EY: Kostenloser Hult-MBA stößt auf geringe Nachfrage

Von am 12. April 2022
EY unsplash nick-pampoukidis EY Bürogebäude

Die Wirtschaftsprüfung EY bietet ihren weltweit mehr 300.000 Mitarbeitenden einen kostenlosen MBA der Hult Business School an. Die Nachfrage ist gering, die Rolle der Business School fragwürdig.

Wer bei EY arbeitet, kann seit 2020 einen kostenlosen TechMBA absolvieren. Den Abschluss vergibt die Hult Business School. Das Angebot soll nicht nur die eigenen Mitarbeitenden weiterbilden und an das Unternehmen binden, sondern auch neue Mitarbeiter anziehen. Schließlich sparen sie sich die Studiengebühren für einen Online-MBA und die liegen bei Hult bei 39.800 Dollar.

Das Programm basiert auf sogenannten EY Badges, also kleineren Lernprogrammen. Innerhalb eines frei wählbaren Zeitraumes müssen die MBA-Teilnehmer 16 EY Badges aus den drei Themenfeldern Technologie, Leadership und Business absolvieren. Die EY Badges stehen allen Mitarbeitenden zur Verfügung und können zu jeder Zeit nach Absprache mit der Führungskraft absolviert werden. Beim Digital Badge in Technologie geht es zum Beispiel um Themen wie Rethinking Business Models to Enable Digital Transformation, Lean Product Management, Social Media for Persuasive Communication und Google Analytics. Das Agility Badge zu Leadership umfasst Themen wie Adapting to change, Role of Emotional Intelligence in Self-awareness, Successful remote Working und Growth Mindset. Und beim Business-Badge (Strategy Badge) stehen Themen wie Strategic Models and Theories, Economics Concepts, Customer Centric Thinking, Business Analysis und Framework for Developing and Implementing a Winning Digital or Innovation Business Strategy auf dem Programm.

Die 16 EY Badges umfassen insgesamt rund tausend Stunden. Dabei handele es sich um 330 Stunden im Bereich Learning und 760 Stunden im Bereich „Experience“, also der Anwendung des Gelernten im Arbeitsalltag, schreibt die EY-Pressestelle. Zu jedem Badge müssen die Teilnehmenden ein „Reflection Paper“ schreiben.

Zudem absolvieren sie innerhalb von drei Monaten insgesamt sieben Online-Kurse an der Hult Business School. Durch die Reflektion ihrer Lernleistungen in Hausarbeit-ähnlichen Formaten (sog. „Pillar Paper“), setzten sie sich gezielt mit den Themengebieten auseinander, um das Gelernte in die Praxis zu überführen und neue Arbeitsweisen zu entwickeln oder den Einfluss von Technologien zu reflektieren, schreibt die EY-Pressestelle.

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Am Ende jeden Monats wird eine Klausur über die Inhalte zum jeweiligen Pillar geschrieben. Abschließend erfolge die gemeinsame Erarbeitung eines Projektes, das mit der EY-Unternehmensstrategie verknüpft sei. Die Dokumentation dieser Arbeit stelle den Abschluss des Tech MBA dar.

Die Frage nach dem zeitlichen Umfang der an der Business School absolvierten Studienteile beantwortet EY auf Nachfrage nicht. Das wirft zumindest die Fage auf, inwieweit hier ein firmeninternes und auf die Unternehmensziele ausgerichtetes Weiterbildungsangebot von Hult quasi „akademisch adelt“ wird.

Die Mitarbeitenden könnten den MBA in 18 Monaten oder innerhalb von bis zu sechs Jahren erwerben, schrieb Poets & Quants im Juli 2020. Die erste deutsche MBA-Absolventin spricht in einem Interview auf der EY-Website von „drei Hult-Workshops, die Teil des Abschlussprojekts sind“ und „von vielen Herausforderungen“ geprägten zehn Monaten.

Zugelassen wird jeder EY-Mitarbeiter, der die Voraussetzungen (Bachelor-Abschluss und drei Jahre Berufserfahrung) erfüllt. Wichtig sei, dass alle „Reflection Paper“ der EY Badges den Kriterien entsprechend geschrieben wurden, schreibt die EY-Pressestelle. Diese würden bei der Anmeldung zum TechMBA einmal vom internen MBA-Team von EY geprüft. Dann prüfe Hult, ob die Kandidaten alle Learning-Anforderungen erfüllt haben. Hierbei sei es wichtig, dass die richtige Anzahl an Bronze- und Silver-Badges aus den drei verschiedenen Pillars sowie die entsprechenden Trainings absolviert wurden und die Reflection Papers den Anforderungen entsprechen. Zudem müssten die Bewerbenden ein Personal Statement schreiben, einen Englisch-Test absolvieren sowie beruflichen Referenzen abgeben.

Sehr gefragt ist das Angebot bisher offenkundig nicht. Im vergangenen März berichtete EY von den ersten acht Studierenden, die ihren Abschluss gemacht hätten. Im Februar 2022 – also fast zwei Jahre nach dem Start – haben gerade mal 55 von weltweit 312.000 Mitarbeitenden den kostenlosen MBA abgeschlossen. Das seien 0,2 Prozent der Beschäftigten, berichtet das MBA-Portal Poets & Quants.

Mögliche Gründe für das geringe Interesse sind einmal die nicht unbedingt hohe Reputation der Hult Business School. Zwar hat die Schule eine dreifache Akkreditierung (AACSB, AMBA und EQUIS) und taucht auch immer mal wieder in den Rankings auf. Im Ranking der Financial Times zu Vollzeit-MBAs lag sie im Vorjahr auf Platz 99 von 100. In diesem Jahr ist sie ganz herausgefallen. Im Ranking „Best Online MBA Programs“ von U.S. News & World Report, in dem 358 Online-MBAs in den USA gerankt wurden, ist Hult nicht dabei.

Dazu kommt, dass beim firmeninternen EY-MBA naturgemäß ein erheblicher Anteil der wesentlichen MBA-Erfahrung fehlt: Das Lernen von den Mitstudierenden aus anderen Branchen und Unternehmen und mit unterschiedlichen Hintergründen. Das ist zwar grundsätzlich eine Crux von firmeninternen MBA-Programmen. Hier kommt aber auch noch der fehlende persönliche Kontakt und der offenkundig eher geringe Anteil der Hult-Aktivitäten dazu. Und wie hoch der „Marktwert“ des EY-MBAs beim Wechsel in ein anderes Unternehmen ist, ist offen.

Immerhin soll Hult laut Aussagen von Insidern der Wirtschaftsprüfungsfirma keine Kosten für das Programm berechnet haben. Offenbar sah die vor allem für ihr aggressives Marketing bekannte Business School darin eine gute Möglichkeit, ihr MBA-Angebot besser zu vermarkten getreu dem Motto: Wenn schon EY auf uns setzt, spricht das für die Qualität unseres Programms.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.