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EBS: Tricksen für EQUIS?

Von am 25. Februar 2015
EBS Absolventen Hüte werfen © EBS

Bei der EBS Business School steht die Reakkreditierung von EQUIS an. Der Report soll bereits abgegeben worden sein – möglicherweise mit falschen Angaben. Dafür gibt es zumindest einige Hinweise. So soll das Automotive Institute for Management (AIM) längst geschlossen sein, steht aber weiter auf der Website. Und auch bei der Zahl der Professoren wird offenkundig kräftig getrickst.

Erst beim dritten Anlauf schaffte es die EBS Business School 2012, das begehrte Gütesiegel EQUIS zu bekommen. Ausschlaggebend war dabei wohl weniger die herausragende Qualität der Schule als die gute Vernetzung des damaligen EBS-Präsidenten Rolf Cremer mit der Efmd (European Foundation of Management Development), die die EQUIS-Akkreditierung vergibt, und der damit verbundene „Vertrauensvorschuss“.

Inzwischen ist viel passiert. Gegen den ehemaligen EBS-Präsidenten, Christopher Jahns, gibt es noch immer eine Anklage wegen gewerbsmäßiger Untreue, auch wenn der Prozess wegen massiver psychischer Probleme des Angeklagten vorläufig eingestellt ist.

Die finanzielle Situation der Schule ist mehr als angespannt. Fast alle forschungsstarken Professoren haben die EBS inzwischen verlassen. Die Zahl der Studenten ist dramatisch gesunken.

Und es wird weiter getrickst. Im vergangenen Mai versuchte die EBS auf ziemlich dreiste Weise, ehemalige Teilnehmer an Programmen im Bereich Executive Education zu prellen.

Im Oktober gab die Schule zunächst falsche Zahlen an und weigerte sich dann standhaft, die Zahl ihrer Teilnehmer im Executive MBA, den sie zusammen mit der Durham Business School anbietet, bekannt zu geben. Vor kurzem wurde das Programm – aufgrund fehlender Teilnehmer – erst einmal auf Eis gelegt. Ob es je weitergeführt wird, ist offen.

Nun gibt es Informationen, dass das skandalträchtige Automotive Institute for Management (AIM) bereits im vergangenen Jahr geschlossen worden sein soll. Auch betriebsbedingte Kündigungen soll es in dem Zusammenhang gegeben haben.

Bereits 2012 gab es Zweifel an der ordnungsgemäßen Verwendung von Fördergeldern. So zahlte das Ministerium für Wirtschaft und Verkehr laut Frankfurter Rundschau für die Gründung und den Aufbau des AIM seit 2010 für vier Jahre mit 300.000 Euro im Jahr. Weil das Institut 2010 geringere Ausgaben hatte als veranschlagt, zahlte es 2011 laut Ministerium 60.700 Euro zurück. Weitere 31.300 Euro bekam die Stadt Frankfurt erstattet, die das AIM auch fördert. Den für 2012 von der EBS beantragten Zuschuss von 300.000 Euro lehnte das Ministerium aufgrund des „unausgeglichenen Wirtschaftsplans“ im Februar 2013 ab. Ausgaben in Höhe von 1.019.921 Millionen Euro standen lediglich Einnahmen in Höhe von 858.750 Euro gegenüber. Wo all die Fördergelder von Land, Stadt und Industrie geblieben sind, ist bis heute rätselhaft.

Und die EBS trickst weiter. Die Frage, ob das AIM geschlossen wurde, beantwortet sie nicht. Erst nach einer weiteren Anfrage heißt es: „Wie bereits erläutert, arbeiten wir fortwährend daran, nachhaltig Strukturen zu verbessern und Prozesse zu optimieren. Das gilt auch für das AIM. Unter der Führung von Professor Dr. Sven Henkel werden wir unsere Forschungsaktivitäten im Bereich Mobilität ausbauen. Dabei verfolgen wir einen industrieübergreifenden, interdisziplinären Ansatz, der die Themenfelder Logistik, Mobilität und Innovation noch enger miteinander verzahnen und den Bedürfnissen aus Industrie und Forschung noch besser gerecht werden wird. Die Details dieser strategischen Weiterentwicklung werden wir zu gegebener Zeit veröffentlichen. Bis dahin bitten wir Sie um Geduld.“

Im Klartext heißt das wohl, dass es das AIM nicht mehr gibt. Als Executive Director des AIM steht zwar Professor Henkel noch auf der Website. Doch der wurde offenkundig nicht für das AIM eingestellt. So meldete die EBS am 19.September in der Pressemeldung:  „Henkels Forschungsschwerpunkte am Lehrstuhl für Customer Behaviour and Sales werden vor allem Marketingkommunikation 3.0, Emotional Selling und Technologie-/Innovationsmarketing sein.“  Vom AIM ist nirgends die Rede.

Auch beim Institute for Supply Chain Management – Procurement and Logistics (ISCM), das unter dem Ex-Präsidenten Christopher Jahns eine wichtige Rolle spielte, ist offenbar derzeit nur noch ein Professor aktiv. Einer hat längst die Hochschule gewechselt (steht aber weiter auf der Website), eine Professorin ist in Elternzeit.

Und den seit 2012 von der Dietmar Hopp Stiftung mit 1,5 Millionen Euro für fünf Jahre geförderten Stiftungslehrstuhl am Institute for Sports, Business & Society (ISBS) der EBS Universität gibt es ebenfalls  nicht mehr. Der Lehrstuhlinhaber ist längst an der WHU, das Institut existiert nicht mehr und auch das Fachgebiet Sportmanagement gibt es an der EBS offenbar nicht mehr. Kein Problem für die Dietmar Hopp Stiftung. Die zahlt weiter. Wofür bleibt unklar.

Und dann ist da noch die Liste der 67 Professoren, darunter 17 Honorarprofessoren (bei denen nicht klar ist, ob sie überhaupt unterrichten) sowie 14 außerplanmäßige Professoren und 6 Gastprofessoren. Etliche der Professoren auf der Faculty List sind längst nicht mehr für die EBS tätig oder nur noch teilweise. Laut Einschätzung von Insidern liegt die Zahl der Vollzeit-Senior-Professoren bei gerade mal 15. Davon sind drei Junior-Professoren der EBS, die im vergangenen Jahr noch schnell zu Senior Professoren ernannt wurden. Dazu kommen fünf Junior Professoren.

Auch nach zweimaliger Anfrage weigert sich die EBS, die korrekte Zahl ihrer Vollzeit-Professoren zu nennen – offenbar befürchtet man, dass die Trickserei sonst auffliegt. Und mit dem Zählen hatte die Hochschule schließlich schon immer erhebliche Probleme.

Laut EQUIS-Richtlinien muss eine Schule mindestens 25 Professoren in der Core Faculty haben. Das dürfte die EBS nur mit viel Gemauschel schaffen.

Man darf also gespannt sein, ob die EBS trotzdem die EQUIS-Akkreditierung bekommt. Schließlich wird auch dem jetzigen EBS-Präsidenten Rolf Wolff eine gute Vernetzung mit der EFMD nachgesagt. Und von Transparenz hat Wolff offenkundig schon bei seinem letzten Arbeitgeber, der Stockholm School of Economics, nicht so viel gehalten. Die schwedische Schule setzte ihn damals vor die Tür, weil sie sich um ihren guten Ruf sorgte.

Über Bärbel Schwertfeger

Bärbel Schwertfeger ist Diplom-Psychologin und seit 1985 als freie Journalistin im Bereich Management, Weiterbildung und Personalentwicklung tätig.

Ein Kommentar

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