Economist-Ranking: Absurd und irreführend

Von am 25. Januar 2021
Economist Pixabay freestock-photos

Der Economist hat sein neues MBA-Ranking veröffentlicht, bei dem 15 der bisher 25 besten Schulen fehlen – was das britische Wirtschaftsmagazin verschweigt. Für MBA-Interessenten ist die Rangliste schlicht irreführend.

Stellen Sie sich ein Ranking der besten Automarken vor, bei dem Audi, BMW, Ford, Mazda, Mercedes-Benz, Porsche, Toyota und VW fehlen, weil sie ihre Teilnahme an der Rangliste verweigert haben. Welchen Sinn macht dann so eine Bestenliste noch?

Diese Frage hat man sich beim Economist offenbar nicht gestellt und eine Rangliste der weltweit besten Vollzeit-MBAs erstellt, in dem zahlreiche der besten sowie mehr als 50 weitere Anbieter fehlen.

Allein unter den Top 25 des letzten Rankings von 2019 sind 15 nicht dabei, darunter Harvard, Stanford, Booth Chicago, Wharton, Kellogg, Duke und Yale und in Europa die London Business School, INSEAD, Oxford und Cambridge.

Bereits im November hatte das MBA-Portal Poets & Quants berichtet, dass die sieben führenden und einflussreichsten Business Schools in den USA (Harvard, Stanford, Wharton School, Columbia, School, Chicago Booth und das MIT) das Ranking boykottieren. Überraschend war dabei vor allem der Ausstieg der Chicago Booth School of Business, die in den beiden letzten Jahren jeweils Platz 1 auf der Rangliste belegte.

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Die Folge des Boykotts: Schulen, die trotzdem mitmachten, schnitten deutlich besser ab. Das gilt vor allem für die US-Schulen.

An der Spitze liegt die spanische IESE Business School, die sich um neun Plätze verbessert, gefolgt von der HEC Paris auf Platz 2 (Vorjahr Platz 3) und der Ross School an der University of Michigan, die sechs Plätze aufsteigt.

Die italienische SDA Bocconi School of Management liegt auf Platz 6 (Vorjahr 13). Die französische EDHEC Business School gewinnt 25 Plätze und kommt auf Platz 7. Damit liegt sie noch vor dem IMD in Lausanne auf Platz 10, das ebenfalls 25 Plätze besser abschneidet.

Beste deutsche Schule ist die Mannheim Business School auf Platz 26 (18 Plätze besser als im Vorjahr). Die ESMT in Berlin verbessert sich um 19 Plätze auf Rang 46. Die WHU steigt um 13 Plätze auf Rang 63. Die Universität St. Gallen gewinnt gleich 39 Plätze und kommt auf Platz 53.

Beim Ranking werden folgende Kriterien berücksichtigt: 35 Prozent macht die Öffnung neuer Karrieremöglichkeiten aus, ebenfalls 35 Prozent entfallen auf die persönliche Entwicklung und die Bildungserfahrung (Qualität der Professoren, GMAT-Wert und Diversität der Klasse). Mit 20 Prozent wird der Gehaltsanstieg bewertet und zehn Prozent entfallen auf das Netzwerk-Potential.

Das Economist-Ranking ist schon immer berüchtigt für seine gravierenden Auf- und Abstiege, die erhebliche Zweifel an der Methodologie aufkommen lassen. Doch diesmal sind sie besonders gravierend. So haben 20 der Top 25 ihren Rang um zwölf oder mehr Plätze verbessert.

85 Prozent der Schulen, die bereits bei Ranking dabei waren, also 60 von 71 Schulen, haben eine Verbesserung im zweistelligen Bereich. Die North Carolina State University steigt gleich um 57 Plätze auf Rang 38 auf, die George Washington University um 40 Plätze auf Rang 45. Und ein Dutzend Schulen gewinnt 30 oder mehr Plätze.

Und bis auf zwei Schulen (University of Melbourne und die britische Cranfield School of Management) haben sich alle Schulen verbessert.

Und weil durch den Ausfall der Topschulen genug Platz ist, sind von den 90 gerankten MBA-Programmen 19 entweder neu oder wieder erneut dabei.

Für weniger informierte MBA-Interessenten, die sich auf die Rangliste verlassen und ihre Entscheidung für ein MBA-Programm davon abhängig machen, kann das irreführende Ranking daher zur Falle werden.

Appell an Ranking-Anbieter

Bereits im April 2020 hatten der Präsident des Graduate Management Admission Council (GMAC), das den Zulassungstest GMAT verwaltet, und die Präsidenten der beiden internationalen Akkreditierungsorganisationen AACSB und EFMD an die Medien appelliert, die Veröffentlichungen ihrer Ranglisten aufgrund der Corona-Krise zu verschieben. Denn die Krise werde bisher unbekannte Auswirkungen auf die wichtigsten, dem Ranking zugrundliegenden Kriterien haben.

U.S. News und die Financial Times hatten zu diesem Zeitpunkt bereits ihre Rankings zum Vollzeit-MBA veröffentlicht. Forbes bringt seine Rangliste sowie nur alle zwei Jahre heraus. Und Bloomberg Businessweek hat als einziger der fünf wichtigsten Ranking-Anbieter seine Bestenliste verschoben. Der Economist verschob sein Ranking trotz des Boykotts der führenden US-Schulen nicht. Es gab lediglich eine Verspätung der Veröffentlichung von Ende 2020 auf Januar 2021.

Warum der Economist seine absurde Rangliste überhaupt veröffentlichte, bleibt ein Rätsel. Allerdings macht sich das renommierte Wirtschaftsmagazin mit seinem fragwürdigen Ranking schon lange zum Gespött und scheint sich daran auch nicht zu stören.

Zumindest zeigt die diesjährige Veröffentlichung deutlich, dass das Magazin seiner Verantwortung, MBA-Interessenten (und Arbeitgebern) eine verlässliche Orientierung zu geben, nicht gerecht wird. Besonders ärgerlich ist zudem, dass der Economist nicht einmal darauf hinweist, wie groß die Zahl der Schulen ist, die nicht mitgemacht haben. So heißt es in dem Artikel zum Ranking nur lapidar: „Obwohl einige der bekannten Schulen fehlen, haben wir 90 Schulen gerankt.“

Wer die recht versteckte Methodologie entdeckt, findet unter der Überschrift „nicht berechtigt oder Teilnahme abgelehnt“ (was auch wieder eine irreführende Mischung ist, weil man nicht weiss, welche der aufgezählten Schulen nicht mitmachen wollte oder konnte) 49 Schulen und unter der Überschrift „haben entschieden, ihre Studenten und Alumni dieses Jahr nicht zu befragen“ weitere 13 Schulen, darunter auch die Frankfurt School und die HHL Leipzig Graduate School of Management.

Völlig unverständlich ist, dass das Economist-Ranking neben der Rangliste der Financial Times noch immer als eines der einflussreichsten globalen Rankings gilt.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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