Economist-Ranking: Rangliste zum Kopfschütteln

Von am 4. November 2019
Economist HEC Paris Unterrricht an der HEC Paris

Das britische Wirtschaftsmagazin Economist hat sein neues MBA-Ranking veröffentlicht, das erneut etliche fragwürdige Platzierungen und absurde Auf- und Abstiege aufweist.

Auf Platz 1 im Ranking des Economist zu den weltweit besten Vollzeit-MBAs liegt erneut die Chicago Booth School of Business, gefolgt von der Harvard Business School, die sich damit um einen Platz verbessert. Platz 3 belegt die HEC Paris, die um zehn Plätze nach oben rückt. Zusammen mit der spanischen IESE Business School auf Platz 10 (Vorjahr Platz 6) ist sie die einzige europäische Schule, die es unter die Top 10 schafft.

SDA Boccconi kommt auf Platz 13 und gewinnt elf Plätze. Damit liegt die Mailänder Schule neun Plätze vor INSEAD auf Platz 22. Die London Business School – die neben INSEAD als eine der besten Schulen in Europa gilt – kommt nur auf Platz 25 und liegt damit sogar einen Platz hinter der Warwick Business School. Das IMD in Lausanne – ebenfalls eine der besten Schulen in Europa – muss sich mit Platz 35 begnügen. 2013 lag es noch auf Platz 13.

Beste deutsche Schule ist Mannheim Business School auf Platz 44 (Vorjahr Platz 42), gefolgt von der ESMT auf Platz 65, die damit neun Plätze schlechter als im Vorjahr abschneidet. Die WHU verbessert sich dagegen um neun Plätze und kommt auf Platz 76. Die HHL belegt Platz 81 (Vorjahr 77). Die Universität St.Gallen erreicht erneut Rang 92.

Das Economist-Ranking ist berüchtigt für seine fragwürdigen Platzierungen und großen Auf- und Abstiege. So gibt es diesmal bei 19 Schulen einen Auf- oder Abstieg im zweistelligen Bereich. Im Vorjahr war das allerdings noch bei 33 Schulen der Fall. Am härtesten trifft es die University of Hong Kong, die gleich 28 Plätze schlechter ab als im Vorjahr abschneidet und auf Rang 67 fällt.

Etliche Schulen sind ganz aus dem Ranking gefallen, darunter die Audencia Business School in Frankreich (Vorjahr Platz 90). Und mit 35 Schulen gibt es eine lange Liste von Schulen, die die Voraussetzungen (z.B. fehlende Akkreditierung, zu geringe Klassengröße) nicht erfüllen, oder ihre Teilnahme verweigert haben. Darunter sind zahlreiche renommierte Business Schools wie das Babson College, die CEIBS in Shanghai, die Copenhagen Business School, die Henley Business School, die Hong Kong University of Science and Technology, die Imperial College Business School, die Manchester Business School und die Rotmann School of Management an der University of Toronto.

Wie fragwürdig das Ranking ist, lässt sich gut an der spanischen IE Business School belegen. Die Schule, die zu den europäischen Topschulen gehört und in anderen Rankings meist auf den vorderen Plätzen landet, legte einen atemberaubenden Absturz hin. 2016 war sie im Economist-Ranking noch auf Rang 16. Nun liegt sie nur noch auf Platz 69 und hat sich gegenüber dem Vorjahr noch mal um sechs Plätze verschlechtert. Da sich die Qualität eines MBA-Programms innerhalb kurzer Zeit in der Regel nicht gravierend ändert, liegt das vor allem an der fragwürdigen Metholodogie.

Auffallend ist erneut die Dominanz der US-Schulen. Sie belegen 17 der 20 Toppositionen. Grund dafür dürften vor allem die Bewertungskriterien sein. Denn 35 Prozent macht die Öffnung neuer Karrieremöglichkeiten aus. In den USA dauern die MBA-Programme zwei Jahre und das mehrmonatige Praktikum nach dem ersten Jahr verbessert die Chancen für neue Karrieremöglichkeiten deutlich mehr als dies bei einjährigen Programmen – wie sie in Europa dominieren – der Fall ist, wo für längere Praktika schlichtweg keine Zeit ist. Das gilt vor allem für Karrierewechsler, die in eine völlig andere Funktion oder Branche umsteigen wollen.

Ebenfalls 35 Prozent entfallen auf die persönliche Entwicklung und die Bildungserfahrung (Qualität der Professoren, GMAT-Wert und Diversität der Klasse). Mit 20 Prozent wird der Gehaltsanstieg bewertet und zehn Prozent entfallen auf das Netzwerk-Potential.

Trotz erheblicher Zweifel an seiner Aussagekraft gilt das Economist-Ranking neben der Rangliste der Financial Times als eines der einflussreichsten globalen Rankings.

PS: Das MBA-Portal Poets & Quants stellt die berechtigte Frage: Is the Economist‘s MBA Ranking below the Economist‘s prestige? und findet dabei auch noch peinliche Fehler.

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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