EBS: Weiterer Studentenschwund

Von am 4. Oktober 2017
EBS Campus Oestrich-Winkel EBS EBS Campus Oestrich-Winkel

Trotz der finanziellen Stabilisierung der EBS durch die Übernahme der Privatuni durch den SRH-Konzern im Sommer 2016, sinkt die Zahl der Studenten weiter. Detaillierte Zahlen gibt die Schule auf Anfrage nicht bekannt.

Die EBS und ihre Studentenzahlen – das ist seit Jahren ein dunkles Kapitel. Da wird gemauschelt, geschönt oder gleich ganz geschwiegen. Auf der Website finden sich nur die Zahlen von 2016, obwohl das neue Studienjahr längst angefangen hat. Eine Anfrage an EBS-Präsident Markus Ogorek bleibt unbeantwortet.

Aber immerhin rückte die EBS gegenüber dem Handelsblatt ein paar Zahlen heraus und die zeichnen ein alarmierendes Bild. Denn obwohl mit der Übernahme durch den SRH-Konzern die Unsicherheit, ob die in finanziellen Nöten steckende Privatuni überhaupt überlebt, beseitigt wurde, zieht es offenbar immer weniger Studenten an die EBS.

Laut Handelsblatt haben gerade mal 145 Studenten mit dem Wirtschafts-Bachelor begonnen, im Vorjahr waren es noch 166 und 2013 noch mehr als 200. Und für ein Jura-Studium an der Law School, deren Aufbau vom Land Hessen mit rund 24 Millionen Euro unterstützt wurde, konnten sich gerade mal 71 Abiturienten begeistern. 2016 waren es 74, 2015 sogar nur 55. Gestartet war man 2012 mit 116 Studenten. In dem damals vorgelegten Wachstumsprogramm „EBS 2018″ wollte die EBS 350 Bachelor-Studenten pro Jahr aufnehmen. Nun ist man also bei deutlich weniger als der Hälfte.

Dabei hatte EBS-Präsident Ogorek in einem Artikel in der FAZ im Juni 2017 behauptet, die Hochschule habe die Krise überwunden und die Studentenzahlen beider Fakultäten entwickelten sich positiv. Für die Law School „müsse man im Grunde nicht mehr werben“, wird Ogorek dort zitiert.

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Zahlen zu den Master- und MBA-Studenten nennt der Handelsblatt-Artikel nicht und die EBS schweigt. Dabei könnten gerade die noch schlechter sein. Denn im Master- und MBA-Bereich achten vor allem internationale Interessenten auf die Platzierung einer Schule in den internationalen Rankings wie dem der Financial Times (FT) und auf die internationale Akkreditierung. Doch 2016 hat die EBS die EQUIS-Akkreditierung verloren, nachdem sie zweimal bei der Re-Akkreditierung gescheitert war. Damit kann sie auch nicht mehr an den Rankings der FT teilnehmen. Denn dafür ist die internationale Akkreditierung notwendig.

So sind im vor Kurzem veröffentlichten  Master-in-Management-Ranking der FT gleich fünf deutsche Schulen vertreten. Aber die EBS fehlt. Beim MBA-Ranking hatte die EBS bisher sowieso keine Chance, weil das Vollzeit-Studium nicht die notwendige Klassengröße von 30 Teilnehmern erreichte.

Für Präsident Ogorek ist das offenbar kein Problem. „Ich halte Rankings für komplett unseriös“, sagte er im September gegenüber dem Wiesbadener Kurier. Und den Verlust des EQUIS-Gütesiegels verkauft er sogar als Segen für die Business School. „Uns konnte nichts Besseres passieren, als EQUIS zu verlieren“, zitiert ihn das Handelsblatt. „Das gibt uns die Chance, die Universität neu aufzustellen. Kein Professor kann sich verstecken.“ Da fragt man sich schon, ob der Jura-Professor so recht weiß, was er sagt.

Denn gescheitert sein dürfte die EBS damals unter anderem wegen ihrer prekären finanziellen Situation. Auch die geringe Zahl der Vollzeit-Professoren könnte problematisch gewesen sein. Inzwischen gibt es auf der Website keine Liste der Professoren mehr, so dass es schwer ist, sich einen Überblick über die Zahl der Vollzeit-Professoren zu verschaffen.

Nachdem die EBS bei EQUIS gescheitert ist, versucht sie es nun beim amerikanischen Äquivalent AACSB und will die Akkreditierung – laut einem FAZ-Artikel vom Juni 2016 – bereits 2019 erreichen. In der Regel dauert der aufwändige Prozess vier bis fünf Jahre.

Auch die geplante dritte Psychologie-Fakultät ist laut Handelsblatt offenbar noch nicht in trockenen Tüchern. Noch sei nichts entschieden.

Die 1971 als Fachhochschule gegründete EBS sah sich lange vor allem als Ausbildungsstätte für die Elite und galt bei vielen als die Hochschule, an der vor allem die Söhne und Töchter der Reichen studieren. Seitdem der damalige Präsident Christopher Jahns 2011 gefeuert und später wegen des Verdachts gewerbsmäßiger Untreue angeklagt wurde (das Verfahren ist noch immer nicht beendet) kam die Schule nicht mehr aus den Negativschlagzeilen. Im Frühjahr 2015 stand sie erneut kurz vor der Pleite. Erst im Dezember 2015 konnte die Hochschule erstmals seit fünf Jahren wieder ein positives Eigenkapital ausweisen. Möglich wurde dies nur durch ein Entgegenkommen der Banken, Zuwendungen der Dietmar Hopp Stiftung sowie der Übernahme von Gesellschafteranteilen des Alumni e.V.

Der neue Eigentümer SRH, ein Betreiber von Kliniken und Fachhochschulen mit rund 12.000 Mitarbeitern, soll Investitionen von rund 18 Millionen Euro in die EBS veranschlagt haben. 3,6 Millionen Euro soll er für die Privatuni bezahlt haben. Zehn Millionen Euro sollen laut Wiesbadener Kurier in den Campus in Oestrich-Winkel investiert werden.

Allerdings fehlt nach wie vor ein tragfähiges Finanzierungsmodell. Mit den Studiengebühren allein lässt sich die teure Forschung einer exzellenten Business School nicht finanzieren und schon erst recht nicht bei sinkenden Studentenzahlen. Und vom lukrativen Weiterbildungsgeschäft profitieren nach wie vor allem die Professoren und es gibt zum Teil auch weiter eine fragwürdige Vermischung von Hochschulaktivitäten und Privatgeschäften. Das wollte schon der damalige EBS-Präsident Rolf Cremer vor fünf Jahren ändern und scheiterte. Auch SRH hat sich hier bisher nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Dabei hatte SRH der EBS nach der Übernahme eine „hervorragende Prognose“ attestiert. Jetzt, wo die finanzielle Unsicherheit weg sei, würden auch die Studentenzahlen wieder steigen und die EBS werde wieder ein attraktives Ziel für Spitzenforscher, erklärte SRH-Pressesprecher Nils Birschmann 2016. In fünf Jahren werde sowohl die Business School als auch die Law School zu den Top 5 in den einschlägigen Rankings gehören.

Man darf also gespannt sein, wie lange SRH noch an dem Traum von der Topschule festhält oder ob die EBS eher dem Vorbild der anderen SRH-Hochschulen folgt: hohe Rendite, aber geringe akademische Reputation.

 

 

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

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