die im Jahr 2019 ein Studium abgeschlossen haben. Normalerweise müssen mindestens 20 Prozent der Absolventen einer Schule an der FT-Umfrage teilnehmen, damit eine Schule für das Ranking in Frage kommt, wobei mindestens 20 Antworten vorliegen müssen. Aufgrund der Corona-Pandemie berücksichtigte die FT Schulen mit einer geringeren Rücklaufquote. Etwa 4.117 Alumni füllten die Umfrage aus, was einer Rücklaufquote von rund 42 Prozent entspricht.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.