Fortune-Ranking: Fragwürdige Kriterien  

Von am 14. November 2022
Pixabay Joshgmit

Nach dem desaströsen Debüt des MBA-Rankings im vergangenen Jahr hat Fortune nun eine aktualisierte Liste der besten Vollzeit-MBA-Programme in den USA veröffentlicht.

Im neuen Fortune-Ranking führt das MBA-Programm der Harvard Business School die Liste an, gefolgt von Chicago Booth, Northwestern Kellogg, Wharton und Stanford. Der MBA der Columbia Business School liegt an sechster Stelle, die NYU Stern an siebter, die Duke Fuqua an achter, die MIT Sloan an neunter und die Darden School of Business der University of Virginia an zehnter Stelle. Yale und Berkeley werden auf den Plätzen 12 und 13 geführt.

Der größte Aufsteiger in den Top 25 ist die Howard University, deren MBA-Programm nun auf Platz 24 rangiert, sechs Plätze besser als im letzten Jahr. Das Programm, das in den Top 25 am meisten an Boden verloren hat, ist die McDonough School of Business der Georgetown University, die um sechs Plätze auf Rang 25 zurückgefallen ist.

Vier Schulen, deren MBA-Programme regelmäßig zu den Top 25 in den USA gehören, fehlen in dem Ranking völlig: Michigan Ross, Carnegie Mellon Tepper, USC Marshall und Emory Goizueta. Für ihr Fehlen gibt es keine Erklärung. Vielleicht haben sie sich geweigert, das Formular auszufüllen, das Fortune an die Schulen geschickt hat, um Daten zu erhalten, spekuliert das MBA-Portal Poets&Quants.

65 Prozent der Gewichtung machen die Einstiegsgehälter aus. Dazu wurde der Median des Grundgehalts und der Mittelwert des Grundgehalts für den MBA-Jahrgang 2021 jedes Programms gleich gewichtet. Antrittsprämien wurden nicht berücksichtigt. Zudem wurde der Prozentsatz der neuen Absolventen, die innerhalb von drei Monaten nach ihrem Abschluss eine Stelle angenommen haben, berücksichtigt. Dabei gibt das Magazin weder die genaue Gewichtung für eine dieser drei Kennzahlen bekannt, noch passt es die Gehaltsdaten an die Wahl der Branche oder des Standorts an.

Unterstützen Sie MBA Journal mit einem Betrag Ihrer Wahl, wenn Sie weiter fundiert recherchierte News lesen wollen.
Spenden mit dem PayPal-Button

Diese Gewichtung ist fast doppelt so hoch wie beim Ranking von U.S. News und Bloomberg Businessweek. Und es auch deutlich mehr als bei der Financial Times, die dem Gehalt eh schon eine große Bedeutung zumisst.

25 Prozent der Bewertung macht der Markenwert aus. In Zusammenarbeit mit Ipsos befragte Fortune Geschäftsleute und Personalchefs nach ihrer Meinung zu bestimmten Business Schools. Diese Kennzahl betrachtet die Markenstärke der Business Schools, nicht nur deren Vollzeit-MBA-Programme. Für diese Untersuchung wurden insgesamt 2.500 Fachleute gefragt, die in einem Unternehmen arbeiten, ein College und/oder eine Hochschule besucht haben und mindestens zwei der von uns ausgewählten Schulen kennen. Sie durften auch ihre eigene Business School bewerten.

Die Auflistung in den Fortune 1000 macht zehn Prozent der Bewertung aus. „Gute Business Schools helfen Absolventen dabei, gute Jobs zu bekommen, während Eliteprogramme dazu beitragen, die zukünftigen Führungskräfte der Wirtschaft zu entwickeln. Wir haben nach Schulen gesucht, die eine gute Erfolgsbilanz in letzterem Bereich aufweisen“, heißt es. Deshalb wurde die Anzahl der MBA-Absolventen jeder Schule (egal ob Vollzeit oder Executive MBA) untersucht, die als Führungskräfte (nur C-Suite) in Fortune-1000-Unternehmen tätig sind. Dazu gehören CEOs, CFOs und CIOs. Je mehr Fortune 1000-C-Levels, desto höher der Fortune-1000-Score der Schule.

Alles in allem höchst fragwürdige Kriterien, die nicht einmal genau erklärt werden. Schon das letzte Ranking war mehr als zweifelhaft. Das neue Ranking wird den Kritikern, die seit langem argumentieren, dass Rankings bedeutungslose Clickbait-Wettbewerbe sind, weitere Munition liefern. Der Economist hat nach massiver Kritik vor kurzem seine Ranking-Tätigkeit eingestellt. Forbes hat sein Ranking in den letzten drei Jahren nicht mehr veröffentlicht. Das Ranking von Bloomberg Businessweek wurde erneut als mangelhaft kritisiert.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.